Matica slovenská

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Das sog. Beňuška-Haus (slow. Beňuškov dom) in Martin. Es war der erste provisorische Sitz der Matica slovenská, während der Bauzeit des ersten Vereinsgebäudes. In diesem Hause wirkte und arbeitete der Schriftsteller Jozef Škultéty.
Die Gründungsmitglieder

Matica slovenská (etwa „Slowakische(r) Stiftung/Verein“, wörtlich "Slowakische Mutter") ist das nationale Kulturinstitut der Slowakei mit Sitz in Martin. Es wird zu einem großen Teil durch Spenden, staatliche Fördermittel, Sponsoren u. ä. finanziert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitraum 1863 bis 1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 6. und 7. Juni 1861 trafen sich namhafte Vertreter der Slowaken in St. Martin an der Turz um ein von Štefan Marko Daxner ausgearbeitetes Dokument welches in die Geschichte als "Memorandum der slowakischen Nation" (slow. Memorandum národa slovenského) eingegangen ist, zu beschließen. Eine der Forderungen, die in diesem Dokument festgeschrieben wurde, war die Gründung eines slowakischen Kulturinstitutes, welches den Namen Matica slovenská tragen sollte.

Die Matica wurde am 4. August 1863 als Ausdruck des slowakischen nationalen Kulturbewußtseins als nationale Institution aller Slowaken gegründet. Mit der Gründungssitzung entstand einer der bedeutendsten Kulturvereine in der Geschichte der Slowaken.

Die Feierlichkeiten, an denen etwa 5000 Menschen teilnahmen, begannen mit einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche und einer Hl. Messe in der römisch-katholischen Kirche von Martin. Danach kam es zu einer offiziellen Eröffnungssitzung die von Ján Francisci, als Eröffnungspräsident geleitet wurde. Francisci legte den Versammelten einen Bericht über die Sammelaktion vor, die einen Betrag von 94 000 Gulden - als Gründungskapital - einbrachte. Die neue Institution erhielt sogar von Kaiser Franz Joseph I. eine Spende von 1000 Gulden.

Das Statut zu ihrer Gründung wurde bereits am 21. August 1862 durch Kaiser Franz Joseph I. genehmigt. Erster Vorsitzender wurde der katholische Bischof Štefan Moyzes, sein Stellvertreter wurde der evangelische Bischof Karol Kuzmány.

Bevor ein neues Vereinsgebäude gebaut werden konnte, hatte die Verwaltung des Institutes im sog. Beňuška-Haus ihre Verwaltungsbüros. Das neue Vereinsgebäude wurde vom Architekten Ján Nepomuk Bobula geplant, der Grundstein wurde dafür am 6. April 1864 gelegt. Die Bauarbeiten wurden Ende Juli 1865 beendet und die erste Sitzung im neuen Gebäude fand am 8. August 1865 statt. In die Annalen der Matica slovenská ging es als "Erstes Gebäude" ein.

Das "Erste Gebäude" der Matica slovenská (heute Literaturmuseum), Zustand 2017

Im Deutschen Krieg wurde 1866 in der Schlacht bei Königgrätz Österreich von den Preußen vernichtend geschlagen. Nach dieser Niederlage sah sich das geschwächte Kaisertum Österreich genötigt innenpolitisch entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Und so kam es zu den österreichisch-ungarischen Ausgleich welcher zur Gründung Österreich-Ungarns führte und dadurch die Position der Ungarn innerhalb des Staates wesentlich stärkte. Aus dieser Position der Stärke heraus wurde die Matica durch den Erlass Nr. 125 vom 6. April 1875 des damaligen ungarischen Innenministers Kálmán Tisza[1] wegen „zu starker slowakischer Gesinnung“ geschlossen und ihr durch Spenden des Kaisers und der Slowaken gesammeltes Vermögen beschlagnahmt. Dem Institut wurden "panslawistische Umtriebe" vorgeworfen.

Zeitraum 1919 bis 1948[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Entstehung der Tschechoslowakei wurde sie 1919 neu aktiviert und arbeitete bis zur Entstehung der Slowakischen Akademie der Wissenschaften (1942) praktisch als Ersatz für diese Institution (die Matica hat u. a. die slowakische Sprache reguliert).

Zwischen 1924 und 1926 wurde das "Zweite Gebäude" der Matica nach Plänen des Architekten Ján Palkovič errichtet. Dieses Gebäude wurde 1964 zum 'Nationalen Kulturdenkmal' ernannt und ist heute der Hauptsitz des Instituts.

Die Tätigkeit der Matica slovenská wurde in der Zeit der Ersten Tschecho-Slowakischen Republik nicht besonders unterstützt, da die führenden tschechischen Politiker der damaligen Zeit T. G. Masaryk und Edvard Beneš Vertreter des sog. Tschechoslowakismus waren[2]. Auch wurden die im Pittsburgher Vertrag getroffenen Vereinbarungen zum großen Teil von den Tschechen nicht eingehalten, berichten die Slovenské národné noviny[3] das offizielle Presseorgan der Matica slovenská.

Zeitraum nach 1948[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das "Zweite Gebäude" der Matica slovenská ist auch der heutige Hauptsitz des Kulturinstitutes. (2015)

Nachdem die Kommunisten 1948 in der Tschechoslowakei an die Macht gekommen waren, wurden die Aufgaben der Matica stark reduziert, so dass sie nur als eine Art Gesellschaft und Bibliothek zur Pflege der slowakischen Sprache arbeitete. Die traditionell "schlechten Beziehungen" zwischen der Matica und der Staatsführung setzten sich auch in der folgenden Zeit fort.

Ein Tiefpunkt wurde erreicht, als der damalige Staatspräsident der Tschechoslowakei Antonín Novotný eine Einladung nach Martin erhielt, um im August 1967 an den Feierlichkeiten der 100-jährigen Gründung des Slowakischen Gymnasiums in Martin teilzunehmen. Bei einem Empfang in der Matica slovenská beschimpfte er das Direktorium der Matica, als "bourgeoistische Nationalisten" (slow. buržoázni nacionalisti), und verbot seiner Ehefrau sogar die bei solchen Gelegenheiten üblichen Geschenke anzunehmen. Statt des ursprünglich vorgesehenen Besuches am Slowakischen Nationalfriedhof von Martin zog er einen Besuch bei einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (slow. Jednotné roľnické družstvo, JRD) der Umgebung vor[4]. Dadurch desavouierte er nicht nur die Führung der Matica, sondern auch große Teile der Slowaken fühlten sich durch dieses Verhalten beleidigt. Auch die Führung der damaligen slowakischen kommunistischen Partei unter Alexander Dubček wandte sich von ihm ab und sicherlich trug dieses Ereignis zu seinem Sturz im März 1968 bei und war einer der Gründe der Inszenierung des Prager Frühlings.

Nachdem am 1. Januar 1969 eine föderale Ordnung innerhalb der Tschechoslowakei eingefügt wurde[5], erhielt auch das slowakische Traditionsinstitut Matica slovenská innerhalb der slowakischen Teilrepublik mehr Aufmerksamkeit.

Bereits zum 100-jährigen Gründungsjahr der Matica im Jahre 1963 gab es Überlegungen über einen Neubau. 1964 wurden Pläne von den Architekten Dušan Kuzma und Anton Cimmermann hierzu erstellt. Wegen politischer Querelen konnte der Bau des "Dritten Gebäudes" der Matica jedoch erst 1975 fertig gestellt werden. Als es im Jahre 2000 zur Trennung der Matica von der in diesem Gebäude residierenden Slowakischen Nationalbibliothek kam, wurde 2005 das Gebäude der Nationalbibliothek zugesprochen. Seither residiert die Matica slovenská im "Zweiten Gebäude" der 1920er Jahre.

Nach der Samtenen Revolution (1989) wurde der Aufgabenbereich des Kulturinstitutes nur teilweise erweitert.

Aufgaben der Matica slovenská[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptaufgabe ist die Pflege des nationalen Kulturerbes.

Zur Matica slovenská gehören u. a.

  1. Slowakisches Literaturinstitut
  2. Slowakisches Historisches Institut

und bis 2000 auch die Slowakische Nationalbibliothek

Bedeutende Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutende Persönlichkeiten, die an der Matica slovenská wirkten waren:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Július Vanovič: Druhá kniha o starom Martine, Matica slovenská, Martin 1993, ISBN 80-7090-241-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Matica slovenská – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kálmán Tisza war ab 2. März 1875 bis 11. Februar 1887 Innenminister und ab 20. Oktober 1875 bis 13. März 1890 auch Ministerpräsident Ungarns. Tisza bedrängte die nichtmagyarische Bevölkerung Ungarns durch mehr oder weniger sanften Druck nicht nur die ungarische Nationalität, sondern auch die ungarische Sprache als 'Muttersprache' anzunehmen.
  2. So antwortete Masaryk, in seiner Eigenschaft als Präsident der damaligen Tschechoslowakei(!), einem Redakteur der französischen Zeitschrift 'Le Petit Parisien' am 14. September 1921 auf die Frage des Verhältnisses zu den Slowaken: Es gibt kein slowakisches Volk. Das ist lediglich eine Erfindung der ungarischen Propaganda! (Quelle Slovenské národné noviny, 1. November 2016; siehe Weblinks)
  3. Die Zeitschrift Slovenské národné noviny ist seit 1. Mai 2011 die offizielle Wochenzeitschrift der Matica slovenská. Die Zeitschrift wurde bereits 1845 unter dem Titel Slovenskje národňje novini von Ľudovít Štúr gegründet und erschien mit zahlreichen Unterbrechungen immer aufs Neue.
  4. Slovenské národné noviny ("Slowakische Nationalzeitung") vom 1. November 2016
  5. Die am 11. Juli 1960 gegründete "Tschechoslowakische Sozialistische Republik" (ČSSR) wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1969 in zwei Teilrepubliken (Tschechische Sozialistische Republik und Slowakische Sozialistische Republik) aufgegliedert.