Margita Haberland

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Margita Haberland (* 1944 in Berlin) ist eine deutsche Schauspielerin, Musikerin und Performancekünstlerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Margita Haberland verbrachte ihre Kindheit in Berlin, flüchtete in den 1950er Jahren mit Mutter und Schwester nach Westdeutschland[1] und lebte anschließend in Österreich, wo sie bereits 1963 am Jugendtheater Salzburg schauspielerische Erfahrungen sammelte. Sie besuchte für drei Jahre die Zinner-Schule in München, die sie 1967 nach bestandener Bühnenreifeprüfung, als staatlich geprüfte Schauspielerin abschloss.

Danach zog es Haberland wieder nach Berlin, wo sie mit Gudrun Ensslin in einer Wohngemeinschaft lebte, sich jedoch schnell von deren radikalem politischen Kurs distanzierte. „Ich gehörte eher zu denen, die ihre politische Wut in Form von Straßentheater oder Happenings umgesetzt haben“, äußert sich Haberland in einem Interview in Jürgen Teipels Buch Verschwende Deine Jugend.[2] 1968 spielte Margita Haberland in der Free-Jazz-Gruppe XY die E-Geige, war Ensemblemitglied bei der deutschen Uraufführung von Hair am Theater an der Brienner Straße und in Rainer Werner Fassbinders Inszenierung Chung als Straßentheater in München im Mai 1968.[3]

Ab 1974 lebte Margita Haberland in Hamburg und beschäftigte sich am Aufbau der Musiktheater- und Jazzrockgruppe Release Music Orchestra, auf deren Veröffentlichungen sie auch als Geigerin zu hören ist.[4] 1979 lernte sie Axel Dill kennen, der sie zunächst mit zur Bremer Punkband Die Blender mitnahm, wo sie E-Geige spielte.[5] Kurz darauf waren Dill und Haberland, zusammen mit Frank Z. und FM Einheit, Gründungsmitglieder der Band Abwärts. Margita Haberland blieb bis 1981 bei Abwärts und entwickelte in dieser Zeit ihre persönliche Art, die Singende Säge zu spielen.[6] Nach dem Bruch mit der Band und einem längeren Krankenhausaufenthalt, zog Margita Haberland in die Vereinigten Staaten,[7] wo sie an der Fachhochschule Naropa Institut in Boulder, ihre schauspielerische Ausbildung erweiterte. 1983 nahm sie unter dem Namen Ma Gita ihre erste Soloplatte, die EP Dolly Jones Engtanz auf.

Seit 1986 wieder in Berlin lebend, beschäftigte sich Margita Haberland mit verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen. Sie spielte in dem Film Am nächsten Morgen kehrte der Minister nicht an seinen Arbeitsplatz zurück von Monika Funke-Stern, neben Udo Kier die weibliche Hauptrolle; in Wim WendersDer Himmel über Berlin ist sie 1987 in einer Nebenrolle zu sehen. 1988 spielt sie in dem, mit dem Kritikerpreis der Kurzfilmtage Oberhausen ausgezeichneten Film Parfait d’amour mit. 1993 ist sie Hauptdarstellerin im Fernsehfilm Bild Leipzig.[8] Haberland arbeitete zudem als Synchronsprecherin in verschiedenen Produktionen und ist seit 1994 in die Filmpädagogische Arbeit von Kinderfilm Berlin e.V und Spatzenkino des JugendKulturService Berlin involviert.

2003 übernahm sie im Rahmen des Theaterprojekts Poesie Syndikat Berlin in Fassbinders Bremer Freiheit die Rolle der Mutter. Sie spielte 2004 im Theaterstück Die Midaq-Gasse von Nagib Machfus in den Sophiensaelen in Berlin mit und nahm an einer Podiumsdiskussion mit dem Titel Warum ist das Böse schön neben Udo Kier, Christoph Schlingensief und Monika Funke-Stern teil. In der Theaterwerkstatt Berlin stand sie im selben Jahr als „Diva“ im Stück Die Küche auf der Bühne.

Den Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit legte Margita Haberland in den letzten Jahren auf Medienkunst und Performance. In ihrem Aktionskunstwerk Die Schaukel – Musik des Gleichgewichts hängte sie sich Geige spielend in einer frei drehbaren Schaukel aus Rohren unter das große Scheunendach von Hof Lühnsdorf zum 685sten Jubiläumsjahr von Baitz im Jahre 1998.[9] Es entstanden eine Reihe von Installationen und Videos, an denen sie maßgeblich beteiligt war: 2004 The Cubes-Project, 2006 Kleine Volksberuhigung[10] und Hütte Hilton, 2007 Echtzeit, 2008 Between Fiction and Fact[1] und Utopie als Teil der Sommerwerkstatt Endmoräne in der Komturei Lietzen.[11]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Solo:

  • 1977: Maja Goldberg (Single), bei Phonogramm
  • 1983: Ma Gita Dolly Jones Engtanz, ZickZack Records
  • 2001: The Beat Goes On – All Jelly, Interdependence Productions

Mit Release Musik Orchestra:

  • 1975: Garuda, Brain
  • 1976: Get the Ball, Brain

Mit Abwärts: (alle bei ZickZack Platten)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Medienkunst aus Berlin
  2. Jürgen Teipel: Verschwende Deine Jugend. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2001, ISBN 3-518-39771-0. S. 13
  3. Biografie von Rainer Werner Fassbinder beim Deutschen Filmhaus
  4. Release Music Orchestra bei krautrock-musikzirkus.de
  5. Jürgen Teipel: Verschwende Deine Jugend. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2001, ISBN 3-518-39771-0. S. 61.
  6. Jürgen Teipel: Verschwende Deine Jugend. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2001, ISBN 3-518-39771-0. S. 170.
  7. Jürgen Teipel: Verschwende Deine Jugend. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2001, ISBN 3-518-39771-0. S. 286.
  8. Bild Leipzig zum Inhalt. zzzfilm, 22. Oktober 2004, archiviert vom Original am 10. September 2005; abgerufen am 18. Januar 2016.
  9. Kunstflug Brandenburg e. V.: Baitz mit Klang 2 (Memento vom 14. Januar 2016 im Internet Archive).
  10. GDK Berlin
  11. Projekt Endmoräne, Lietzen