Marktgebiet (Erdgas)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ein Marktgebiet in der Erdgaswirtschaft umfasst das Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Fernleitungsnetzbetreiber. Gas, das in ein Marktgebiet eingespeist worden ist, kann zu einem einheitlichen Preis an jeden beliebigen Entnahmepunkt desselben Marktgebietes geliefert werden und kann daher zwischen Marktteilnehmern über einen sog. virtuellen Handelspunkt gehandelt werden.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb eines Marktgebietes muss ein Gaslieferant den betreffenden Netzen stets die Menge an Gas einspeisen, die er oder seine Kunden den Netzen entnehmen, ohne dass es sich bei der entnommenen Menge auch um das vom Gaslieferanten zugeführte gleiche physische Gas handelt; dazu findet eine sog. Bilanzierung statt, durch die der Lieferant Einspeisungen und Ausspeisungen in das Netz ausgleicht. Somit hält ein Transportkunde oder Händler immer eine bestimmte Menge Gas innerhalb eines Marktgebiets, die auch frei gehandelt werden kann.

Innerhalb eines Marktgebietes gibt es eine Vielzahl von Bilanzkreisen, über die alle eingebrachten Handelsmengen abgerechnet werden. Die Bilanzkreise stellen somit die in einem Marktgebiet aktiven Händler bzw. Transportkunden dar. In jedem Bilanzkreis gibt es einen Bilanzkreisverantwortlichen (BKV), der einen Bilanzkreisvertrag mit dem Marktgebietsverantwortlichem abschließt, um den Ausgleich und die Abrechnung von Abweichungen zwischen ein‐ und ausgespeisten Gasmengen zu regeln. Dabei kann externe Regelenergie benötigt werden, um physische Differenzen zwischen Ein- und Ausspeisung ausgleichen zu können. Bilanzkreisverantwortliche sind für eine ausgeglichene Bewirtschaftung der Bilanzkreise und somit primär für die Vermeidung der Notwendigkeit von Regelenergie verantwortlich. Trotzdem entstehender Regelenergiebedarf wird durch Marktgebietsverantwortlichen (MGVen) zentral und diskriminierungsfrei durch entsprechende Ein- und Verkäufe ausgeglichen.

Der Transport von Gas innerhalb eines Marktgebietes erfolgt durch die Benennung von Ein- und Ausspeisemengen sowie -punkten (Entry-Exit-System). Für die Nutzung der Gasnetze werden Gebühren erhoben, die unabhängig von der Entfernung der Ein- und Ausspeisepunkte sind. Für den Netzzugang werden Entry- und Exitkapazitäten gebucht. Um dies zu ermöglichen, sind Netzbetreiber verpflichtet, freie Kapazitäten im Internet bekannt zu geben. Darüber hinaus müssen Ein- und Ausspeisepunkte benannt werden, zwischen denen das Gas transportiert werden kann. An diesen Punkten müssen die Netzbetreiber Ein- und Ausspeisekapazitäten anbieten, die unabhängig voneinander nutzbar sind, ohne dass sich der Transportkunde auf einen bestimmten, transaktionsabhängigen Transportpfad festlegen muss.

Marktgebiete in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marktgebietsübergangskapazitäten ebenso wie die Grenzübergangskapazitäten zu Nachbarländern sind in Deutschland knapp und können zu Störungen im Handel zwischen den Marktgebieten führen, sodass sich in den jeweiligen Gebieten zum Teil unterschiedliche Preise für Erdgas einstellen. Insbesondere auf Druck durch die Bundesnetzagentur, die die Preistransparenz und die Liquidität des Gasmarktes fördern wollte, ist die Anzahl der Marktgebiete in den vergangenen Jahren stetig reduziert worden, von über 40 Marktgebieten im Jahr 2006 auf heute zwei.[1]

Die in Deutschland derzeit bestehenden zwei Marktgebiete sind Gaspool, in Nord-, West- und Ostdeutschland, sowie NetConnect Germany, in West- und Süddeutschland, bestehend aus den Versorgungsgebieten der folgenden Netzbetreiber:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Energie 2011: Wettbewerbsentwicklung mit Licht und Schatten. Sondergutachten der Monopolkommission gemäß § 62 Abs. 1 EnWG. Sondergutachten 59, S. 102 ff. (monopolkommission.de [PDF; 6,7 MB; abgerufen am 15. Februar 2013]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]