Meister für Veranstaltungstechnik

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Geprüfter Meister für Veranstaltungstechnik ist ein Fortbildungsberuf auf der Ebene 6 des Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR). Die Prüfung ist bundeseinheitlich durch Rechtsverordnung geregelt.

Meister für Veranstaltungstechnik sind für die technischen Durchführung von Veranstaltungen, für die Durchsetzung von Sicherheitsvorschriften, für Führungsaufgaben sowie für die Ausbildung von Fachkräften für Veranstaltungstechnik qualifiziert. Sie können als Verantwortliche für Veranstaltungstechnik nach den Versammlungsstättenverordnungen (VStättVO)[1] eingesetzt werden.

Meisterregelung 1997 mit den Fachrichtungen Bühne/Studio, Beleuchtung, Halle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Meister für Veranstaltungstechnik / Geprüfte Meisterin für Veranstaltungstechnik in den Fachrichtungen Bühne/Studio, Beleuchtung, Halle“ wurde am 26. Januar 1997 erlassen und zuletzt am 26. März 2014 geändert. Dieser Abschluss ersetzte die bis dahin vorhandenen Berufe Bühnenmeister, Beleuchtungsmeister und Studiomeister, die allerdings nicht staatlich anerkannt waren. In der Rechtsverordnung erfolgte gegenüber den bis dahin abgedeckten Bereichen (Theater sowie Film/Fernsehen) eine Ausweitung für den Bereich Halle.[2]

Tätigkeiten im Einzelnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Meister für Veranstaltungstechnik sind qualifiziert, die folgenden Aufgaben als Führungskraft in den ihnen übertragenen Aufgabenbereich wahrzunehmen:

  • Mitwirken bei der Planung und Einrichtung von Anlagen und Arbeitsstätten sowie bei der Beschaffung von Betriebsmitteln, Überwachen der Anlagen und Betriebsmittel; Erkennen von Störungen; Veranlassen und Beaufsichtigen der Instandhaltung von Anlagen und Betriebsmitteln;
  • Übertragen der Aufgaben auf die Mitarbeiter, Einarbeiten und Anleiten der Mitarbeiter; Bemühen um, Förderung der beruflichen Bildung der Mitarbeiter;
  • Überwachen der Kostenentwicklung, Sicherstellen und Kontrollieren der Proben und Vorstellungen; Auswahl geeigneter Materialien und sinnvoller Einsatz bühnentechnischer Geräte;
  • Durchführen und Kontrollieren der erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes, der Unfallverhütung, des Brandschutzes und Einhaltung der Bestimmungen der Versammlungsstätten-Verordnung

Zulassungsvoraussetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Fortbildungsprüfung Meister für Veranstaltungstechnik wird zugelassen, wer

  • eine abgeschlossene Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf, der der Fachrichtung, in der die Prüfung abgelegt werden soll, zugeordnet werden kann, und danach eine mindestens zweijährige dem angestrebten Abschluss entsprechende Berufspraxis,
  • eine abgeschlossene Ausbildung in einem sonstigen gewerblich-technischen oder handwerklichen Ausbildungsberuf und danach eine dem angestrebten Abschluss entsprechende Berufspraxis, die unter Anrechnung der in der Ausbildungsordnung für den Ausbildungsberuf vorgeschriebenen Ausbildungsdauer mindestens sechs Jahre beträgt,
  • durch Vorlage von Zeugnissen oder auf andere Weise glaubhaft macht, dass er Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen erworben hat, die die Zulassung zur Prüfung rechtfertigen.

Bei der Zulassung zur Prüfung für die Fachrichtungen Beleuchtung und Halle muss die Qualifikation als Elektrofachkraft vorhanden sein. Andere Nachweise, beispielsweise der Besuch eines Vorbereitungslehrganges, sind nicht erforderlich.

Gliederung der Prüfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Meisterprüfung gliedert sich in einen

  • berufs- und arbeitspädagogischen Teil,
  • fachrichtungsübergreifenden Teil und
  • fachrichtungsspezifischen Teil

Berufs- und arbeitspädagogischen Prüfungsteil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der berufs- und arbeitspädagogischen Teil entspricht inhaltlich der Ausbildereignungsprüfung. Eine bereits abgelegte Ausbildereignungsprüfung kann vollständig angerechnet werden.

Fachrichtungsübergreifender Prüfungsteil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der fachrichtungsübergreifenden Teil ist für viele Industriemeister-Prüfungen identisch und wird in den Prüfungsfächern

  • Grundlagen für kostenbewusstes Handeln
  • Grundlagen für rechtsbewusstes Handeln
  • Grundlagen für die Zusammenarbeit im Betrieb

als schriftliche Prüfung abgenommen.

Fachrichtungsspezifischer Prüfungsteil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der fachrichtungsspezifische Prüfungsteil wird in einer der folgenden Fachrichtungen abgelegt:

  • Bühne
  • Beleuchtung
  • Halle

Dabei wird in den nachfolgenden Prüfungsfächern jeweils fachrichtungsspezifisch schriftlich geprüft:

  • Mathematische und naturwissenschaftliche Grundlagen
  • Technische Kommunikation
  • Allgemeine Betriebstechnik und spezielle Betriebstechnik
  • Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit
  • Brandschutz und „Bauordnungsrecht“

Projektarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiterer wichtiger Prüfungsbaustein ist die Projektarbeit. In der Projektarbeit hat der Prüfungsteilnehmer nachzuweisen, dass er als betriebliche Führungskraft bei der Mitwirkung an einer Inszenierung oder an einer Produktion, beispielsweise Bühnen-, Film-, Fernseh- oder Hörfunkproduktion, die von der Probe bis zur Premiere auftretenden komplexen, praxisorientierten Probleme erfassen, darstellen, beurteilen und lösen kann. Die Projektarbeit wird als Hausarbeit angefertigt und ist vor dem Prüfungsausschuss zu präsentieren. Projektarbeit und Präsentation sind der Ausgangspunkt für ein nachfolgendes Fachgespräch.

Lehrgänge zur Vorbereitung auf die Prüfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung werden Lehrgänge angeboten, die sich in ihrer Struktur an der Prüfungsstruktur der Prüfung orientieren. In dem DIHK-Rahmenstoffplan sind folgende Fachgebiete und Unterrichtsstunden vorgesehen:[3]

I. Fachrichtungsübergreifender Teil: 340 UStd.
   1. Grundlagen für kostenbewusstes Handeln 
      (Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre: 172 UStd.)
   2. Grundlagen für rechtsbewusstes Handeln 
      (Grundgesetz, Gerichtsbarkeit und Rechtsprechung, Arbeits- und Sozialrecht, Umweltschutzrecht): 60 UStd.
   3. Grundlagen für die Zusammenarbeit im Betrieb 
     (Sozialverhaltens der Menschen, Einflüsse des Betriebes auf das Sozialverhalten, Einflüsse des Meisters auf die Zusammenarbeit im Betrieb): 108 UStd.
II. Fachrichtungsspezifischer Teil: 480 UStd
    0. Arbeitsmethodik: 10 UStd.
    1. Mathematische und naturwissenschaftliche Grundlagen: 90 UStd.*
    2. Technische Kommunikation: 80 UStd.*
    3.	Allgemeine und spezielle Betriebstechnik: 200 UStd.
       3.1 Allgemeine Betriebstechnik: 120 UStd.
       3.2 Spezielle Betriebstechnik: 80 UStd.*
    4. Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit: 48 UStd.
    5.	 Brandschutz: 28 UStd.
    6.	Bauordnungsrecht: 24 UStd.
III. Berufs- und arbeitspädagogischer Teil: 115 UStd.
* differenziert nach den Fachrichtungen Bühne und Studio, Beleuchtung, Halle

Die tatsächlichen Lehrgangszeiten weichen bei den unterschiedlichen Bildungsträgern von den Zeiten im DIHK-Rahmenstoffplan nach unten ab. Teilweise werden Lehrgängen für den fachrichtungsspezifischen Teil angeboten die nicht nach den Fachrichtungen differenziert sind – lediglich die spezielle Betriebstechnik wird dann gesplittet angeboten.

Meisterregelung 2009 mit integrierten Fachqualifikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Meister sind außerhalb von Theatern, Studios, Hallen und anderen festen Veranstaltungsstätten tätig. Seit 1997 haben sich viele Dienstleistungsbetriebe gebildet, die Veranstaltungen technisch konzipieren und durchführen - dabei auf einem freien Markt konkurrieren. Beispielsweise führen sie Beschallungen bei Events durch - eine entsprechende Meisterprüfung konnte aber nicht abgelegt werden. Deshalb wurde eine neue Verordnung erarbeitet, die breit aufgestellt ist und für die Meister aller Tätigkeitsbereiche gültig sein soll. Außerdem ist die neue Verordnung nicht mehr fachsystematisch, sondern „handlungsorientiert“ gestaltet. Dies bedeutet, dass Gegenstand der Meisterprüfung „meisterliches Handeln“ ist und nicht etwa fachsystematisches Wissen.[4]

Tätigkeiten im Einzelnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geprüfte Meister für Veranstaltungstechnik sind qualifiziert, in Betrieben unterschiedlicher Art und Aufgabenstellungen (beispielsweise Theater, Film- und Fernsehproduktionen, Kongress- und Tagungszentren, Messen sowie in sonstigen Event- und Veranstaltungsbetrieben)

  • künstlerische Konzepte, Marketingkonzepte oder andere Vorgaben der Auftraggeber hinsichtlich technischer und sicherheitstechnischer Realisierbarkeit sowie hinsichtlich der Kosten abzuschätzen, Kunden zu beraten sowie Veranstaltungskonzepte im technischen Bereich auszuarbeiten,
  • unter Berücksichtigung rechtlicher Rahmenbedingungen, der Kosten und der Sicherheit Projektabläufe zu strukturieren und technische Lösungen, insbesondere in den Bereichen elektrotechnische Anlagen der Veranstaltungstechnik, Beleuchtungstechnik, Beschallungstechnik, Bühnentechnik, Szenenbau, Rigging und Medientechnik, zu konzipieren,
  • Projekte zu steuern, Mitarbeiter anzuleiten, technische Einrichtungen zu überprüfen sowie ausgeführte Arbeiten zu kontrollieren, zu dokumentieren und abzurechnen,
  • Sicherheit von Publikum, Mitwirkenden und Personal zu beurteilen und sicherzustellen,
  • Ausbildung zu planen und Auszubildende am Arbeitsplatz auszubilden

Zulassungsvoraussetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Prüfung Meister für Veranstaltungstechnik wird zugelassen, wer über einen Abschluss zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik und danach eine mindestens einjährige Berufspraxis verfügt oder eine vergleichbare Qualifikation nachweist. Andere Nachweise, beispielsweise der Besuch eines Vorbereitungslehrganges, sind nicht erforderlich.

Gliederung der Prüfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Prüfung besteht aus den Prüfungsteilen

  • „Situative Aufgabe“
  • „Prüfungsprojekt“ sowie der
  • Ausbilder-Eignungsprüfung.

Ausbildereignungsprüfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anforderungen der Ausbildereignungsprüfung sind nicht mehr in die Verordnung aufgenommen. Sie werden nach der geltenden Ausbildereignungsverordnung geprüft.

Prüfungsteil „Situative Aufgabe“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Prüfungsteil „Situative Aufgabe“ wird eine beruftypische Situation (konkretes Veranstaltungsprojekt) beschrieben, in der die Meister handeln sollen. In der Verordnung sind die vier Handlungsbereiche vorgesehen:

  • Veranstaltungskonzept
  • Veranstaltungsplanung
  • Technische Leitung von Veranstaltungen
  • Sicherheitsmanagement

In jedem dieser Handlungsbereiche sollen die Prüfungsteilnehmer Dokumente, die der beruflichen Praxis entsprechen, anfertigen. Zusätzlich sollen die Prüfungsteilnehmer im Handlungsbereich „Veranstaltungskonzept“ eine Präsentation durchführen, im Handlungsbereich „Sicherheitsmanagement“ ein Fachgespräch.

Prüfungsteil „Prüfungsprojekt“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist ein Projektbericht als Hausarbeit über ein durchgeführtes Veranstaltungsprojekt anzufertigen, an dem der Prüfungsteilnehmer wesentlich beteiligt war. Die Inhalte des angefertigten Projektberichtes sind vor dem Prüfungsausschuss zu präsentieren. Danach schließt sich ein Fachgespräch an, das auf der Grundlage des Projektberichts und der Präsentation geführt wird.

Umsetzung in den Versammlungsstättenverordnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der „neue“ Meister wurde 2010 in § 39 der Musterversammlungsstättenverordnung aufgenommen. Diese Regelung wurde in den Versammlungsstättenverordnungen der Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen und Niedersachsen umgesetzt. Geprüfte Meister können sich in diesen Bundesländern einen Berechtigungsausweis ausstellen lassen und können damit bundesweit tätig werden.

Bildungsmaßnahmen zur Vorbereitung auf die Prüfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inzwischen werden auch Bildungsmaßnahmen für den „neuen“ Meister angeboten. Entsprechend den Vorgaben der Prüfung werden in diesen Kursen (möglichst) reale Veranstaltungsprojekte bearbeitet, Dokumente (z. B. Veranstaltungskonzepte und Planungsunterlagen) erstellt, präsentiert und in Fachgesprächen reflektiert.[5]

Zur Unterstützung der Bildungsteilnehmer, Bildungsträger und Prüfungsausschüsse hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) eine Handreichung erstellt.[6]

Bildungspolitische Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Geprüfter Meister für Veranstaltungstechnik/Geprüfte Meisterin für Veranstaltungstechnik“ wurde durch Sachverständige erarbeitet, die von der VPLT, EVVC, DTHG, der ARD/ZDF sowie von ver.di benannt wurden. Diese Verbände gaben auch ihre Zustimmung zu dieser Verordnung. Die neue Meisterregelung wurde aber vom Deutschen Bühnenverein abgelehnt. Auch die DTHG und ARD/ZDF distanzierten sich nachträglich von der neuen Meisterregelung. Grund der Ablehnung sind die fehlenden Fachrichtungen. [7]

Wegen dieser Kontroverse wurde die neue Verordnung seitens des BMBF nur befristet bis zum 31. Dezember 2018 erlassen, die bestehende Verordnung wurde ebenfalls bis zum 31. Dezember 2018 befristet. Wegen der Befristung beider Verordnungen muss bis zum 31. Dezember 2018 eine Neuregelung getroffen werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veranstaltungstechnik Fachkraft für Veranstaltungstechnik Versammlungsstättenverordnung

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. aktuelle Downloads der VStättV xEMP Verlag
  2. Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss „Geprüfter Meister für Veranstaltungstechnik/Geprüfte Meisterin für Veranstaltungstechnik“ in den Fachrichtungen Bühne/Studio, Beleuchtung, Halle vom 26. Januar 1997, zuletzt geändert am 26. März 2014 (PDF-Datei; 96 KB)
  3. DIHK-Rahmenplan, Deutsche Industrie- und Handelskammertag
  4. Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Geprüfter Meister für Veranstaltungstechnik/Geprüfte Meisterin für Veranstaltungstechnik, vom 21. August 2009, zuletzt geändert am 26. März 2014 (PDF-Datei, 71 KB)
  5. DER MEISTER, VPLT (Der Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik)
  6. Handreichung von ver.di
  7. Pressemeldung, Deutscher Bühnenverein, 2. April 2007