Marktliquiditätsrisiko

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Als Marktliquiditätsrisiko wird das Risiko eines Marktteilnehmers bezeichnet, dass Vermögensgegenstände, insbesondere Finanzinstrumente, aufgrund der zu geringen Aufnahmefähigkeit eines Marktes (Marktliquidität) nur zu einem geringeren als dem erwarteten Marktpreis oder gar nicht verkauft werden können. Allgemein ist es das Risiko, dass eine beliebige Risikoposition (ein Exposure) nur zu finanziell ungünstigeren Bedingungen als erwartet geschlossen werden kann. Das Marktliquiditätsrisiko ist ein Finanzrisiko und wird manchmal als Teil des Marktpreisrisikos angesehen.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Risikotreiber für das Marktliquiditätsrisiko sind

  • die Marktgröße,
  • die Geld-Brief-Spanne,
  • die Aufnahmefähigkeit des Marktes,
  • die Größe der zu schließenden Position und
  • der Zeithorizont, über den die Position geschlossen werden soll.

Man kann beim Marktliquiditätsrisiko das exogene und das endogene Marktliquiditätsrisiko unterscheiden.[1] Das exogene Marktliquiditätsrisiko ist unabhängig von der handelnden Person, hängt also alleine von externen Faktoren ab. Es besteht im Wesentlichen darin, dass die Geld-Brief-Spanne (bei konstantem Preis) größer wird und deshalb ein Geschäft nur zu einem schlechteren Preis möglich ist. Eine ungünstige Änderung des Preises insgesamt wäre nicht dem Marktliquiditätsrisiko, sondern dem Marktpreisrisiko zuzuordnen.

Dies gilt nicht mehr, wenn die Bewegung des Marktpreises auf die Versuche der handelnden Person, seine Position zu schließen, zurückzuführen ist. Beispielsweise kann der Versuch eines Investors, eine große Aktienposition zu verkaufen, dazu führen, dass diese Aktie im Preis fällt. Der Investor erleidet dann einen Verlust, weil er seine Aktien nur noch zu einem schlechteren Preis verkaufen kann. Diese Form des Marktliquiditätsrisiko kann man als endogenes Marktliquiditätsrisiko bezeichnen, da es auch von internen Faktoren abhängt. Je weniger aufnahmefähig (liquide) der Markt, je größer die Position und je schneller deren Liquidation ist, desto mehr muss damit gerechnet werden, dass das Schließen der Position nur zu ungünstigen Bedingungen möglich ist.

Messung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das externe Marktliquiditätsrisiko kann bei der Modellierung des normalen Marktpreisrisikos berücksichtigt werden. In der Literatur existieren Vorschläge, mögliche zukünftige Veränderungen der Geld-Brief-Spannen stochastisch zu modellieren und diese Modellierung in die normalen Value at Risk-Modelle für das Marktpreisrisiko zu integrieren.

Eine Möglichkeit zu Quantifizierung des internen Marktliquiditätsrisiko besteht darin, den Einfluss auf den Marktpreis abzuschätzen, den das Schließen einer großen Position haben würde. Dazu werden Informationen über die Preiselastizität des betroffenen Instrumentes an den Finanzmärkten benötigt. Ein langsames Schließen einer Position, d. h. eine stückweise Liquidation über einen längeren Zeitraum, verringert den negativen Einfluss des endogenen Marktliquiditätsrisiko, erhöht aber das Risiko von Verlusten aus dem Marktpreisrisiko. Ein Investor kann versuchen, diese beiden Größen (Liquidierungskosten und Verlustrisiko) in Abhängigkeit von der Liquidierungsdauer abzuschätzen und daraus eine für ihn optimale Liquidationsstrategie abzuleiten.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arnaud Bervas: Market liquidity and its incorporation into risk management. Banque de France Financial Stability Review No. 8, Mai 2006.
  • Wagner, Schmeling, Meyer, Kemp (KPMG): Risikofaktor Liquidität in Kreditinstituten Research in Capital Markets and Finance Working Paper 2002-3, LMU München.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diese Unterscheidung findet sich in Anil Bangia/Francis Diebold/Til Schuermann/John D.Stroughair, Liquidity Risk, with implications for traditional market risk measurements, Wharton School Working Paper 99-06, 1999. Hier zitiert nach Arnaud Bervas, Market liquidity and its incorporation into risk management. Banque de France Financial Stability Review No. 8, Mai 2006, und der KPMG-Studie 2002