Markt (Lübeck)

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Der Markt ist der erste Platz der Hansestadt Lübeck.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgrabungen Ende der 1990er Jahre brachten sieben Schichten aus unterschiedlichen Zeiten zu Tage, was darauf hinweist, dass der Markt durchgehend benutzt wurde. Außerdem fand man römische Keramik, die in Schächten verborgen lag. Man vermutet, dass es sich um Opfergaben aus der frühgeschichtlichen Zeit handeln könnte. Dass der Platz bereits in der Frühgeschichte eine besondere Bedeutung innehatte, lässt sich den Schriften des Chronisten Helmold von Bosau aus dem Jahr 1156 entnehmen, wo er erwähnt, dass auf diesem Platz heidnische Stämme ihren Thing abgehalten hatten.

Im Mittelalter war Einzelhandel nur im Marktareal zwischen der oberen Mengstraße und dem Kohlmarkt und dem Schüsselbuden bis zur Breiten Straße erlaubt. 1290 standen 322 Verkaufsbuden auf dem Markt. Die Marktgerechtigkeit wurde Ende des 13. Jahrhunderts auf das ganze Stadtgebiet erweitert. Vollständig umbaut wurde der Markt in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, zunächst teilweise mit Holzgebäuden, die nach und nach durch feste und unterkellerte Gebäude ersetzt wurden.

Die im 18. Jh. überformten einstigen Handelshäuser gegenüber der Marienkirche stellten den eigentlichen Marktrand dar. Erhalten ist nur der gotische Keller von Nr. 2 (siehe hier).

Das Regiment kehrte am Vormittag des 26. November 1918, vom Wachtdienst während der Übergangszeit um das elsaß-lothringische Straßburg herum kommend, auf dem Hauptbahnhof heim. In der offiziellen Feier am 30. November auf dem Markt begrüßte neben Bürgermeister Fehling als Vertreter des Senats, auch Dimpker als Wortführer der Bürgerschaft, Retyfeldt als Mitglied des Soldatenrates und der Redakteur Stelling als Vertreter des Arbeiterrates das heimgekehrte Regiment. Von diesem waren jedoch nur noch Reste vorhanden. So hatten seine Offiziere das Regiment bereits verlassen. Da Hauß erkrankt war, dankte der Kommandeur des ebenfalls in Lübeck ansässigen Kommandos von der 81. Infanterie-Brigade, Oberst Hans von Werder, ihnen im Namen des Regiments.[1]

Bebauung und weitere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Markt wird nach Nordosten von dem winklig angelegten Baukörper des Rathauses abgeschlossen, der ihn von der Fußgängerzone der dahinterliegenden Breiten Straße optisch trennt, obwohl fußläufig eine Verbindung durch die Arkaden des Rathauses besteht. Der Ratskeller zu Lübeck unter dem Rathaus ist als Ratskeller seit 1220 belegt. Trotz der Kriegszerstörungen durch den Luftangriff auf Lübeck am 29. März 1942 und einer Verkleinerung nach Süden beim Wiederaufbau der Innenstadt zeigt der Markt sich vor der mächtigen Kulisse der Marienkirche fast noch wie auf alten Ansichten. Der Kaak, eine mittelalterliche Gerichtslaube und Pranger, wurde nach dem Krieg 1952 abgebrochen und eingelagert; 1986 wurde er etwas nach Norden versetzt unter Verwendung alter Bauteile wiederaufgebaut. Das den Markt nach Westen abschließende neugotische Postamt erhielt in den 1950er Jahren zunächst eine schlichtere Fassade und wurde nach dem Auszug der Post 2003 abgerissen und 2005 durch einen modernen Kaufhausneubau des Architekten Christoph Ingenhoven ersetzt. Das Geld reichte nicht aus, um das bei dieser Gelegenheit mit abgerissene Stadthaus wieder aufzubauen, so dass sich die Nordwestecke als ungenutzte Freifläche zeigt. Der 1873 erbaute Marktbrunnen wurde 1934 abgerissen, da der Markt bis in die frühen 1980er Jahre als Parkplatz benutzt wurde.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Markt findet in der Vorweihnachtszeit einer der Lübecker Weihnachtsmärkte statt. Ein Reliefbild für Blinde/Ortsunkundige befindet sich am Rande des Marktes.

Kohlmarkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kohlmarkt (Lübeck)

Hinter dem Südriegel der Marktbebauung schließt sich der Kohlmarkt an. Seinen Namen hat er aus dem Mittelalter, denn zu dieser Zeit wurde dort Meilerkohle verkauft (und nicht Kohl, wie irrtümlicherweise oft angenommen wird). Allerdings kommt heute seine Platzfunktion dadurch nicht zum Tragen, weil er auf erste Sicht nur eine große Haltestelle des Stadtverkehr Lübeck ist. Vom Kohlmarkt führt die Holstenstraße den Altstadthügel herab zur Trave und über die Holstenbrücke in Richtung Holstentor nach Westen aus der Altstadt. Nach Auslegung Wilhelm Brehmers[3] könnte der Kohlmarkt aber beiderseitig der Holstenstraße verlaufen sein. Zusammen mit der Wahmstraße und der Holstenstraße bildet der Kohlmarkt die einzige Ost-West-Verbindung der Lübecker Altstadt sowie die Sandstraße die Süd-West-Verbindung und ist damit eine wichtige Trasse des ÖPNV.

Westlich des Marktes verbindet der Schüsselbuden die Beckergrube und die Mengstraße mit dem Kohlmarkt und der Holstenstraße.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Markt (Lübeck) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Heimkehr des Regiments Lübeck.; In: Vaterstädtische Blätter; Jg. 1918/19, Nr. 5, Ausgabe vom 8. Dezember 1918, S. 17-19.
  2. In der erstmals 2005 ausgestrahlten Mysterie-Fernseherie 4 gegen Z wurde das Modell im Vorspann gezeigt. Hinter ihm stand Zanrelot, der die Zuschauer wissen ließ, dass Lübeck ihm gehöre.
  3. Die Straßennamen in der Stadt Lübeck und deren Vorstädten, Lübeck 1889

Koordinaten: 53° 52′ 0″ N, 10° 41′ 6″ O