Checkpoint Charlie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Der Checkpoint Charlie war einer der Berliner Grenzübergänge durch die Berliner Mauer zwischen 1961 und 1990. Er verband in der Friedrichstraße zwischen Zimmerstraße und Kochstraße (beim gleichnamigen U-Bahnhof) den sowjetischen mit dem US-amerikanischen Sektor und damit den Ost-Berliner Bezirk Mitte mit dem West-Berliner Bezirk Kreuzberg. Der Kontrollpunkt wurde im August/September 1961 infolge des Mauerbaus von den West-Alliierten eingerichtet, um den Angehörigen ihres Militärpersonals weiterhin das Überschreiten der Sektorengrenze zu ermöglichen, wobei sie registriert und belehrt wurden. Kontrollen aller anderen Besucher Ost-Berlins fanden, wie überall auf westlicher Seite, auch am Checkpoint Charlie nicht statt.[1]

Mauer und Grenzübergangsstelle auf Ost-Berliner Seite, 1986

Alliierter Kontrollpunkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachtbeleuchtung am Checkpoint Charlie (1988 vom „Museum Haus am Checkpoint Charlie“ aus gesehen)

Auf Ost-Berliner Seite ließen die Grenztruppen der DDR neben den in Berlin Freizügigkeit genießenden alliierten Militärangehörigen und Diplomaten, wozu auch Mitarbeiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der DDR gehörten, nach Kontrolle auch Ausländer und DDR-Funktionäre passieren.[2]

Amerikanische Kontrollstelle Checkpoint Charlie, 14. November 1989
Ost-Berliner Grenzübergangsstelle am 19. November 1989

Er war einer der drei durch die Amerikaner genutzten alliierten Kontrollpunkte, die ihn nach dem dritten Buchstaben im Alphabet, „C“, gemäß dem internationalen Buchstabieralphabet „Charlie“ nannten. „Checkpoint Alpha“ hieß dementsprechend der Kontrollpunkt am Grenzübergang Helmstedt-Marienborn an der heutigen Bundesautobahn 2, der zwar in der Britischen Zone lag, aber wegen der kürzesten Autobahnverbindung nach West-Berlin (168 km) von den drei Westalliierten fast ausschließlich benutzt und auch gemeinsam verwaltet wurde. Der „Checkpoint Bravo“ war die amerikanische Seite des Kontrollpunktes Dreilinden, der 1969 nach Drewitz an der heutigen A 115 verlegt wurde.

Die Nomenklatur Checkpoint für Kontrollpunkt ergibt sich im Gegensatz zu der östlichen Bezeichnung Grenzübergangsstelle (GÜSt) daraus, dass von westlicher Seite aus die völkerrechtliche Legitimität als Staatsgrenze nicht anerkannt wurde. Diesbezüglich trat nach der staatsrechtlichen Anerkennung der DDR ab 1972 für die innerdeutsche Grenze eine Veränderung ein, nicht jedoch für die Sektorengrenze Berlins.

Konfrontation sowjetischer und amerikanischer Panzer am Checkpoint Charlie, 27. Oktober 1961

Als Folge des Versuchs der SED-Führung, alliierte Rechte der Westmächte in Berlin einzuschränken, standen sich am 27. Oktober 1961 sowjetische und amerikanische Panzer gefechtsbereit gegenüber.[3] Heute weiß man, dass die Kommandeure beider Seiten den Befehl hatten, ihre Panzer notfalls einzusetzen. Im November 1961 reagierten die Vereinigten Staaten auf die neuere Berlinkrise mit der Operation Stair Step. Dabei wurden über 200 Kampfflugzeuge aus den Vereinigten Staaten über Kanada und die Azoren nach Frankreich verlegt und kehrten erst im August 1962 wieder in die Vereinigten Staaten zurück.

Der Checkpoint war Schauplatz spektakulärer Fluchten aus dem damaligen Ost-Berlin. Hier geschah der Tod des DDR-Flüchtlings Peter Fechter, der am 17. August 1962 vor den Augen westlicher Beobachter verblutete.[4] Der Volkspolizist Burkhard Niering nahm 1974 einen Passkontrolleur als Geisel und wurde bei dem folgenden Fluchtversuch erschossen. Am 29. August 1986 durchbrachen drei DDR-Bürger mit einem 7,5 t-Kieslaster erfolgreich die Grenzsperren. Hans-Peter Spitzner aus Karl-Marx-Stadt war der letzte Flüchtling vom Checkpoint Charlie. Am 18. August 1989 überwand er die Grenze mit seiner Tochter im Kofferraum eines Alliiertenfahrzeugs.[5]

Noch vor der deutschen Wiedervereinigung wurde am 22. Juni 1990 der Kontrollpunkt im Rahmen einer Gedenkfeier abgebaut. Er ist heute im Berliner AlliiertenMuseum zu besichtigen.

Zustand im 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alliiertes Kontrollhäuschen und Mauermuseum im Hintergrund, 2009

Das Gelände des ehemaligen Checkpoint Charlie zählt heute zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Berlins. Am 13. August 2000 wurde eine originalgetreue Nachbildung der ersten Kontrollbaracke enthüllt. Die aufgestapelten Sandsäcke sind mit Beton statt Sand gefüllt. Auf der Zimmerstraße erinnert, wie in anderen Teilen von Berlin-Mitte, eine Doppelreihe aus Pflastersteinen an den Verlauf der Berliner Mauer.

Auf dem Teilbereich nördlich der Mauerstraße entwickelte Ronald Lauder in den 1990er Jahren die Idee eines American Business Centers. Von den geplanten fünf Gebäuden wurden drei errichtet, darunter das Philip-Johnson-Haus.

Mauermuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „Mauermuseum – Museum Haus am Checkpoint Charlie“ wurde am 14. Juni 1963 in unmittelbarer Nähe zur Berliner Mauer eröffnet. Es dokumentiert die Geschichte und Geschehnisse der Berliner Mauer, Fluchten und den weltweiten gewaltfreien Kampf für Menschenrechte. Vom 31. Oktober 2004 bis zur Räumung am 5. Juli 2005 stand auf einem gepachteten Gelände das umstrittene Freiheitsmahnmal, eine aus originalen Mauersegmenten neu errichtete weiß gestrichene Mauer und 1067 Gedenkkreuze für die Opfer des DDR-Grenzregimes.

Es werden die Grenzanlage und der „Beistand der Schutzmächte“ veranschaulicht. Gezeigt werden neben Fotos und Dokumentationen geglückter Fluchtversuche auch die Fluchtmittel: Heißluftballons, Fluchtautos, Sessellifte und ein Mini-U-Boot.

Betreiber ist die 1963 gegründete Arbeitsgemeinschaft 13. August e. V. Leiterin des Museums ist Alexandra Hildebrandt, die Witwe des Gründers. Das Museum ist im Haus am Checkpoint Charlie des Architekten Peter Eisenman untergebracht. Das Mauermuseum gehörte mit 850.000 Besuchern im Jahr 2007 zu den meistbesuchten Berliner Museen.

Freilicht-Galerie und BlackBox Kalter Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 2006 wurde auf dem historischen Gelände des ehemaligen Grenzübergangs eine Open-Air-Ausstellung eröffnet. Seitdem erhalten Besucher entlang der Friedrich-, der Zimmer- und der Schützenstraße kostenlos Auskunft zu drei verschiedenen Themen:

  • Die westliche Galeriewand an der Friedrichstraße berichtet von zahlreichen gescheiterten wie geglückten Fluchten am Grenzübergang. Es wird gezeigt, wie der Grenzübergang von 1961 bis 1989 ständig perfektioniert und vom einfachen Kontrollhaus bis hin zur neunspurigen Abfertigungsanlage ausgebaut wurde.
  • Die östliche Galeriewand informiert über die Ereignisse am ehemaligen Grenzübergang und thematisiert die Bedeutung des Checkpoint Charlie als symbolischen Ort der internationalen Blockkonfrontation. Die Fotostrecke zeigt unter anderem, wie sich an der Friedrichstraße im Oktober 1961 sowjetische und amerikanische Panzer gegenüberstanden.
  • Auf den angrenzenden Galerieflächen in der Zimmerstraße finden Besucher eine Übersicht über die wichtigsten Erinnerungs- und Gedenkorte, authentische Mauerreste, Museen und Dokumentationszentren zum Thema „Deutsche Teilung und Berliner Mauer“.

Die Bildergalerie am Checkpoint Charlie konzipierte das Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e. V. im Auftrag der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur und wurde vom Berliner Gestaltungsbüro gewerk gestaltet.

Seit 2012 informiert das Ausstellungsareal "BlackBox Kalter Krieg" auf der Ostseite der Friedrichstraße über die Teilung Deutschlands und Berlins. Das kostenlose Open-Air Areal ist von der Freilicht-Galerie umgeben und liefert zusätzliche Informationen zum historischen Ort der Panzerkonfrontation. Im Mittelpunkt steht die Multimediaausstellung (kostenpflichtig), wo mithilfe von Medienstationen, einem Kino und Original-Exponaten zeitgeschichtliche Ereignisse dokumentiert werden.[6]

Bebauung auf der Grenzfläche?[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem unbebauten Gelände zwischen Zimmerstraße und Schützenstraße/Mauerstraße, beiderseits der Friedrichstraße, siedelten sich zeitweilig verschiedene touristische Einrichtungen an (siehe: Freilicht-Galerie, Panorama). 2016/2017 plante der Senat von Berlin für den Projektentwickler Trockland die vollständige Bebauung der Ostseite mit einem Hotel, sowie Bürogebäude mit einem integrierten Museum und einer verbleibenden Freifläche auf der Westseite. Dazu fand ein Architektenwettbewerb statt, den der Entwurf der Berliner Architekten Graft/rw+ für das Charlie Living genannte Gebäude-Ensemble zum Wohnen, mit Hotel, Shops, Restaurants gewann. Die Baukosten wurden mit rund 75 Millionen Euro angegeben.[7]

Nachdem das Gelände im Juni 2018 vom Landesdenkmalamt Berlin als Denkmalbereich unter Denkmalschutz gestellt wurde,[8] entwickelte sich eine neue fachliche und politische Diskussion um den angemessenen Umgang mit der Fläche, zudem wurde Kritik an den hinter Trockland stehenden Investoren geäußert. Im Dezember 2018 entschied der Senat zugunsten einer Neuplanung mit verringerter Bebauung und einem Museum auf der Ostseite.[9]

Panorama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Panoramabild von Yadegar Asisi über das geteilte Berlin versetzt die Besucher in den Alltag mit der Berliner Mauer an einem fiktiven Herbsttag in den 1980er Jahren.[10] Das alternative Leben in SO 36 in West-Berlin mit seinen Punks, besetzten Häusern, einer Wagenburg oder einem Streichelzoo in Kreuzberg ist völlig getrennt vom Leben in Ost-Berlin – und dennoch nur einen Steinwurf entfernt.

In den Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • William Durie: The United States Garrison Berlin 1945–1994, Mission Accomplished. 2014, ISBN 978-1-63068-540-9 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Checkpoint Charlie – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Checkpoint Charlie. Berliner Mauer Online
  2. Zur Freizügigkeit siehe Sybille Frank: Warten auf den Cultural Turn. Das Ende der Geschichte und das Schweigen der Soziologie. In: Sybille Frank, Jochen Schwenk (Hrsg.): Turn Over. Cultural Turns. Der Soziologie. Festschrift Fur Helmuth Berking, Campus, 2010, ISBN 9783593392776, S. 235–263, hier S. 243.
  3. William Smyser: Zwischen Erleichterung und Konfrontation. Die Reaktionen der USA und der UdSSR auf den Mauerbau. In: Hans-Hermann Hertle, Konrad H. Jarausch, Christoph Kleßmann (Hrsg.): Mauerbau und Mauerfall. Ursachen – Verlauf – Auswirkungen. Ch. Links, Berlin 2001, ISBN 3-86153-264-6, S. 155 f.
  4. TV-Bericht über den Tod von Peter Fechter. rbb
  5. Der letzte Flüchtling vom Checkpoint Charlie. In: Bild, 4. Januar 2010.
  6. Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart. Abgerufen am 15. Oktober 2019.
  7. Homepage von Rw+ mit Visualisierung der Bauwerke. Abgerufen am 3. Mai 2019.
  8. Newsletter des Landesdenkmalamtes Berlin, August 2018. Abgerufen am 11. Februar 2019.
  9. Machtwort von Michael Müller – Senat plant Checkpoint Charlie neu. In: Berliner Zeitung. 4. Dezember 2018, abgerufen am 11. Februar 2019.
  10. 360°-Panorama des Checkpoint Charlie, abgerufen am 3. Mai 2019.

Koordinaten: 52° 30′ 26,8″ N, 13° 23′ 25,4″ O