Martin Schröder (Soziologe)

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Martin Schröder

Martin Schröder (* 1981) ist ein deutscher Soziologe.

An der Philipps-Universität Marburg hat er eine Professur für die Soziologie der Wirtschaft und Arbeit. Seine Forschungsschwerpunkte sind soziale Ungleichheit und Gerechtigkeitsvorstellungen, empirische Genderforschung, Kapitalismusvarianten und Wohlfahrtsregime im internationalen Vergleich sowie der Einfluss moralischer Argumente auf wirtschaftliches Handeln.

Im WS 2016/17 hatte er ein Forschungsfreisemester am Max Planck Sciences Po Center in Paris.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin Schröder wurde in Hannover geboren und hat nach einem Auslandsjahr in den USA sowie einem Zivildienst in Belgien in Osnabrück Europäische Studien studiert. Er war dabei als Gaststudent in Spanien und ein Jahr an der Sciences Po Paris.

Daraufhin hat er am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung bei Wolfgang Streeck promoviert und war Postdoc am Center for European Studies.[1]

Er wohnt in Köln.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Einfluss moralischer Argumente auf wirtschaftliches Handeln (Dissertation)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Dissertation hat Martin Schröder gezeigt, wie Unternehmen von moralischen Argumenten beeinflusst sind.[2][3][4][5][6][7]

Kapitalismusvarianten und Wohlfahrtsregime[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Typologie der Varieties of Capitalism und die Wohlfahrtsstaatentypologie von Esping-Andersens wurden von Martin Schröder zu einer umfassenden Kapitalismustypologie zusammengefasst.[8][9]

Soziale Ungleichheit und Gerechtigkeitsvorstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Zeitschriftenartikel hat er gezeigt, dass Menschen mehr Ungleichheit für gerecht halten, wenn es in ihrem Leben tatsächlich mehr Ungleichheit gibt.[10] Er hat ebenfalls gezeigt, dass Menschen unzufriedener sind, wenn es in ihrem eigenen Land mehr Ungleichheit als vorher gibt, nicht jedoch, wenn sie in einem Land leben, dass mehr Ungleichheit als ein anderes Land hat.[11][12]

Empirische Genderforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besondere mediale Aufmerksamkeit haben seine mit dem Sozio-oekonomischen Panel berechneten Befunde, dass Väter zufrieden sind, je länger sie arbeiten, wohingegen die Lebenszufriedenheit von Müttern nicht mit deren Arbeitsstunden zusammenhängt.[13]

Aktuell leitet Martin Schröder zusammen mit Mark Lutter ein vom BMBF gefördertes Projekt zum Einfluss der wissenschaftlichen Produktivität auf den beruflichen Erfolg in der Wissenschaft. Dabei fanden sie mithilfe ihrer eigens aufgebauten Paneldatenbank heraus, dass Frauen bei der Vergabe von Professuren scheinbar positiv diskriminiert werden: bei gleicher wissenschaftlicher Produktivität (vor allem gemessen an der Anzahl und der Art der Publikationen) haben Frauen im Vergleich zu Männern eine 40 % höhere Chance auf eine Professur.[14]

Weitere Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenso hat er mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels berechnet, dass es in Bezug auf Einstellungsunterschiede keine Generation Y gibt und generell vermeintliche Generationeneffekte eher mit Alters- und Periodenveränderungen zu erklären sind. Damit scheinen die meisten der genutzten Generationenetiketten keine empirische Grundlage zu haben.[15]

Wie auch bspw. Holger Lengfeld hat Martin Schröder mit Daten ebenfalls zeigen können, dass eine Präferenz für die AfD vor allem mit Sorge vor Zuwanderung zu erklären ist, jedoch nicht damit, dass AfD-Sympathisanten wirtschaftlich schlechter gestellt sind oder sich so fühlen.[16]

Buch: Warum es uns noch nie so gut ging und wir trotzdem ständig von Krisen reden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein erstes populärwissenschaftliches Buch zeigt, dass das Leben in der Welt und in Deutschland nach empirischen Maßstäben wie Wohlstand, Lebenserwartung, Demokratisierung, Kriegstoten und Lebenszufriedenheit in fast jeder Hinsicht besser wird, doch kaum jemandem dies klar ist.[17][18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Martin Schröder (Soziologe) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Schröder - Lebenslauf. Abgerufen am 5. März 2019.
  2. Martin Schröder: Ungewissheit als Grenze von Interessenbargaining in industriellen Beziehungen. In: Industrielle Beziehungen. Nr. 17(3), 2010, S. 261–283.
  3. Martin Schröder: Die Macht moralischer Argumente. Produktionsverlagerungen zwischen wirtschaftlichen Interessen und gesellschaftlicher Verantwortung. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011.
  4. Martin Schröder: Wer A sagt, muss auch B sagen. Wie anfängliche moralische Rechtfertigungen durch argumentativen Zwang wirtschaftliches Handeln beeinflussen. In: Soziale Welt. Nr. 62, 2011, S. 333–349.
  5. Martin Schröder: How moral arguments influence economic decisions and organizational legitimacy—the case of offshoring production. In: Organization. Band 20, Nr. 4, 2013, ISSN 1350-5084, S. 551–576, doi:10.1177/1350508412448223 (sagepub.com [abgerufen am 26. Februar 2019]).
  6. Martin Schröder: Should I stay or should I go? How moral arguments influence decisions about offshoring production. In: Economic and Industrial Democracy. Band 34, Nr. 2, 2013, ISSN 0143-831X, S. 187–204, doi:10.1177/0143831X12440465 (sagepub.com [abgerufen am 26. Februar 2019]).
  7. Martin Schröder: Wie und wie stark beeinflussen moralische Argumente wirtschaftliches Handeln? In: Berliner Journal für Soziologie. Band 23, Nr. 2, 2013, ISSN 0863-1808, S. 205–228, doi:10.1007/s11609-013-0217-4 (springer.com [abgerufen am 26. Februar 2019]).
  8. Martin Schröder: Integrating Welfare and Production Typologies: How Refinements of the Varieties of Capitalism Approach call for a Combination of Welfare Typologies. In: Journal of Social Policy. Band 38, Nr. 01, 2009, ISSN 0047-2794, S. 19, doi:10.1017/S0047279408002535 (cambridge.org [abgerufen am 26. Februar 2019]).
  9. Martin Schröder: Integrating Varieties of Capitalism and Welfare State Research: A Unified Typology of Capitalisms. Palgrave, New York 2013.
  10. Martin Schröder: Is Income Inequality Related to Tolerance for Inequality? In: Social Justice Research. Band 30, Nr. 1, 2017, ISSN 0885-7466, S. 23–47, doi:10.1007/s11211-016-0276-8 (springer.com [abgerufen am 26. Februar 2019]).
  11. Martin Schröder: How Income Inequality Influences Life Satisfaction: Hybrid Effects Evidence from the German SOEP. In: European Sociological Review. Band 32, Nr. 2, 2016, ISSN 0266-7215, S. 307–320, doi:10.1093/esr/jcv136 (oup.com [abgerufen am 26. Februar 2019]).
  12. Martin Schröder: Income Inequality and Life Satisfaction: Unrelated Between Countries, Associated Within Countries Over Time. In: Journal of Happiness Studies. Band 19, Nr. 4, 2018, ISSN 1389-4978, S. 1021–1043, doi:10.1007/s10902-017-9860-3 (springer.com [abgerufen am 26. Februar 2019]).
  13. Martin Schröder: How working hours influence the life satisfaction of childless men and women, fathers and mothers in Germany. In: Zeitschrift für Soziologie. Band 47, Nr. 1, 23. Februar 2018, ISSN 2366-0325, S. 65–82, doi:10.1515/zfsoz-2018-1004 (degruyter.com [abgerufen am 26. Februar 2019]).
  14. Martin Schröder, Mark Lutter: Who becomes a tenured professor, and why? Panel data evidence from German sociology, 1980–2013. In: Research Policy, Volume 45, Issue 5. 2016, abgerufen am 5. März 2019.
  15. Martin Schröder: Der Generationenmythos. In: KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Band 70, Nr. 3, 2018, ISSN 0023-2653, S. 469–494, doi:10.1007/s11577-018-0570-6 (springer.com [abgerufen am 26. Februar 2019]).
  16. Martin Schröder: AfD-Unterstützer sind nicht abgehängt, sondern ausländerfeindlich. In: SOEPpapers. Nr. 975. DIW, Berlin 2018.
  17. Martin Schröder: Warum es uns noch nie so gut ging und wir trotzdem ständig von Krisen reden. Benevento, Salzburg 2018, ISBN 978-3-7109-0058-7.
  18. Martin Schröder: Der blinde Fleck der Soziologie. Das Leben wird besser, doch niemand spricht darüber. In: Soziologie. Nr. 48, 2019, S. 52–63.