Mechowo (Puck)

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Mechowo (deutsch Mechau) ist ein Dorf in der Landgemeinde Puck (Putzig) im Powiat Pucki (Kreis Putzig) der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt in der historischen Region Westpreußen, westlich der Danziger Bucht, etwa zehn Kilometer westlich der Stadt Puck (Putzig) an der Putziger Wiek, 14 Kilometer nördlich von Wejherowo (Neustadt in Westpreußen) und fünfzig Kilometer nordnordwestlich von Danzig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mechau westlich von Putzig an der Danziger Bucht und nördlich von Neustadt in Westpreußen auf einer Landkarte von 1910.
Dorfkirche
Mechausche ‚Tropfsteinhöhle‘, eine durch Kalkablagerungen gebildete Grotte, die einer Tropfsteinhöhle ähnelt.

Der Putziger Burgbezirk, zu dem das Bauerndorf Mechow im Mittelalter gehörte, kam 1309 in den Besitz des Deutschordensstaats. Mechow (poln. Mechowo) war vermutlich bereits um diese Zeit eine Eigentumsortschaft des Klosters Oliva gewesen. Später wurde in der Nähe von Mechow das Dorf Neu-Mechau gegründet, das diesen Namen noch am Ende des 16. Jahrhunderts trug, um 1661 dann in Lisnewo umbenannt wurde und später in Leßnau.[1] Im Zusammenhang mit der Gründung des letzteren Dorfs dürfte der Ortsname Mechow in Alt-Mechow abgeändert worden sein. Im Jahr 1412 publizierte der Vogt des Klosters Oliva, Bruder Bartuchs, das Urteil im Rechtsstreit des Klosters mit Peter Seczowitz, in dem dessen Behauptung, das Dorf Alt-Mechow gehöre ihm, zurückgewiesen worden war.[2]

Um 1663 war Mechowa noch immer eine Eigentumsortschaft des Klosters Oliva.[3] Nach 1807 wurde in Mechau staatlicherseits die Bauernbefreiung verfügt.[4]

Im Jahr 1785 wird Mechow oder Mechau als ein königliches Dorf und Erbpachts-Vorwerk mit einer katholischen Kirche und 24 Feuerstellen (Haushaltungen) bezeichnet.[5] Um 1835 gab es in Mechau eine Wassermühle.[6] 1850 wird Mechau ein Pfarrdorf und Erbpachtvorwerk genannt.[7]

Bis 1919 gehörte das Dorf Mechau zum Kreis Putzig im Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs musste das Kreisgebiet mit dem Dorf Mechau aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden, mit Wirkung vom 20. Januar 1920 und ohne Volksabstimmung. Durch den Polenfeldzug 1939 kam das entnommene Gebiet des Polnischen Korridors an das Reichsgebiet zurück; es wurde dem Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem Mechau bis 1945 gehörte.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee das Kreisgebiet und der Ort wurde wieder Teil Polens.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1816 205 in 38 Häusern[8]
1864 544 [9]
1871 424 in 60 Häusern[10]
1905 436 [11]
1910 418 [12]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mechausche ‚Tropfsteinhöhle‘, eine im Dorf vorhandene Grotte, die durch Kalkablagerungen gebildet wurde und einer Tropfsteinhöhle ähnelt.[6][13] In der Grotte waren Scherben aus der Vorzeit stammender, unbemalter und unverzierter großer Urnen aus stark mit Kies versetztem und dadurch sehr hellem Ton gefunden worden.[14] Die Erforschung und bauliche Sicherung der starken Erosionserscheinungen unterliegenden „Höhle von Mechau“ ist eng mit dem Namen des preußischen Oberpräsidenten Theodor von Schön verbunden. Die Höhle kann aktuell gegen Eintrittspreis besichtigt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Friedrich v. Froriep: Nachricht von einer merkwürdigen Tropfsteinhöhle bei Mechau, ohnweit Putzig. In: Notizen aus der Natur- und Heilkunde, Band 1, Erfurt 1822, Spalte 213–214.
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 412–413.
  • Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872 (E-Kopie).
  • Jürgen W. Schmidt: Die Höhle von Mechau – Der westpreußische Oberpräsident Theodor von Schön und die Entdeckung, wissenschaftliche Erforschung und bauliche Sicherung der sogenannten „Tropfstein-Höhle“ in Mechau bei Putzig, in: Westpreußen-Jahrbuch, Bd. 59 (2007), S. 51–66, ISBN 978-3-9812143-1-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.westpreussen.de/cms/ct/ortsverzeichnis/details.php?ID=3878
  2. Leopold von Ledebur: Neues Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates. Band 2, Berlin/Posen und Bromberg 1836, S. 334–335.
  3. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 126.
  4. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 170.
  5. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, S. 132.
  6. a b August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835 (Volltext) (Register).
  7. Friedrich Wilhelm Massow: Alphabetisches Verzeichniß sämmtlicher Ortschaften des Preußischen Staates. Magdeburg 1850, , S. 66.
  8. J. D. F. Rumpf und H. F. Rumpf: Vollständiges topographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 2, Berlin 1820, S. 234.
  9. Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Berlin 1867, 7. Kreis Neustadt, S. 18, Nr. 102.
  10. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 224, Nr. 114.
  11. http://wiki-de.genealogy.net/GOV:MECHAUJO94DR@1@2Vorlage:Toter Link/wiki-de.genealogy.net (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  12. http://www.gemeindeverzeichnis.de/gem1900///gem1900.htm?westpreussen/rb_danzig.htm
  13. Johann Gottfried Sommer: Gemälde der physischen Welt. Band 2, Prag 1828, S. 288–289.
  14. Ernst Förstemann: Das nördliche Pommerellen und seine Alherthümer. In: Preußische Provinzial-Blätter, Band 9, Königsberg 1850, S. 257–275, insbesondere S. 267–268.

Koordinaten: 54° 43′ N, 18° 17′ O