Johannes Stelling

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Johannes Stelling
Gedenktafel, Stelling-Janitzky-Brücke, in Berlin-Adlershof
Gedenktafel im Lübecker Rathaus für die Bürgerschaftsmitglieder, die Opfer des Nationalsozialismus wurden
Ministerpräsident Stelling. Karikatur von Egon Tschirch (1924)
Grabstätte

Johannes Stelling (* 12. Mai 1877 in Hamburg; † in der Nacht vom 21. zum 22. Juni 1933 im Zuge der Köpenicker Blutwoche in Berlin ermordet) war ein deutscher sozialdemokratischer Politiker. Stelling war von 1921 bis 1924 Ministerpräsident des Freistaates Mecklenburg-Schwerin.

Leben, Beruf, Ermordung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch der Volksschule in seiner Geburtsstadt absolvierte Stelling von 1892 bis 1895 eine kaufmännische Lehre, die er mit der Handlungsgehilfenprüfung abschloss. Nach einiger Zeit in seinem erlernten Beruf war er von 1901 bis 1919 Redakteur der sozialdemokratischen Tageszeitung Lübecker Volksbote. In dieser Zeit wurde er mehrfach verhaftet. Seit 1916 gehörte er der Kriegshilfe und dem Landesversorgungsamt Lübeck an.

Aufgrund seiner Prominenz und entschiedenen Haltung gegen die nationalsozialistische Diktatur des Dritten Reiches, wobei er sich unter anderem in der Öffentlichkeit und im Ausland darum bemühte, den Reichstagsbrand als von den Nationalsozialisten bewusst provoziert klarzustellen, wurde Stelling in der Nacht vom 21. zum 22. Juni 1933 im Auftrag des Berliner SA-Sturmbannführers Herbert Gehrke verfolgt und mit mehreren anderen Gesinnungsgenossen verhaftet. Augenzeugen, so der gleichfalls verschleppte Parteifreund Heinrich Reinefeld, berichteten, dass Stelling vor dem gemeinsamen Abtransport in das örtliche Amtsgerichtsgefängnis im Lokal Seidler durch eine sich abwechselnde Gruppe bestehend aus über 150 SA-Schlägern erniedrigt, misshandelt und gefoltert wurde. Am 1. Juli des gleichen Jahres wurde aus der Dahme ein mit Steinen beschwerter Sack geborgen, der die durch zahlreiche Oberkörper-Schussverletzungen entstellte Leiche eines Mannes enthielt. Nur anhand eines Trauringes und eines Monogramms auf dem Taschentuch konnten Verwandte die sterblichen Überreste Johannes Stelling zuordnen. Die Beisetzung fand am 24. August 1933 auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde statt. Das Grab wurde am 4. Dezember 1950 in die Gedenkstätte der Sozialisten eingegliedert. Der ehemalige Ministerpräsident von Mecklenburg-Schwerin und Reichstagsabgeordnete der SPD war eines der Opfer der Köpenicker Blutwoche, in der im Zeitraum vom 21. bis 26. Juni 1933 zahlreiche Gegner des Nationalsozialismus von der SA gefangengenommen und misshandelt und über 20 ermordet wurden. In Säcken eingenäht, die das Wasser der Dahme Anfang Juli 1933 der Grünauer Fähre anschwemmte, wurden die verstümmelten Leichen von Johannes Stelling, Paul von Essen und Karl Pokern gefunden. Stelling und Essen wurden, unter großer Anteilnahme ihrer sozialdemokratischen Genossen, im Juli 1933 im Krematorium Wedding (Gerichtsstraße) eingeäschert.[1] Johannes Stelling wurde am 15. August 1933 in der Gedenkstätte der Sozialisten beigesetzt.[2] Am 12. Februar 1934 schlägt die Zentralstaatsanwaltschaft das „Verfahren in der Todesermittlungssache Stelling, von Essen, Pokern und Pohle“ nieder.[3]

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon früh trat Stelling der SPD bei. Seit 1924 gehörte er dem Parteivorstand an. Als der Vorstand 1933 in die Tschechoslowakei emigrierte, blieb er – trotz Warnungen – in Deutschland und hielt den Kontakt zwischen den Emigranten und den in Deutschland gebliebenen Mitgliedern.

Zudem war Stelling seit 1924 Gauvorsitzender des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold im Gau Berlin-Brandenburg und Mitglied des Bundesvorstandes.

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

30. November 1918

Das heimische Regiment kehrte am Vormittag des 26. November 1918, vom Wachtdienst während der Übergangszeit um das elsaß-lothringische Straßburg herum kommend, auf dem Hauptbahnhof heim. In der offiziellen Feier am 30. November auf dem Markt begrüßte neben Bürgermeister Fehling als Vertreter des Senats auch Dimpker als Wortführer der Bürgerschaft, Retyfeldt als Mitglied des Soldatenrates und der Redakteur Johannes Stelling als Mitglied des Arbeiterrates das heimgekehrte Regiment. Von diesem waren jedoch nur noch Reste vorhanden. So hatten seine Offiziere bereits das Regiment verlassen. Da der Regimentskommandeur, Oberstleutnant Ludwig Hauß, erkrankt war, dankte der Brigabdekommandeur des ebenfalls in Lübeck ansässigen Kommandos von der 81. Infanterie-Brigade, Oberst Hans von Werder, ihm im Namen des Regiments.[4]

Stelling war von 1907 an bis 1919 Abgeordneter der Lübecker Bürgerschaft. Er gehörte 1919/20 der Weimarer Nationalversammlung und anschließend (mit Ausnahme der kurzen Wahlperiode von Mai bis Dezember 1924) bis 1933 dem Reichstag an. Von 1921 bis 1924 war er zudem Landtagsabgeordneter in Mecklenburg-Schwerin.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 16. August 1919 war er Innenminister und vom 19. Januar 1921 bis zum 18. März 1924 Ministerpräsident des Freistaates Mecklenburg-Schwerin.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafeln am Reichstag

Nach Stelling sind der Stellingdamm in Berlin-Köpenick und die Johannes-Stelling-Straße in Schwerin und Lübeck benannt. Die SPD-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern verleiht seit 2006 jährlich den Johannes-Stelling-Preis. Auch Greifswald ehrte ihn mit der Verleihung seines Namens an eine Straße der Innenstadt. Seit 1992 erinnert in Berlin in der Nähe des Reichstags eine der 96 Gedenktafeln für von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete an Stelling. Am Stellingdamm 36 in Köpenick gibt es zudem eine Gedenktafel und einen Stolperstein für Johannes Stelling.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Johannes Stelling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich-Wilhelm Wörmann, S.  62.
  2. Joachim Hoffmann: Berlin-Friedrichsfelde. Ein deutscher Nationalfriedhof - Kulturhistorischer Reiseführer. Das Neue Berlin, Berlin 2001, S. 109. ISBN 3-360-00959-2
  3. Stefan Hördler, S. 73.
  4. Die Heimkehr des Regiments Lübeck.; In: Vaterstädtische Blätter; Jg. 1918/19, Nr. 5, Ausgabe vom 8. Dezember 1918, S. 17–19.