Maria Forescu

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Maria Forescu (1895)

Maria Forescu, gebürtige Maria Füllenbaum (* 15. Januar 1875 in Czernowitz, damals Österreichisch-Ungarische Monarchie, heute Ukraine; † 1942 oder 1943 in Berlin?) war eine österreichischstämmige Operettensängerin und Filmschauspielerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Internatserziehung in Paris studierte Maria Forescu am Prager Konservatorium Gesang, Musik und Schauspiel.

Um die Jahrhundertwende debütierte sie als Operettensängerin und trat bald am renommierten Wiener Carltheater auf. Nachdem sie dort zum Star aufgestiegen war, gastierte sie an Bühnen in ganz Europa. Anschließend ging sie nach Berlin, wo sie am Theater des Westens, am Operettentheater und am Metropoltheater auftrat.

Aus dieser Zeit sind Hinweise auf Schallplattenaufnahmen auf dem „Parlophon“-Label des Lindströmkonzerns erhalten. Die Anzeige im „Parlophon“-Katalog (ca. 1910) nennt z. B. „P.1375 Puppen-Arie“, a.d.Optte „Die Puppe“ (Audran), P.1351 Tarantella a.d.Optte „Gasparone“ (Millöcker). Maria Forescu, Berlin, mit Orchesterbegleitung Kapellmeister F[riedrich] Kark.

Nachdem sie 1911 erstmals auch in einem Film mitgewirkt hatte, gab sie 1915 den Gesang zugunsten ihrer Filmkarriere ganz auf. Zu den bekanntesten Filmen, in denen Maria Forescu – meist als Nebendarstellerin - mitgewirkt hat, zählen Veritas vincit (Joe May, 1918), Peer Gynt (Richard Oswald, 1919), Das indische Grabmal 2. Teil: Der Tiger von Eschnapur (Joe May, 1921), Marizza, genannt die Schmugglermadonna (Friedrich Wilhelm Murnau, 1922), Hanneles Himmelfahrt (Urban Gad, 1922), Nju (Paul Czinner, 1924), Die freudlose Gasse (Georg Wilhelm Pabst, 1925) und Der Zigeunerbaron (Friedrich Zelnik, 1927).

Ihr Typus war vorzugsweise der der leichtgeschürzten Zigeunerin. An der Wende zum Tonfilm trat sie mehrfach in Filmen ihres Freundes Harry Piel auf (z. B. Sein bester Freund, Bobby geht los, Schatten der Unterwelt). Die letzten bekannteren Filme, in denen Maria Forescu auftrat, waren Gerhard Lamprechts Zwischen Nacht und Morgen und Hans Behrendts Danton (beide 1931).

Nach dem Regierungsantritt der NSDAP fand Maria Forescu, die jüdischer Herkunft war, keine Engagements mehr und wurde 1938 aus der Reichsfachschaft Film ausgeschlossen.

Zuletzt fand sie Unterschlupf bei Maria Hirschburg in der Motzstraße in Berlin-Wilmersdorf. Am 15. August 1942 sollte sie mit dem 18. Osttransport (lfd. Nummer 469) in das Ghetto von Riga deportiert werden, vermutlich ist sie dort nie angekommen, da sie von der Deportationsliste („Füllenbaum gen. Forescu, Maria, 15. Januar 1875, Czernowitz, ledig, nicht arbeitsfähig“) wieder gestrichen wurde. Aller Wahrscheinlichkeit nach verstarb die schwer kranke und nicht mehr transportfähige Künstlerin in Berlin zwischen Sommer 1942 und Jahresende 1943, möglicherweise eines natürlichen Todes.[1][2]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Michael Bock (Hrsg.): CineGraph. Lexikon zum deutschsprachigen Film. Edition Text + Kritik, München 1984 ff. (Loseblattausgabe).
  • Martin Koerber: Maria Forescu, Telefon Neukölln 1329. Eine Spurensuche. In: Dorothea Stanić (Red.): Nahaufnahme Neukölln. Kinos, Kameras, Kopierwerk. Argon-Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-87024-153-5, S. 79–82.
  • Ulrich Liebe: Verehrt, verfolgt, vergessen. Schauspieler als Naziopfer (= Beltz-Taschenbuch. Bd. 168). Mit Audio-CD. Beltz, Weinheim 2005, ISBN 3-407-22168-1, S. 228–229.
  • Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945. Mit einem Geleitwort von Paul Spiegel. Metropol, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-10-9, S. 120.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Näheres dazu siehe Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke, Berlin 2008, S. 121. Dort heißt es: „Eine, wie oftmals zu lesen ist, Deportation in das KZ Buchenwald kann ausgeschlossen werden“
  2. Die Holocaust Survivors and Victims Database des US-amerikanischen Holocaust Memorial Museum kommt zu demselben Schluss und konstatiert bei der falsch geschriebenen Künstlerin ("Maria Frotescu"), dass es zu keiner Deportation gekommen ist