Matthias Franz

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Matthias Franz (* 14. März 1955 in Minden) ist Professor für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Kommissarischer Direktor des Klinischen Instituts für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Neurologie und Psychiatrie sowie Lehranalytiker und Gruppenlehranalytiker (DPG, DGPT, DAGG). Außerdem steht er der Akademie für Psychoanalyse und Psychosomatik Düsseldorf, dem Institut für Seelische Gesundheit und Prävention Düsseldorf und den Psychotherapietagen NRW vor.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz absolvierte Studium und Promotion an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. 1993 habilitierte er, 1995 wurde er an der Universität Düsseldorf zum Professor ernannt.

Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Matthias Franz hat unter anderem folgende Hauptarbeitsgebiete:

  • Häufigkeit, Verlauf, Ursachen und Prävention psychischer/psychosomatischer Erkrankungen
  • Entwicklung bindungsorientierter präventiver Interventionsprogramme für Trennunngsfamilien und Alleinerziehende
  • entwicklungspsychologische Bedeutung des Vaters, Kriegsfolgenforschung, Folgen kindlicher Traumatisierungen
  • Affekt-/Emotionsforschung, Alexithymie, Psychotherapieforschung

Unter der Bezeichnung wir2 entwickelte Franz ein Präventionsprogramm für psychosozial belastete Alleinerziehende und ihre Kinder. Dabei handelt es sich um ein Elterntraining, das Alleinerziehenden zu mehr Kraft und Selbstbewusstsein verhelfen soll – für ihr Leben als Familien-Alleinverantwortliche. wir2 arbeitet bindungsorientiert und emotionszentriert. Hauptziele der 20 Gruppenstunden sind die Stärkung des Selbstbewusstseins, Vertiefung der emotionalen Beziehung zwischen Mutter und Kind, mehr Sicherheit und Kompetenz als Elternteil, größere innere Balance, mehr Wohlbefinden, besserer Umgang mit Herausforderungen, Stress, Konflikten und Depression. Das Programm ist in der höchsten Evidenzkategorie der Grüne Liste Prävention gelistet. wir2 ist heute ein Programm der Walter Blüchert Stiftung, kostenlose Kurse mit paralleler Kinderbetreuung werden in zahlreichen Kommunen sowie in psychosomatischen Rehabilitationskliniken angeboten.

Politische Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2011 veröffentlichte er einen Sammelband „Neue Männer – muss das sein?“, der sich mit aktuellen Fragen und Problemen der männlichen Lebenssituation und den damit verbundenen Risiken für die Gesellschaft beschäftigt. Seit 2010 richtet er an der Heinrich-Heine-Universität den Männerkongress aus.

Im Sommer 2012 war Franz Initiator eines offenen Briefs an die deutsche Politik, der von über 600 Personen unterzeichnet wurde (Stand 21. Juli 2012), darunter vielen Ärzten, Juristen und Wissenschaftlern.[1] Der Brief nimmt Bezug auf die gesellschaftliche Debatte um die religiös motivierte Beschneidung minderjähriger Jungen (meist Kinder von Muslimen und Juden) in Deutschland, die ein im Juni 2012 bekanntgegebenes Urteil des Landgericht Köln ausgelöst hatte. Franz kritisiert darin den „schwerwiegende[n] Vorwurf“ jüdischer Standpunktvertreter, durch ein Verbot der rituellen Jungenbeschneidung würde jüdisches Leben in Deutschland unmöglich werden. Er sieht in der Jungenbeschneidung das normative Kernritual des Patriarchats und argumentiert unter anderem, Religionsfreiheit könne „kein Freibrief zur Anwendung von (sexueller) Gewalt gegenüber nicht einwilligungsfähigen Jungen sein“ und postuliert unter Verweis auf die Aufklärung: „Man tut Kindern nicht weh!“.[2] Dieter Graumann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, nannte dies eine „suggestive Parole“ und kritisierte rückblickend, die Unterzeichner des „berüchtigte[n] Brief[es]“ hätten sich „in einer Arroganz und einem Belehrungswahn sondergleichen über das Beschneidungsritual ereifert“.[3]

2014 gab er ein Buch zu medizinischen, juristischen, kulturanthropologischen und psychoanalytischen Aspekten der Jungenbeschneidung heraus. Seit April 2017 tritt Franz, aufgrund seiner Haltung zur rituellen Beschneidung, als Botschafter von intaktiv e.V. auf.[4][5] Im Mai 2017 richtete er trotz massiver Kritik religiöser Verbände den ersten universitären Kongress zur Thematik der Jungenbeschneidung zusammen mit Betroffenen aus. Er arbeitete mit an der AWMF-Leitlinie Phimose und Paraphimose (Hrsg. Maximilian Stehr), die im September 2017 von der Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie veröffentlicht wurde.

Werke (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Beate West-Leuer: Bindung – Trauma – Prävention, PsychoSozial-Verlag, Gießen 2008.
  • mit J. Frommer (Hrsg.): Medizin und _Beziehung,Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 978-3525401491.
  • mit T. Gertheinrichs, J. Güttgemannns, D. Rensch: PALME – ein Präventives Elterntraining für alleinerziehende Mütter geleitet von Erzieherinnen und Erziehern, Vandenhoeck und Ruprecht 2009.
  • mit K. Lieberz, H. Schepank (Hrsg.): Seelische Gesundheit im Langzeitverlauf – die Mannheimer Kohortenstudie, Springer, Berlin Heidelberg 2011
  • mit A. Karger (Hrsg.): Neue Männer – muss das sein? Risiken und Perspektiven der heutigen Männerrolle, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3525404409.
  • mit A. Karger (Hrsg.): Scheiden tut weh. Elterliche Trennung aus Sicht der Väter und Jungen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013
  • als Herausgeber: Die Beschneidung von Jungen. Ein trauriges Vermächtnis, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 978-3525404553[6]
  • wir2 Bindungstraining für Alleinerziehende, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2014
  • mit A. Karger (Hrsg.): Angstbeißer, Trauerkloß, Zappelphilipp? Seelische Gesundheit bei Männern und Jungen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015
  • Alleinerziehend – Selbstbewusst und Stark, Fischer und Gann, Munderfing 2016
  • mit A. Karger: Männliche Sexualität und Bindung, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. faz.net: Ärzte und Juristen plädieren gegen die Beschneidung
  2. „Religionsfreiheit kann kein Freibrief für Gewalt sein“ - Offener Brief zur Beschneidung In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Juli 2012.
  3. Graumann: „Ich wünsche mir Respekt“ In: Frankfurter Rundschau, 8. September 2013.
  4. Zwei neue Botschafter für intaktiv. (hpd.de [abgerufen am 12. November 2017]).
  5. intaktiv-Botschafter | intaktiv e.V. Abgerufen am 12. November 2017 (deutsch).
  6. Vorwort von M. Franz (pdf), Inhaltsverzeichnis