Martin Boos

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Martin Boos

Martin Boos (* 25. Dezember 1762 im Weiler Huttenried, heute zu Ingenried im Allgäu; † 29. August 1825 in Sayn, heute zu Bendorf) war römisch-katholischer Priester, Initiator der Allgäuer Erweckungsbewegung und u. a. Pfarrer in Gallneukirchen. Seine christozentrische Verkündigung hatte Ähnlichkeiten mit evangelischen Predigten und wurde von manchen Katholiken beargwöhnt. Mehrmals landete Boos wegen seiner Verkündigung in kirchlichen Gefängnissen. Sein Leben und Wirken ist durch die von Johannes Evangelista Goßner nach dem Tod Boos’ gesammelten zahlreichen Briefe gut dokumentiert.

Leben[Bearbeiten]

Boos wurde als eines von 16 Kindern wohlhabender Bauern im Allgäu (zugehörig zum Bistum Augsburg) geboren. Als er vier Jahre alt war, starben beide Eltern. Er wurde seinem Onkel in Augsburg anvertraut, der ihn nach Schulabschluss zum Theologiestudium an die (damals noch bestehende) Universität Dillingen schickte. Hier lehrte Johann Michael Sailer. Danach arbeitete Boos an verschiedenen Orten als Kaplan. In Wiggensbach brach die Allgäuer Erweckung aus. Der Kernsatz in Boos' Verkündigung lautete: „Christus für uns und in uns“. 1797 wurde er der Ketzerei verdächtigt, und der Bischof von Augsburg veranlasste eine Untersuchung, die zur Folge hatte, dass Boos mehr als ein Jahr in Augsburg eingesperrt wurde.[1] Während einer Flucht wurde der Deckname Zobo für ihn verwendet; diesen Namen gebrauchte er auch später gelegentlich.

Schließlich folgte Boos dem Rat, ein anderes Bistum zu suchen, und übersiedelte 1799 nach Linz. Nachdem er an mehreren Orten als Kaplan gewirkt hatte, wurde er Pfarrer in Gallneukirchen (1806–1816). Sein Predigen wurde von manchen als „reformatorisch“ eingeschätzt – nach dem Toleranzpatent von 1781 gab es diesbezüglich großes Misstrauen. Dazu kam während der Napoleonischen Kriege ein besonderer Argwohn gegenüber Ausländern. 1810 kam es zu einer Erweckung. Boos wurde ein Jahr lang in Linz inhaftiert, davon ein halbes Jahr lang in seiner Einzelzelle verschlossen (1815/16). Eine Spätfolge seines Wirkens in Gallneukirchen sowie der gegen Boos und seine Botschaft gerichteten kirchlichen Maßnahmen war die dortige Gründung einer evangelischen Gemeinde.

Nach seiner Freilassung ging er zurück nach Bayern. 1817 wurde er Lehrer für Latein und Religion am Gymnasium Düsseldorf, 1819 wurde er Pfarrer in Sayn bei Koblenz, wo er schließlich starb und begraben wurde.

Autobiographie und Briefe[Bearbeiten]

  • Johannes Evangelista Goßner (Hrsg.): Martin Boos, der Prediger der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Sein Selbstbiograph. Karl Tauchnitz, Leipzig 1826 (postum, vor allem aufgrund zahlreicher Briefe von Boos, zusammengestellte „Autobiographie“, gedruckt in Fraktur, bestehend aus zwei Teilen: Selbstbiographie, S. I-XII + S. 1–408; Briefe von Martin Boos. Ein Nachtrag, S. 409–789) (Digitalisat);
  • darauf basierend erschienen zahlreiche kürzere Auswahl-Ausgaben, z. B. von Otto Bornhak: Martin Boos, ein furchtloser Bekenner. Buchhandlung des Erziehungsvereins, Neukirchen 1926 (64 Seiten), oder vom Oberösterreichischen evangelischen Verein für Innere Mission, J. Wimmer in Linz, Gallneukirchen 1927 (87 Seiten).
  • Die „Selbstbiographie“ (d. h. die erste Hälfte, ohne die Briefe des Nachtrags) in der 2. Auflage von 1831 neu herausgegeben von Franz Graf-Stuhlhofer, erstmals in moderner lateinischer Schrift und erstmals mit Inhaltsverzeichnis (in der Reihe Studien zur Geschichte christlicher Bewegungen reformatorischer Tradition in Österreich; 5). Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn 2012 (473 Seiten).

Gedenktag[Bearbeiten]

29. August im Evangelischen Namenkalender.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In der Selbstbiographie von Boos im Kapitel „Boos wird von Seeg nach Augsburg vor Gericht gefordert“.
  2. Martin Boos im Ökumenischen Heiligenlexikon

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Martin Boos – Quellen und Volltexte