Kreis Putzig

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Der Kreis Putzig war ein preußischer Landkreis, der von 1878 bis 1920 bestand. Er lag in dem Teil von Westpreußen, der nach dem Ersten Weltkrieg durch den Versailler Vertrag 1920 an Polen fiel und als Polnischer Korridor bezeichnet wurde. Kreisstadt war Putzig, früher auch Pautzke (polnisch Puck). Zum Kreisgebiet gehörte unter anderem die Halbinsel Hela. Heute liegt das ehemalige Kreisgebiet in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Der Kreis Putzig von 1878 bis 1920
Die Provinz Westpreußen 1919
  • Regierungsbezirk Danzig
  • Regierungsbezirk Marienwerder

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das kontinuierliche Anwachsen der Bevölkerung von Westpreußen im 19. Jahrhundert erwiesen sich einige Kreise als zu groß und eine Verkleinerung erschien erforderlich. Am 1. April 1878 wurde aus dem nördlichen Teil des Kreises Neustadt in Westpreußen der neue Kreis Putzig mit dem Landratsamt in der Stadt Putzig gebildet. Der Kreis lag an der Ostseeküste und umfasste unter anderem die Halbinsel Hela.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste der Kreis Putzig aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920 vom Deutschen Reich an Polen abgetreten werden. Der Kreis bestand in Polen als Powiat Pucki weiter.

Während der deutschen Besetzung Polens von 1939 bis 1945 gehörte das Kreisgebiet zum Landkreis Neustadt (Westpr.) im Reichsgau Danzig-Westpreußen.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ethnische Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1905 waren ca. 30 % der Bevölkerung des Kreises deutschsprachig und ca. 70 % polnisch- bzw. kaschubischsprachig.[1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1890: 24.060
  • 1900: 25.216
  • 1910: 26.548

Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr evangelisch katholisch jüdisch
absolut  % absolut  % absolut  %
1890 5.308 22,1 18.679 77,6 71   0,3
1910 5.398 20,3 21.084 79,4 60   0,2

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1887–190000Albrecht
  • 1900–191800Karl Tappen
  • 1918–191900Abramowski (vertretungsweise)
  • 1919–999900von Maercker (kommissarisch)
  • 1919–999900Heinrich Kobbenbrink (kommissarisch)

Wahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Deutschen Reich bildeten die Kreise Neustadt, Karthaus und Putzig den Reichstagswahlkreis Danzig 4. Dieser Wahlkreis wurde bei allen Reichstagswahlen zwischen 1871 und 1912 von Kandidaten der Polnischen Fraktion gewonnen.[2][3]

Städte und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1910 umfasste der Kreis Putzig die Stadt Putzig sowie 53 Landgemeinden:[4]

  • Mechau
  • Mechlinken
  • Menkewitz
  • Miruschin
  • Oblusch
  • Odargau
  • Oslanin
  • Ostrau
  • Oxhöft
  • Pierwoschin
  • Pogorsch
  • Polchau
  • Polzin
  • Putzig, Stadt

Zum Kreis gehörten außerdem zahlreiche Gutsbezirke.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leszek Belzyt: Sprachliche Minderheiten im preußischen Staat 1815–1914. Marburg 1998, S. 17 f.
  2. Datenbank der Reichstagsabgeordneten
  3. Siegreiche Kandidaten bei den Reichstagswahlen im Wahlkreis Neustadt-Putzig-Karthaus
  4. Gemeindeverzeichnis 1910 mit Einwohnerzahlen