Maria von Ägypten

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Deutsche Fassung der Sophronius-Paulus-Diaconus-Legende von Ferdinand Deycks (1834)
Maria von Ägypten, russische Festikone mit Szenen aus der Legende, 17. Jahrhundert
Maria von Ägypten, gemäß der Legende nur von ihrem Haupthaar verhüllt, als Fürbitterin für ein Stifterpaar; Bildfenster in der Kathedrale von Quimper, 15. Jahrhundert

Maria von Ägypten (lat. Maria Aegyptiaca, * um 344 in Alexandria in Ägypten; † um 421 oder 430 bei Jericho) war eine altkirchliche Eremitin und wird in der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche als Heilige verehrt. Über ihr Leben ist nur Legendarisches überliefert.[1] Ihr Bild findet man oft als Patronin der Büßenden über Beichtstühlen.

Legende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigste Vita der Maria Aegyptiaca ist auf Griechisch verfasst und gilt als Werk des Patriarchen Sophronius von Jerusalem († 638).[2] Paulus Diaconus († 799) übersetzte sie ins Lateinische.[3] Dessen Version wurde zur Grundlage der Fassung der Legenda aurea des Jacobus de Voragine und vieler weiterer Abwandlungen.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Legende bettet Marias Geschichte in einen Rahmen ein, der von dem Mönch Zosimas erzählt, der nach Jahrzehnten vorbildlicher Askese meint, die Vollkommenheit erreicht zu haben, und zur Begegnung mit der Büßerin Maria geführt wird. Diese erzählt ihm ihre Geschichte selbst.

Demnach war sie vor ihrer Lebenswende Prostituierte in Alexandrien. Eines Tages beschloss sie, eine Wallfahrt zum Heiligen Kreuz nach Jerusalem zu unternehmen. An der Tür zur Grabeskirche wurde sie von unsichtbarer Hand dreimal am Eintritt gehindert. Erst nach dem Gebet um den Beistand der Gottesmutter vor einer Marienikone konnte sie die Kirche betreten und bekehrte sich dort zu einem christlichen Lebenswandel.

Ein Unbekannter schenkte ihr drei Münzen. Sie kaufte davon drei Brote und zog sich als Büßerin in die Wüste jenseits des Jordans zurück. 46 Jahre später, am Tag des Osterfestes, fand der Mönch Zosimas die nackte, vollkommen mit Haaren bedeckte Eremitin Maria. Sie bat ihn, am nächsten Osterfest wieder zu ihr über den Jordan zu kommen und ihr die Kommunion zu bringen. Im nächsten Jahr, Zosimas hatte sich auf den Weg gemacht, war an Ostern der Jordan über die Ufer getreten. Maria kam ihm entgegen, schlug ein Kreuzzeichen, schritt über das Wasser, empfing die heilige Kommunion, machte wiederum das Kreuzzeichen, schritt zurück über das Wasser und verschwand. Als Zosimas nach einem weiteren Jahr zurückkehrte, sah er ihren Leichnam und eine in den Sand geschriebene Bitte, sie zu begraben. Obwohl sie bereits ein Jahr tot war, war ihr Körper nicht verwest. Als Zosimas noch überlegte, erschien ein Löwe und grub mit seinen Tatzen das Grab, in das Zosimas sie dann bettete.

Nachweise und Reliquien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals 200 Jahre später, im 6. Jahrhundert, ist Marias Grab als Ziel von Wallfahrten belegt. Die ersten Erzählungen finden sich bei Johannes Moschos um 600, lateinische Übersetzungen Anfang des 7. Jahrhunderts. Die Verwandtschaft der Legende mit den Erzählungen über Maria Magdalena und solchen über die Wüstenväter wie Onophrios den Großen ist deutlich.

Angebliche Reliquien kamen nach Rom, Neapel und Antwerpen. 872 weihte Papst Johannes VIII. den Tempel des Portunus auf dem römischen Forum Boarium zu einer Marienkirche; erstmals 1492 ist sie als Kirche der hl. Maria von Ägypten bezeugt.[4]

Gedenktag und Ikonographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktag der Heiligen ist der 1. April. In den orthodoxen Kirchen wird ihrer am fünften Sonntag der großen Fastenzeit gedacht.

In der Ikonographie wird Maria von Ägypten oft unbekleidet und nur von ihrem Haar bedeckt, mit drei Broten und einem Kelch dargestellt. Sie ist Patronin der Büßerinnen und reumütiger Sünderinnen. Gegen hohes Fieber wird sie im Gebet angerufen. Auf bildlichen Darstellungen des Mittelalters, etwa auf Flügelaltären, werden oft Elemente ihrer Legende mit der von Maria Magdalena nebeneinander gestellt und mitunter auch vermischt.

In der Schlussszene von Goethes Faust II erscheint Maria von Ägypten zusammen mit zwei Frauen aus dem Neuen Testament und legt bei der Jungfrau Maria Fürsprache für Gretchen ein:

Maria Aegyptiaca
Bei dem hochgeweihten Orte,
Wo den Herrn man niederließ;
Bei dem Arm, der von der Pforte
Warnend mich zurücke stieß;
Bei der vierzigjährigen Buße,
Der ich treu in Wüsten blieb;
Bei dem seligen Scheidegruße,
Den im Sand ich niederschrieb –
Zu drey.
Die du großen Sünderinnen
Deine Nähe nicht verweigerst,
Und ein büßendes Gewinnen
In die Ewigkeiten steigerst,
Gönn’ auch dieser guten Seele,
Die sich einmal nur vergessen,
Die nicht ahnte daß sie fehle,
Dein Verzeihen angemessen!

Emil Nolde schuf 1912 zwei Darstellungen: Heilige Maria von Ägypten heute Essen, Folkwang-Museum, sowie das Triptychon Maria Ägyptiaca[5], heute Hamburg, Hamburger Kunsthalle, davor in der Sammlung Heinrich Kirchhoff.

Das Motiv fand Aufnahme in Ottorino Respighis Mysterium Maria egiziaca (dt. Die ägyptische Maria; 1931–1932). Libretto: Claudio Guastalla. UA 1932 New York und Venedig. Eine gleichnamige Oper schrieb der italienische Komponist Alberto Franchetti (1860–1942); sie wurde aber nie aufgeführt und gilt als verschollen bzw. vernichtet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe Vitae patrum
  2. Patrologia Graeca Band 87 c, Sp. 3697ff.
  3. Patrologia Latina Band 73 Sp. 673ff.
  4. Christian Hülsen 1927 (online italienisch)
  5. Ein Ausschnitt „Tod der Maria“ als Print leicht zugänglich in Berghof (Red.): Kunst in der Verfolgung: Entartete Kunst (Ausstellung) 1937 in München. Beispiele. Neckar, Villingen 1998, ohne ISBN, Großformat

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konrad Kunze: Studien zur Legende der heiligen Maria Aegyptiaca im deutschen Sprachgebiet. Erich Schmidt, Berlin 1969
    • dsb. Hg.: Die Legende der heiligen Maria Aegyptiaca. Ein Beispiel hagiographischer Überlieferung in 16 unveröffentlichten deutschen, niederländischen und lateinischen Fassungen, ebd. 1978 ISBN 3-503-00582-X
  • Bios Marias Aigyptias – Die Legende der Maria aus Ägypten. Aus dem Griechischen übersetzt und erläutert von Gabriele Ziegler; Vorwort von Anselm Grün; Schmuckvignetten von Franz Grundler. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2013 (im Druck).
  • Gabriele Ziegler: Die Wüstenmütter. Weise Frauen des frühen Christentums. Camino, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-460-50003-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]