Mauermuseum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Alliiertes Kontrollhäuschen und Mauermuseum im Hintergrund

Das Mauermuseum – Museum Haus am Checkpoint Charlie ist privates Museum zur Berliner Mauer. Das Museum wurde von Rainer Hildebrandt nach dem Mauerbau in einer Privatwohnung an der Bernauer Straße gegründet und am 19. Oktober 1962 eröffnet.[1] Es zog 1963 unter Trägerschaft der Arbeitsgemeinschaft 13. August an den Checkpoint Charlie.[2] Direktorin des Museums ist Alexandra Hildebrandt.

Hintergrund

Das Museum will nicht nur die Geschichte der Berliner Mauer zeigen, sondern auch die Herausforderungen, die der Kampf für Freiheit und Demokratie weltweit fordert.[1] Gezeigt werden neben Fotos und Dokumentationen geglückter Fluchtversuche auch die originalen Fluchtmittel: Heißluftballons, Fluchtautos, Sessellifte und ein Mini-U-Boot. Aktivisten im Widerstand verdankt das Museum ein unter Lebensgefahr abgebautes Selbstschussgerät sowie ein Mauerstück der Rohrauflage.[3]

In seiner Anfangszeit war das Mauermuseum nach Einschätzung von Sybille Frank für sein „chaotisches Sammelsurium von Alltagsgegenständen, Reliquien aller Art, Fluchtobjekten ‚zum Anfassen‘ und künstlerischen Werken umstrittener Qualität ebenso berühmt wie berüchtigt.“ Unter Leitung von Alexandra Hildebrandt habe sich das Museum nach dem Fall der Berliner Mauer und dem damit verbundenen erheblichen Rückgang öffentlicher Fördergelder in ein privates Unternehmen umgewandelt und das „ehemalige politische Zentrum als Erlebnisort neu erfunden“.[4] Mittlerweile ist es mit rund 850.000 Besuchern jährlich (Stand: 2012) eines der meistenbesuchten Museen Berlins.[5]

Mittlerweile ist das Museum im Haus am Checkpoint Charlie des Architekten Peter Eisenman untergebracht. Nach der Beilegung eines jahrelangen Rechtsstreits mit der FMS Wertmanagement des Bundes schloss die Arbeitsgemeinschaft 13. August im Jahr 2015 einen auf 25 Jahre angelegten Mietvertrag für ein angrenzendes Gelände ab. Laut eigenen Angaben will die Arbeitsgemeinschaft 13. August das Gelände nutzen, um das Mauermuseum zu erweitern. Ein Kauf des Grundstücks durch die Arbeitsgemeinschaft selbst war 2007 gescheitert, nachdem diese den Kaufpreis von 15,5 Millionen Euro nicht überwiesen hatte.[6]

Ausstellungen

Die Mauer – Vom 13. August bis zu ihrem Fall

Die Ausstellung präsentiert die Geschichte der beiden Teile der Stadt, ihrer Gegensätze und Gemeinsamkeiten, seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Wagemut und die Kreativität der Flüchtlinge. Fotos und Exponate zeigen die Entwicklung des DDR-Grenzsicherungssystems, von den ersten Hohlblocksteinen bis zur Mauer der vierten Generation, die mit ihren L-förmigen Segmenten zur längsten Betonleinwand der Welt wurde.

Von Gandhi zu Walesa: Der gewaltfreie Kampf für Menschenrechte[1]

Hier werden Beispiele aus verschiedenen Ländern gezeigt, wie Indien, der ehemaligen Tschechoslowakei oder Polen, wie Menschenrechte durch gewaltlose Proteste bis hin zum Einsatz von Humor durchgesetzt werden können. Eine der Ausstellungen widmet sich den aktuellen Menschenrechtspolitischen Themen. Die Fälle von Mikhail Khodorkovsky, Anna Politkovskaya, und Sergei Magnitsky[7][8] zählen unter anderem zu den gegenwärtigen Schwerpunkten dieses Bereichs.

NATO-Mission für Freiheit

Im Jahr 2012 eröffnete das Museum eine neue Dauerausstellung „NATO-Mission für Freiheit“. Diese zeigt die Geschichte der NATO und ihr Engagement bei unterschiedlichsten internationalen Konflikten seit ihrer Gründung im April 1949 bis heute. Videoaufnahmen und historischer Schautafeln in der Verbindung mit Kunstwerken bringen uns das Wesen und die Arbeit der NATO nahe. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen eröffnete diese Ausstellung.

Raoul Wallenberg lebt

Im Jahr 2012 fand auch die Eröffnung der neuen Dauerausstellung „Raoul Wallenberg lebt“ statt. Raoul Wallenberg war ein schwedischer Diplomat und Philanthrop, der im von Nazis besetzten Budapest während der letzten Monate des Zweiten Weltkriegs um die 100.000 ungarische Juden vor einer bereits geplanten Deportation und dem sicheren Tod rettete. Nach der Besetzung Budapests durch die Rote Armee wurde Wallenberg am 17. Januar 1945 verhaftet und nach Moskau gebracht. Seit dem verlor sich jede Spur von ihm. Trotz der internationalen Bewegung mit dem Ziel ihn ausfindig zu machen, bleibt sein Schicksal ein Geheimnis, wodurch niemand in der Lage ist seinen Tod zu akzeptieren. Die im Jahre 1948 durch den Gründer des Museums, Rainer Hildebrandt, ins Leben gerufene Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit war eine der an dieser Suche beteiligten Organisationen, die es sich zum Ziel setzte die Wahrheit über das Schicksal Wallenbergs herauszufinden. Diese Ermittlungen wurden durch international anerkannte Persönlichkeiten, wie Albert Einstein und Andrei Sakharov unterstützt.[9]

Aktion Befreiung Michail Chodorkowski

Im Jahr 2010 suchten die Anwälte des seit 2003 inhaftierten Milliardärs, Philanthropen und Ex-Yukos-Chefs Michail Chodorkowski die Direktorin des Mauermuseums Alexandra Hildebrandt mit der Bitte auf, ihren Mandanten zu unterstützen.[10] Unter anderem wurde daraufhin eine Dauerausstellung mit dem Titel Der Fall Chodorkowski – Bilder des Unrechts im Mauermuseum eröffnet.[11][12] Darüber hinaus organisierte Hildebrandt zahlreiche Aktionen um Chodorkowski freizubekommen. Sie kontaktierte den ehemaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, einen langjährigen Freund ihres verstorbenen Ehemanns Rainer Hildebrandt. Über mehr als drei Jahre dauerte die Rettungsaktion an. Letztlich wurde Chodorkowski im Dezember 2013 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion – nachdem der russische Präsident Wladimir Putin ihn begnadigt hatte – aus dem sibirischen Arbeitslager nach Berlin geflogen. 24 Stunden später hielt Chodorkowski im Mauermuseum seine erste Pressekonferenz nach seiner Freilassung.[13][14][15][16]

Freiheitsmahnmal am Checkpoint Charlie

Im Herbst 2004 errichtete die Arbeitsgemeinschaft 13. August ein sogenanntes Freiheitsmahnmal in Erinnerung an die Todesopfer an der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze auf dem Areal des ehemaligen Checkpoints Charlie. Nach Ablauf des Mietvertrages und einer erfolgreichen Räumungsklage des Eigentümers wurde dieses im Sommer 2005 geräumt.

Recherchen

Die Arbeitsgemeinschaft 13. August gab 2008 die Zahl der an der Mauer und innerdeutschen Grenze bis 1989 getöteten Menschen mit 1303 an. Darin sind auch Opfer bei der Flucht über die Ostsee, deutsche Todesopfer an außerdeutschen Grenzen, getötete DDR-Soldaten und sowjetische Fahnenflüchtige, Suizide von Angehörigen der Grenztruppen, sowie von Stasi und KGB nach erfolgreicher Flucht entführte und ums Leben gekommene Personen eingerechnet.[17][18][19][20][21]

Literatur

Weblinks

 Commons: Mauermuseum – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b c Laut der Website des Museums
  2. Sybille Frank: Der Mauer um die Wette gedenken: Die Formation einer Heritage-Industrie am Berliner Checkpoint Charlie. 2009, S. 224 f
  3. [1]
  4. Sybille Frank: Der Mauer um die Wette gedenken: Die Formation einer Heritage-Industrie am Berliner Checkpoint Charlie. 2009, S. 225
  5. Top 10: Die meist besuchten Museen - Platz 4: Mauermuseum – Haus am Checkpoint Charly. In: berlin.de. 20. Februar 2014; abgerufen am 16. August 2017.
  6. Uwe Aulich: Mauermuseum: Neustart am Checkpoint Charlie. In: berliner-zeitung.de. 16. August 2017; abgerufen am 16. August 2017.
  7. [2]
  8. [3]
  9. [4]
  10. [5]
  11. [6]
  12. [7]
  13. [8]
  14. [9]
  15. [10]
  16. [11]
  17. Streit um Zahl der Mauertoten eskaliert. In: Der Tagesspiegel, 12. August 2008
  18. Offenbar mehr Opfer an DDR-Mauer als bekannt. In: Berliner Morgenpost, 12. August 2008
  19. Mehr Mauertote. In: Frankfurter Rundschau, 13. August 2008
  20. 1303 Opfer an der Mauer. In: Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010
  21. Bilder des Tages: FOLKLORE. In: Badische Zeitung, 13. August 2008

Koordinaten: 52° 30′ 28″ N, 13° 23′ 26″ O