Marion Maréchal-Le Pen

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Marion Maréchal-Le Pen (2013)

Marion Maréchal-Le Pen (* 10. Dezember 1989 in Saint-Germain-en-Laye, Département Yvelines) ist eine französische Politikerin des rechtsextremen Front National. Die Enkelin des Parteigründers Jean-Marie Le Pen und Nichte von Marine Le Pen wurde 2012 für das Département Vaucluse im Alter von 22 Jahren als jüngste Abgeordnete in die Nationalversammlung der Fünften Französischen Republik gewählt.[1] Im Mai 2017 kündigte sie ihren Rückzug aus der Politik an.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marion Maréchal-Le Pen ist die Tochter von Yann Le Pen (Jean-Marie Le Pens Tochter) und die Nichte der Parteivorsitzenden des Front National, Marine Le Pen. Nach Angaben ihrer Mutter war der 2014 verstorbene Diplomat, Journalist und Spion Roger Auque der biologische Vater.[2] Der von 1993 bis 2007 mit Yann Le Pen verheiratete ehemalige Wahlkampfmanager von Jean-Marie Le Pen, Samuel Maréchal, erkannte Marion als seine Tochter an.[3] Die Master-Studentin (Öffentliches Recht) an der Universität Paris II[4] trat mit 18 Jahren dem Front National bei.[5] Erstmals um ein öffentliches Amt bewarb sie sich erfolglos bei den Regionalwahlen 2010 auf dem zweiten Platz der FN-Liste im Département Yvelines.[6]

Am 10. Juni 2012 gewann sie im ersten Wahlgang die französischen Parlamentswahlen mit 34,63 % im als FN-Hochburg bekannten Carpentras (Départements Vaucluse).[7] Im zweiten Wahlgang wurde sie mit 42,09 % der Stimmen vor der Sozialistin Catherine Arkilovitch und dem bisherigen konservativen Abgeordneten Jean-Michel Ferrand (UMP), der dieses Amt insgesamt sechs Legislaturperioden lang innehatte, gewählt.[4]

Maréchal-Le Pen heiratete am 29. Juli 2014 den Unternehmer Matthieu Decosse. Am 3. September 2014 brachte sie eine Tochter zur Welt.

Politische Standpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maréchal-Le Pen hat sich öffentlich dagegen gewehrt, als „rechtsextrem“ bezeichnet zu werden,[8] obwohl ihre Partei als rechtsextrem gilt.[9] Im Gegensatz zu vielen Anhängern des Front National hat sie sich gegen die Todesstrafe ausgesprochen, allerdings für eine „wirklich lebenslange“ Gefängnisstrafe.[10] Sie ist keine Gegnerin des gesetzmäßigen Schwangerschaftsabbruchs bei medizinischen oder sozialen Indikationen, lehnt aber die Kostenübernahme des Eingriffs durch die Krankenkassen ab, wenn dieser wiederholt erfolgt.[11] Sie hat sich außerdem gegen die Gleichberechtigung eingetragener homosexueller Partnerschaften mit der Ehe ausgesprochen und an öffentlichen Demonstrationen dagegen teilgenommen.[12] Des Weiteren bekannte sie, sie gehöre einer Generation an, die von den Werten der Republik „betrunken“ sei, und sieht keinen „Vorrang der Republik vor Frankreich“. Charles Maurras, einen der Führer der rechtsextremen Action française, bezeichnete sie – auch wenn sie nicht in allem mit ihm übereinstimme – als „politischen Denker“.[13]

Maréchal-Le Pen galt unter den Anhängern ihrer Partei als sehr beliebt, besonders im Süden Frankreichs zog sie bei Wahlveranstaltungen regelmäßig große Menschenmengen an. In den Augen ihrer Anhänger wurde sie auch als mögliche Nachfolgerin ihrer Tante Marine Le Pen gesehen; dabei wurden Ihre Positionen oft als gegensätzlich zu den anti-europäischen Stellungen Marine Le Pens und ihres Stellvertreters Florian Philippot interpretiert. Nach der Niederlage Marine Le Pens bei den Präsidentschaftswahlen erklärte sie Anfang Mai 2017 ihren Rückzug von der Politik. Beobachter sahen darin u.a. die Absicht, sich nicht in einen offenen Machtkampf mit ihrer Tante ziehen zu lassen.[14][15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marion Maréchal-Le Pen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marion Le Pen plus jeune députée de la Ve République, Le Figaro
  2. Artikel über Roger Auque in der frankofonen Wikipedia
  3. L'identité du véritable père de Marion Maréchal-Le Pen dévoilée Le Parisien, 7. November 2013
  4. a b Législatives 2012: entendu au marché avec Marion Marechal-Le Pen, candidate dans le Vaucluse, Huffington Post
  5. Marion, le nouveau visage du clan Le Pen, Le Figaro
  6. Französisches Innenministerium
  7. Marion Maréchal-Le Pen en tête dans le Vaucluse, Le Nouvel Observateur
  8. Marion Maréchal-Le Pen sur RTL : "Je ne suis pas d'extrême droite". RTL.fr, 8. November 2012, abgerufen am 20. März 2013 (französisch).
  9. Gilles Ivaldi, Marc Swyngedouw: HAL-SHS Rechtsextremismus in populistischer Gestalt. Front National und Vlaams Blok, Januar 2006
  10. « Peine de mort : Marion Maréchal-Le Pen dit non ». 20 minutes, 11. Oktober 2012, abgerufen am 20. März 2013 (französisch).
  11. Marion M. Le Pen sur les IVG : « l'État n'a pas à rembourser l'inattention de certaines femmes ». ladepeche.fr, 11. Oktober 2012, abgerufen am 20. März 2013 (französisch).
  12. « Marion Maréchal Le Pen agite l'argument de la polygamie ». Europe1: Le Lab, , abgerufen am 20. März 2013 (französisch).
  13. Maréchal-Le Pen juge sa génération «saoulée par les valeurs de la République». www.lefigaro.fr, 27. April 2016
  14. Le Point: 'Marion Maréchal-Le Pen : un départ qui va laisser des traces', 12. Mai 2017, abgerufen am 16. Mai 2017 (französisch)
  15. Le Figaro: 'Le départ de Marion Maréchal-Le Pen, adieu ou au revoir ?', 10. Mai 2017, abgerufen am 16. Mai 2017 (französisch)