Puck (Polen)

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Puck
Wappen von Puck
Puck (Polen)
Puck
Puck
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Puck
Fläche: 4,90 km²
Geographische Lage: 54° 42′ N, 18° 24′ OKoordinaten: 54° 42′ 0″ N, 18° 24′ 0″ O
Einwohner: 11.317
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 84-100
Telefonvorwahl: (+48) 58
Kfz-Kennzeichen: GPU
Wirtschaft und Verkehr
Straße: WładysławowoDanzig
Schienenweg: Bahnstrecke Reda–Hel
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 4,90 km²
Einwohner: 11.317
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 2310 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2211031
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Hanna Pruchniewska[2]
Adresse: ul. 1 Maja 13
84-100 Puck
Webpräsenz: www.miasto.puck.pl



Puck [puʦk] (deutsch Putzig, kaschubisch Pùck) ist eine Hafen- und Kreisstadt in der polnischen Wojewodschaft Pommern. Die Stadt hat etwa 11.300 Einwohner und ist Sitz der eigenständigen Landgemeinde Puck, gehört ihr selbst aber nicht an.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Putzig liegt in der historischen Region Westpreußen, an der Danziger Bucht, etwa 45 Kilometer nordnordwestlich von Danzig.

Putzig am Putziger Wiek im Abendlicht

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Putzig an der Danziger Bucht, nordnordwestlich von Danzig, auf einer Landkarte von 1908.
Putzig nordnordwestlich von Danzig und nordöstlich von Neustadt an der Reda auf einer Landkarte von 1910
Marktplatz
Rathaus der Stadt
Stadtkirche
Gebäude aus dem 18. Jahrhundert
Auszug aus der Handfeste der Stadt vom Jahr 1348
Am Rathaus angebrachtes Stadtwappen
Teil des Yachthafens

Nach Johann Friedrich Goldbeck wurde die Ortschaft zuerst von dem pommerschen Fürsten Bugislaus († 1150) angelegt, der ihr den Namen Bugustin gegeben und den an sie grenzenden Meerbusen der Ostsee, die spätere Putziger Wiek, Buguswick genannt habe.[3] Der Ort kam 1308 zusammen mit Dantzike zum westlichen Preußen. Die Stadtrechte erhielt der Ort 1348 vom Deutschen Orden, der ihn Bautzig nannte.[3] Später wurde die Stadt auch Pautzke genannt, woraus schließlich Putzig wurde. Zusammen mit anderen Orten in Preußen trat die Stadt dem Preußischen Bund bei, der sich am 10. Februar 1454 anlässlich der Heirat der Kaisertochter Elisabeth von Habsburg mit dem Jagiellonen Kasimir IV. vom Deutschen Orden lossagte und freiwillig dem autonomen, unter der Schirmherrschaft der Krone Polens stehenden Preußen Königlichen Anteils, auch ‚Polnisch-Preußen‘ genannt, beitrat.

Als 1454 der Dreizehnjährige preußische Städtekrieg entbrannte, stellte sich Putzig förmlich unter den Schutz der Stadt Danzig.[4] Das Fischmeisteramt, das der Deutsche Orden in Putzig betrieb, wurde während der Zeit des Bundeskriegs von dem Ordensbeamten Heinrich Reffle von Richtenberg verwaltet.[5] Putzig wurde mit dem Zweiten Thorner Frieden 1466 zum Sitz des königlichen Starosten. Bis 1544 hatte sich das Gebiet von Putzig eine Zeitlang im Pfandbesitz der Stadt Danzig befunden, die es jedoch nach Zahlung einer Abfindung in Höhe von 6.000 ungarischen und 2.000 preußischen Gulden durch den polnischen König wieder abtreten musste.[6][7][8] Da die Stadt Danzig keine für den polnischen König gecharterten Schiffe im Danziger Gebiet erlaubte, mussten diese 1567 in dem kleinen Fischerhafen Pautzke an der Pautzker Wiek ankern.

Die preußischen Städte, die sich dem autonomen Preußen Königlichen Anteils angeschlossen hatten, waren in der Folgezeit Polonisierungsversuchen ausgesetzt, die darauf abzielten, das deutsch besiedelte Gebiet in eine polnische Provinz umzuwandeln. Durch sein Dekret vom 16. März 1569 auf dem Lubliner Reichstag kündigte König Sigismund II. August die Autonomie Westpreußens unter Androhung herber Strafen einseitig auf,[9][10] weshalb die Oberhoheit des polnischen Königs in diesem Teil des ehemaligen Gebiets des Deutschen Ordens von 1569 bis 1772 als Fremdherrschaft empfunden wurde.[11]

1626 wurde die Stadt von Schweden erobert, 1627 von Polen eingenommen, 1703 schließlich erneut von den Schweden besetzt.

Durch die Erste Teilung Polen-Litauens 1772 wurde das westliche Preußen mit dem Gebiet um Putzig und Neustadt unter Friedrich II. von Preußen mit dem östlichen Teil des Königreichs Preußen in dem Maße wiedervereinigt, wie diese Teile zur Zeit des Deutschordensstaats miteinander verbunden gewesen waren, und so von der polnischen Fremdherrschaft befreit. Putzig war fortan eine Stadt im Königreich Preußen. Um 1789 gehörte Putzig zu den vier Städten des Dirschauer Kreises[3], später zum Landkreis Neustadt (Westpr.).

Ab 1878 war Putzig Kreisstadt. Um 1835 hatte Putzig eine katholische Kirche, eine evangelische Kirche und eine Synagoge.[12] 1898 erhielt die Stadt einen Bahnhof an der Strecke von Reda, die später noch nach Norden bis Richtig Krokowa und zur Halbinsel Hel verlängert wurde.

Vor 1920 gehörte Putzig zum Landkreis Putzig im Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs musste Putzig aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten wurde, mit Wirkung vom 20. Januar 1920 und ohne Volksabstimmung. Hier vollzog der polnische General Józef Haller von Hallenburg am 10. Februar 1920 die Zeremonie der „Heirat Polens mit dem Meer“. Der Tag wird seitdem jährlich gefeiert. In der Zwischenkriegszeit war Putzig das Hauptquartier der 1918 gegründeten polnischen Kriegsmarine und der einzige polnische Ostseehafen, bevor Gdingen in den 1920er Jahren zum großen Militärhafen ausgebaut wurde.

Durch den Polenfeldzug 1939 kam das entnommene Gebiet des Polnischen Korridors an das Reichsgebiet zurück. Es wurde dem Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem die Stadt Putzig bis 1945 gehörte.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Bald darauf wurde Putzig zusammen mit ganz Westpreußen und der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. In Putzig begann danach die Zuwanderung polnischer Zivilisten, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen deutschen Stadtbewohner bemächtigten und die Einwohner daraus verdrängten. In der darauf folgenden Zeit wurden die deutschen Einwohner von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Putzig vertrieben.

Die Stadt ist eine der Hochburgen der Kultur der Kaschuben.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1831 1.939 teils Katholiken, teils Evangelische, auch Juden[12]
1864 2.361 [13]
1871 2062 in 157 Wohngebäuden[14]
1875 2.095 [15]
1880 2.019 [15]
1890 1.869 darunter 452 Evangelische und 62 Juden (700 Polen)[15]
2012 11.545 Stand vom 30. Juni 2012[16]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ungewöhnliche Stadtwappen von Puck zeigt in Blau einen goldenen Löwen, der an einem silbernen Lachs nagt. Nach einer Legende zeigte das alte Wappen nur den silbernen Fisch in Blau, der Löwe soll dem Stadtwappen von König Karl VIII. (Schweden) (Karl Knutsson Bonde) beigefügt worden sein, der die Stadt in den Jahren 1457–1460 als Pfand hielt, und stammt von dem Löwen der Goten (Göta lejon) im Großen Staatswappen von Schweden. Zur Wappengeschichte gibt es auch eine alte kaschubische Legende: Ein Lachs und ein Aal kämpften um die Vorherrschaft in der Ostsee. Ermüdet und entkräftet, ineinander verschlungen, waren sie dem Tode nahe. Plötzlich näherte sich ihnen ein Boot, auf dem ein Löwe saß. Der Löwe nahm den Aal in sein Boot, während der befreite Lachs zum Putziger Hafen schwamm. In Putzig angelangt, nahm der Löwe den Lachs in sein Maul und trug ihn zur Turmspitze des Rathauses hinauf. Seitdem sind beide Tiere unzertrennlich im Wappen der Stadt vereint.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rathaus, erbaut 1865
  • Museum des Putziger Landes
  • Pfarrkirche St. Peter und Paul
  • Bürgerhäuser am Hauptmarkt (pl. Wolności)
  • Neu angelegter Yachthafen

Landgemeinde Puck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Puck ist Sitz einer Landgemeinde gleichen Namens, ist aber selber nicht Teil dieser. Die Landgemeinde, die die Stadt umfasst, hat eine Fläche von 243,3 km² auf der 25.341 Menschen leben (30. Juni 2015).

Hauptartikel: Puck (Landgemeinde)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinungsjahrs

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Puck – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Stadt, Władze miasta, abgerufen am 23. Februar 2015
  3. a b c Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II: Topographie von West-Preußen. Marienwerder 1789, S. 52-53, Nr. 3.)
  4. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 69.
  5. Friedrich August Voßberg: Geschichte der Preußischen Münzen und Siegel von frühester Zeit bis zum Ende der Herrschaft des Deutschen Ordens. Berlin 1843, S. 178.
  6. Daniel Gralath: Versuch einer Geschichte der Stadt Danzig. Band 2, Danzig 1790, S. 70-76.
  7. Justus Gotthart Rabener: Deutsche Acta eruditorum. Band 85, Leipzig 1723, S. 709 ff.
  8. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 87–88.
  9. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104.
  10. A. Reusch: Westpreussen unter polnischem Scepter. Festrede gehalten am Elbinger Gymnasium am 13. Spt. 1872. In: Altpreußieche Monatsschrift, NF, Band 10, Königsberg 1873, S. 140–154, insbesondere S. 146.
  11. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104 ff..
  12. a b August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 412, Nr. 28.
  13. Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Berlin 1867, 7. Kreis Neustadt, S. 18, Nr. 140.
  14. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 228, Nr. 153.
  15. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Westpreußen, Landkreis Putzig (2006).
  16. http://www.stat.gov.pl/cps/rde/xbcr/gus/l_ludnosc_stan_struktura_30062012.pdf