Mastixstrauch

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Mastixstrauch

Mastixstrauch (Pistacia lentiscus)

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Sumachgewächse (Anacardiaceae)
Unterfamilie: Pistacioideae
Gattung: Pistazien (Pistacia)
Art: Mastixstrauch
Wissenschaftlicher Name
Pistacia lentiscus
L.

Der Mastixstrauch (Pistacia lentiscus), auch Wilde Pistazie und Gewöhnlicher Mastixstrauch genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Pistazien (Pistacia) innerhalb der Familie der Sumachgewächse (Anacardiaceae).[1][2]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Köhler's Medizinalpflanzen des Mastixstrauch (Pistacia lentiscus)
In natürlicher Größe:
A Zweig mit männlichen Blüten
B Zweig mit weiblichen Blüten
C Fruchtzweig
Vergrößert:
1 Männliche Blüte
2 Männliche Blüte im Längsschnitt
3 Pollen
4 Weibliche Blüte
5 Weibliche Blüte im Längsschnitt
6 Frucht
7 Frucht im Längsschnitt
8 Frucht im Querschnitt
9 Embryo

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mastixstrauch wächst als immergrüner Strauch, seltener als kleiner Baum, und erreicht Wuchshöhen von 1 bis 3, selten bis 8 Metern.

Der Mastixstrauch hat wechselständig angeordnete, unpaarig bis meist paarig gefiederte Laubblätter. Diese besitzen bis zu 16 sitzende Fiederblättchen. Die ledrigen, kahlen und ganzrandigen Blättchen sind bei einer Länge von 1,5–4,5 Zentimetern sowie einer Breite von 0,5 bis 1,7 Zentimetern eiförmig bis verkehrt-eiförmig oder elliptisch mit rundspitzigem sowie stachelspitzigem oder eigebuchtetem oberen Ende. Die Blattspindel ist, im Gegensatz zur verwandten Terpentin-Pistazie mit ungeflügelter Blattspindel, kurz geflügelt.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mastixstrauch ist zweihäusig getrenntgeschlechtig diözisch. Die Blüten stehen jeweils in einem kurzen, rispigen bis traubigen Blütenstand, mit dicker Rhachis, in den Blattachseln. Die kleinen, eingeschlechtigen Blüten besitzen eine einfache Blütenhülle, die Kronblätter fehlen. Sie besitzen ein kleines drei- bis fünfzähliges Perianth. Die kurz gestielten, grünlichen männlichen Blüten, mit einem kleinen Deckblatt, in dichten traubigen Blütenständen, besitzen bis fünf fast sitzende Staubblätter mit auffälligen, großen und dunkelroten Staubbeuteln sowie einen kleinen Pistillode. Die sitzenden bis kurz gestielten weiblichen Blüten, mit teils einem Deckblatt, sind grünlich mit einem oberständigen und einkammerigen Fruchtknoten mit zwei bis vier ausladenden, roten und federigen Narbenästen. Es ist jeweils ein Diskus vorhanden. Die Blütezeit reicht von März bis Juni.

Die etwa 4–5 Millimeter großen und rundlichen, einsamigen Steinfrüchte mit kleinen Narben- und Perianthresten sind anfangs rot, später schwarz.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 30.[3]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mastixstrauch ist im Mittelmeergebiet sowie auf den Kanaren heimisch.[1][2] Pistacia lentiscus stellt einen typischen Vertreter der Macchienvegetation dar.

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Pistacia lentiscus erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 1026.[1][2][4]

Nutzung und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genutzt wird vor allem das getrocknete Harz der Sträucher, der sogenannte Mastix. Die Sträucher besitzen unter der Rinde viele Harzbehälter, aus denen nach dem Anritzen der Harzbalsam ausläuft. Beblätterte Zweige dienen in der Floristik als grünes Beiwerk in Blumensträußen.

Seit dem Neolithikum wurden Früchte von Pistacia lentiscus gesammelt, man fand verkohlte Reste unter anderem in mittelneolithischen Schichte der spanischen Höhle Cova de Can Sadurní[5] und in den Feuchtbodenablagerungen von La Draga.[5] Vermutlich dienten die Blätter von Pistacia lentiscus als Laubheu oder Einstreu.[5] In der Höhle Monte Meana auf Sardinien stammen Reste des Mastixstrauches aus mittelbronzezeitlichen Schichten.[6]

In Ägypten wurde Pistazienharz seit der 3. Zwischenzeit bei der Mumifizierung genutzt.[7] In Motya wurde der Mastixstrauch ausweislich der Holzkohlereste aus einer Abfallgrube (F.1112, Area D) als Feuerholz genutzt.[8]

Im Mittelalter wurde der Mastixstrauch (lateinisch Lentiscus genannt)[9] auch für Arzneimittel verwendet.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mohannad G. AL-Saghir, Duncan M. Porter: Taxonomic Revision of the Genus Pistacia L. (Anacardiaceae). In: American Journal of Plant Sciences. 3(1), 2012, S. 12–32, doi:10.4236/ajps.2012.31002.
  • S. Padulosi, A. Hadj-Hassan: Towards a comprehensive documentation and use of Pistacia… IPGRI, 1998, ISBN 92-9043-512-7, S. 37.
  • Marilena Idžojtic: Dendrology. Academic Press, 2019, ISBN 978-0-444-64175-5, S. 480.
  • Dankwart Seidel: Blumen am Mittelmeer. Treffsicher bestimmen mit dem 3er-Check. BLV, München 2002, ISBN 3-405-16294-7.
  • Peter Schönfelder, Ingrid Schönfelder: Was blüht am Mittelmeer? 750 Arten (= Kosmos-Naturführer). 4. Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10211-4.
  • John Stephenson, James Morss Churchill: Medical Botany. Vol. III, Churchill, 1831, CXXX, Pl. 130.
  • O. C. Berg, C. F. Schmidt: Darstellung und Beschreibung sämmtlicher in der Pharmacopaea… Band 3, XXVII f., Förstner, 1861, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  • Jill Norman: Herb and Spices. Dorling Kindersley, 2015, ISBN 978-0-241-42925-9, S. 208.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mastixstrauch (Pistacia lentiscus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c T. Henning, E. von Raab-Straube, 2016: Anacardiaceae. Pistacia lentiscus Datenblatt In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  2. a b c Pistacia lentiscus im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 17. September 2021.
  3. Pistacia lentiscus bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis.
  4. Pistacia lentiscus bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 17. September 2021
  5. a b c Ferran Antolín, Stefanie Jacomet: Wild fruit use among early farmers in the Neolithic (5400–2300 cal BC) in the north-east of the Iberian Peninsula: An intensive practice? In: Vegetation History and Archaeobotany. Band 24, 2015, S. 19–33, doi:10.1007/s00334-014-0483-x.
  6. Mariano Ucchesu, Leonor Pena-Chocarro, Diego Sabato, Giuseppa Tanda: Bronze Age subsistence in Sardinia, Italy: cultivated plants and wild resources. In: Vegetation History and Archaeobotany. Band 24, 2015, S. 343–355, doi:10.1007/s00334-014-0470-2.
  7. B. Stern, C. Heron, L. Corr, M. Serpico, J. Bourriau: Compositional Variations in aged and heated Pistacia Resin found in Late Bronze Age Canaanite Amphorae and Bowls from Amarna. In: Egypt. Archaeometry. 45(3), 2003, S. 457–469, doi:10.1111/1475-4754.00121.
  8. Claudia Moricca, Lorenzo Nigro, Lucrezia Masci, Salvatore Pasta, Federico Cappella, Federica Spagnoli, Laura Sadori: Cultural, landscape and plant use at the Phoenician site of Motya (Western Sicily, Italy) inferred from a disposal pit. In: Vegetation History and Archaeobotany. 30, 2021, S. 815–829, doi:10.1007/s00334-021-00834-1.
  9. Wouter S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Hrsg. von Sophie J. van den Berg, N. V. Boekhandel en Drukkerij E. J. Brill, Leiden 1917, S. 234.