Éric Zemmour

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Éric Zemmour (2008)

Éric Zemmour (* 31. August 1958 in Montreuil bei Paris) ist ein französischer Journalist und Autor. Er ist Redakteur der Tageszeitung Le Figaro. Zemmour ist einer der bekanntesten Exponenten der islamkritischen bis islamfeindlichen Rechten in Frankreich. Er wurde wegen Verbreitung von Rassenhass mehrfach von französischen Gerichten verurteilt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Éric Zemmour wurde in Montreuil-sous-Bois als Sohn von Roger und Lucette Zemmour geboren. Die Familie ist jüdisch-algerischer Abstammung. Algerische Juden sind seit dem Décret Crémieux von 1870 französische Staatsbürger. Nach dem Abschluss am Institut d’études politiques de Paris blieben zwei Versuche Zemmours, an der École nationale d’administration aufgenommen zu werden, ohne Erfolg. Er arbeitete dann beim Le Quotidien de Paris. Später kam er zu Info-Matin und schrieb für Globe Hebdo, ein wöchentliches Nachrichtenmagazin. 1996 wurde er politischer Kolumnist bei Le Figaro. Zemmour schrieb außerdem Biografien von Jacques Chirac und Édouard Balladur und einige politische Essays. Seit dem 14. Oktober 2019[1] moderiert er eine wöchentliche Sendung auf CNews[1] (früher i-Télé) von Vivendi, zudem arbeitet er auch beim Nachrichtensender LCI.[1]

Zemmour sorgte mit Äußerungen über arabische und schwarze Einwanderer für Aufsehen.[2] Im Februar 2011 und erneut am 17. September 2019[1] wurde er in Paris wegen Aufstachelung zum Rassenhass zu einer Geldstrafe verurteilt. Anders als oft berichtet war der Grund dafür nicht seine Bemerkung, Einwanderer würden häufiger von der Polizei kontrolliert, weil die „Mehrheit der Drogendealer Schwarze oder Araber“ seien.[3] Am selben Tag hatte er im Sender France Ô erklärt, seiner Meinung nach hätten Arbeitgeber „das Recht, Araber oder Schwarze abzulehnen“, was nach Meinung des Gerichts „eine illegale diskriminatorische Praxis rechtfertigt“.[4] Weiteres Aufsehen erregte Zemmour mit seiner sarkastischen These, man müsse „Molenbeek bei Brüssel bombardieren, wenn man die Terroristen treffen wolle, und nicht Rakka im fernen Syrien.“[5]

Den Feminismus bezeichnete er als „Vernichtungskrieg gegen den weißen, heterosexuellen Mann“.[1] Zudem äußerte er sich relativierend bzw. verharmlosend über die Haltung des Vichy-Regimes[1] gegenüber Juden. Obwohl jüdischer Abstammung, fordert Zemmour dezidiert ein „katholisches Frankreich“[1] und verweist dabei auf Polen,[1] das, seiner Meinung nach, den Katholizismus konsequent verteidige. Von der Bewegung der Gelbwesten sagte er sich los,[1] als sich diese als unempfänglich für seine Forderungen erwies. Dennoch erhielt er beim rechtsextremen Front National bis dato (November 2019) keine politische Teilhabe.

Diese und ähnliche Stellungnahmen, in seinen Büchern ausführlich dargelegt und in Großauflagen verkauft, machen ihn zu einem umworbenen Stichwortgeber der Partei Les Républicains,[1] der ehemaligen UMP. Der Historiker Gérard Noiriel machte 2019 in einer beim Verlag La Découverte erschienenen Veröffentlichung mit dem Titel Le Venin dans la plume. Édouard Drumont, Éric Zemmour et la part sombre de la République[1] einen Vergleich zwischen dem offen antiislamischen Zemmour und dem Antisemiten Drumont (1844–1917) und dessen Buch La France juive, beiden attestiert er strukturelle Analogien in ihrer Art, hasserfüllte Polemiken in die Öffentlichkeit zu tragen. Der Schriftsteller François Bégaudeau bescheinigt Zemmour ein Desinteresse für soziale Anliegen und einen Glauben an die „identitäre Leidenschaft und den fundamentalen Rassismus der unteren Schichten“.[1] Laut Bégaudeau richtet sich Zemmours Polemik auch gegen Homosexuelle, so spricht Zemmour in diesem Zusammenhang von der „Homosexuellenlobby“.[1]

Am 25. September 2020 verurteilte ihn ein Gericht in Paris, die 17e chambre correctionnelle, wegen Ehrverletzung und Aufruf zum Hass (injure et provocation à la haine)[6] zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro. Das Urteil war die Folge einer Aussage Zemmours am 28. September 2019 auf der Veranstaltung Convention de la droite, im politischen Umfeld von Marion Maréchal. In der Urteilsbegründung wurde dargelegt:

« [...] en distinguant parmi les Français l’ensemble des musulmans opposés aux “Français de souche” et en les désignant, ainsi que les immigrés musulmans vivant en France, non seulement comme des criminels auteurs des attentats de 2015 mais comme d’anciens colonisés devenus colonisateurs », les propos tenus « constituent une exhortation, tantôt implicite tantôt explicite, à la discrimination et à la haine à l’égard de la communauté musulmane et à sa religion. »[6]
deutsch etwa: „[...] indem er unter den Franzosen eine Trennung vollzog zwischen der Gesamtheit der Muslime und den "Franzosen der Scholle" [ein Ausdruck für alteingesessene Franzosen], und indem er sie, ebenso wie die in Frankreich lebenden muslimischen Immigranten, nicht nur als die kriminellen Täter der Attentate von 2015 bezeichnete, sondern sie zu Kolonisatoren gewordenen ehemaligen Kolonisierten erklärte, stellen diese Worte eine Aufforderung – ebenso implizit wie explizit – zur Diskriminierung und zum Hass gegenüber der muslimischen Gemeinschaft und ihrer Religion dar.“

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Zemmour seine Aussagen nicht spontan gemacht hatte, sondern darauf vorbereitet war, wobei er seine Worte bewusst wählte. Die in der Rede gemachten Aussagen würden, so das Gericht, die Grenzen der Meinungsäußerungsfreiheit überschreiten, weil es sich um verletzende Äußerungen gegenüber einer Gemeinschaft und ihrer Religion handelt (« outrepassent les limites de la liberté d’expression puisqu’il s’agit de propos injurieux envers une communauté et sa religion »[6]). Die Ligue des droits de l’homme, SOS-Racisme und sechs weitere Organisationen erhielten vom Gericht ein symbolisches Schmerzensgeld von 1 Euro und 1500 Euro an die entstandenen Prozesskosten zugesprochen.

Die Pariser Staatsanwaltschaft hat in einem weiteren Fall am 1. Oktober 2020 gegen Zemmour eine Untersuchung eröffnet: Dabei geht es laut Staatsanwaltschaft um Aufstachelung zum Rassenhass“ (provocation à la haine raciale)[7] und „öffentliche Ehrverletzung rassistischer Art“ (injures publiques à caractère raciste).[7] In einer Debatte unter der Leitung der Journalistin Christine Kelly auf CNews hatte Zemmour über im Umfeld von Terrorermittlungen in Isolation genommene Minderjährige geäußert: « Ils n’ont rien à faire ici, ils sont voleurs, ils sont assassins, ils sont violeurs, c’est tout ce qu’ils sont, il faut les renvoyer et il ne faut même pas qu’ils viennent. »[7] (deutsch etwa: „Die haben hier nichts zu suchen, das sind Diebe, das sind Mörder, das sind Vergewaltiger, das ist alles was sie sind, man muss sie zurückschicken und sie sollen gar nicht erst herkommen.“) Die Beigeordnete Ministerin für Diversität und Chancengleichheit Elisabeth Moreno verurteilte die Aussage Zemmours. SOS-Racisme und andere Organisationen haben Strafanzeigen angekündigt.

Politische Aussagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während einer von Marion Maréchal organisierten „Zusammenkunft der Rechten“ (Convention de la droite)[1] hielt Zemmour am 28. September 2019[1] in Paris eine programmatische, den Kern seines Denkens enthüllende Grundsatzrede. In ihr prangerte er den sogenannten „Progressivismus“ als „immer ausgefeilteren repressiven Apparat der Kanalisierung und der Zensur“ an, dem die Justiz als Vollstreckerin diene, „um Dissidenten zu schikanieren und die einst schweigsame, jetzt gelähmte Mehrheit zu terrorisieren“. Dieser „Progressivismus“ diene zwei „Totalitarismen“, die „gleichzeitig Rivalen und Komplizen“ seien: „Sie zerstören unsere Nationen, unsere Völker, unsere Territorien, unsere Traditionen, unsere Lebensweise, unsere Kulturen: auf der einen Seite der Markt-Universalismus...; andererseits der islamische Universalismus, der ... Teile des französischen Territoriums... allmählich durch die schiere Kraft der Zahl und des religiösen Rechts in ausländische Enklaven verwandelt... Früher bedeutete Einwanderung, aus dem Ausland zu kommen, um seinen Kindern eine französische Zukunft zu ermöglichen. Heute kommen Einwanderer nach Frankreich, um wie in ihrem Herkunftsland weiterzuleben... Sie verhalten sich so, als ob sie sich in erobertem Gebiet befinden, wie die Pieds-Noirs in Algerien oder die Engländer in Indien: sie verhalten sich wie Kolonisatoren.“ „In Frankreich wie auch anderswo in Europa werden alle unsere Probleme durch die Einwanderung verschärft... Und alle unsere Probleme, die durch die Einwanderung verschärft werden, werden durch den Islam verschärft. Es ist eine doppelte Gefahr.“ Fazit: „Wir leben unter der Herrschaft eines neuen Hitler-Stalin-Paktes. Unsere beiden Totalitarismen haben sich zusammengeschlossen, um uns zu zerstören, ehe sie sich gegenseitig in Stücke reißen.“[8]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eric Zemmour ist mit Mylène Chichportich verheiratet, das Paar hat zwei Söhne und eine Tochter.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Éric Zemmour – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o Serge Halimi: Rendezvous mit einem Brandstifter. In: Barbara Bauer, Anna Lerch (Hrsg.): Le Monde diplomatique. Nr. 11/25. TAZ/WOZ, November 2019, ISSN 1434-2561, S. 23 (Serge Halimi ist Direktor der Le Monde diplomatique Hauptausgabe in Paris).
  2. Sascha Lehnartz: "Drogenhändler sind meist Schwarze oder Araber", Die Welt, 14. Januar 2011
  3. Angelique Chrisafis: French journalist convicted on racism charge over drug dealer comment. The Guardian, 18. Februar 2011.
  4. Eric Zemmour condamné pour provocation à la discrimination raciale (Memento vom 3. August 2011 im Internet Archive)
  5. Andres Wysling: Intellektuelle im Krieg. Neue Zürcher Zeitung, 7. Januar 2016
  6. a b c Redaktion/Agence France-Presse: Eric Zemmour condamné à 10 000 euros d’amende pour injure et provocation à la haine – Cette condamnation répond à la violente diatribe sur l’islam et l’immigration qu’il avait proférée en septembre 2019, lors d’un rassemblement politique, à Paris. In: Le Monde. 25. September 2020, abgerufen am 17. Dezember 2020 (französisch).
  7. a b c Redaktion/Agence France-Presse: Enquête ouverte contre Eric Zemmour pour « provocation à la haine raciale » après ses propos contre les migrants – Il a qualifié les migrants mineurs de « voleurs », d’« assassins » et de « violeurs » sur la chaîne CNews, mercredi. In: Le Monde. 1. Oktober 2020, abgerufen am 17. Dezember 2020 (französisch).
  8. Rod Dreher: Eric Zemmour’s Blockbuster Speech, The American Conservative, 3. Okt. 2019, abgerufen 31. Okt. 2019
  9. Taschenbuchausgabe 2010, ISBN 978-2253157809