Menkin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Menkin
Landstadt Brüssow
Koordinaten: 53° 24′ 51″ N, 14° 11′ 40″ O
Einwohner: 167 (1. Jan. 2018)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1950
Eingemeindet nach: Wollschow
Postleitzahl: 17326
Menkin (Brandenburg)
Menkin

Lage von Menkin in Brandenburg

Menkin ist ein Gemeindeteil des Ortsteils Wollschow der Landstadt Brüssow im deutschen Bundesland Brandenburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menkin entstand um 1200 als Bauerndorf mit Feldsteinkirche in der Zeit der deutschen Kolonisation auf altslawischem Siedlungsboden. Hermann von Gleichen, Bischof von Cammin, erhielt im Jahre 1260 von dem Markgrafen Johann I. zum Tausch gegen Klockow die beiden Dörfer „Wolsichowe“ und „Menkin“. Damit kam das Dorf in Abhängigkeit von Burg Löcknitz, das gleichfalls diesem Kirchenfürsten zustand. In der Folge wurden die Familien von Buch, Eickstedt, Schulenburg und Blankenburg als Besitzer erwähnt.

Im Jahre 1623 kaufte der aus der Prignitz stammende kurbrandenburgische Kammerjunker und Kommendator von Schievelbein in der Neumark Adam von Winterfeldt den Rittersitz. Das Dorf einschließlich Wollschow und Fahrenholz blieben bis 1945 im Besitz der Familie von Winterfeldt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Menkin zum größten Teil eingeäschert. Auch das Gut brannte ab; wurde danach jedoch wieder aufgebaut. 1740 wurde das Gutshaus neu errichtet. 1945 wurde der Gutsbesitzer Joachim von Winterfeldt–Menkin enteignet und vertrieben; das Gutshaus wurde durch Brandstiftung zerstört. Am 1. Juli 1950 wurde Menkin nach Wollschow eingemeindet. 1960 wurde das Gutshaus in vereinfachter Form wieder aufgebaut. 1969 entstand aus sechs Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften des Territoriums die Kooperationsgemeinschaft Woddow. Hieraus bildeten sich Anfang 1976 die LPG (Tierproduktion) „Spartakus“ Wollschow-Menkin und die LPG (Tierproduktion) „Friedrich Engels“ Bagemühl.

Nach 1990 gab es einige Gebietsänderungen gemäß dem Staatsvertrag vom 9. Mai 1992, der am 1. Juli 1992 in Kraft trat. Die Gemeinde Wollschow und die Stadt Brüssow des Landkreises Pasewalk wurden in den bestehenden Gemeinde- und Gemarkungsgrenzen aus dem Land Mecklenburg-Vorpommern ausgegliedert und in das Land Brandenburg eingegliedert. 1992 kauften die Nachkommen von Joachim v. Winterfeldt-Menkin, die Familie von Oppen, das Gut Menkin. Am 31. Dezember 2001 wurde Menkin zusammen mit Wollschow nach Brüssow eingemeindet.[2]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlitterstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Gemarkungsgrenze zwischen Menkin und Bergholz, das heißt auf der Landesgrenze zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg liegt ein Findling namens „Schlitterstein“. Der Stein ist 6,20 m lang, 4,70 m breit und ist mehr als 2,50 m hoch. Er hat damit einen Umfang von mehr als 15 m und ein Volumen von mehr als 38 m³. Der Stein besteht aus feinkörnigem, rötlich grauen Granit mit etwas weniger schwarzen Bestandteilen, Quarz, Feldspat und Glimmer. Der Stein ist durch Kluft gespalten und hat eine Schlitterspur auf der Südseite.[3][4][5]

Baudenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Baudenkmale in Menkin sind der Gutspark mit Grotte und Barockfiguren, Verwaltungsgebäude und Kulturhaus von 1951/1960 in der Hofstraße 4, das Wohnhaus des Gutsgärtners von 1870/1880, nach einem Entwurf von Paul Lehmgrübner, umgebaut 1899, in der Hofstraße 4 A und die Feldsteinkirche.

Feldsteinkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche Menkin 2014 von Westen

Die Kirche wurde 1220 aus geschichteten Granitquadern erbaut. Der Turm wurde so breit wie das Kirchenschiff gestaltet.

Bei einer Kirchensanierung von 1926 bis 1930 wurde 1927 Wandmalerei aus dem 14. und 16. Jahrhundert wiederentdeckt und freigelegt. Weihekreuze an der Ost- und Südwand stammen auch aus dem 14. Jahrhundert. Im Jahr 1580 wurde an die Südwand der Kirche in Anlehnung an den Lübecker Domspruch geschrieben:

Christ unser Herr so zu uns spricht:
Ich bin ewig – ihr sucht mich nicht.
Ich bin allmächtig – ihr fürchtet mich nicht.
Ich bin barmherzig – ihr trauet mir nicht.
Ich bin wahrhaftig – ihr glaubet mir nicht.
Ich bin gerecht – ihr ehret mich nicht.
Ich bin der Weg – ihr gehet mich nicht.
Ich bin das Licht – ihr sehet mich nicht.
Ich bin das Leben – ihr begehret ein nicht.
Ich bin weise – ihr folget mir nicht.
Ich bin der Meister – ihr fraget mich nicht.
Ich bin reich – ihr bittet mich nicht.
Ich bin schön – ihr liebet mich nicht.
Ich bin edel – ihr dienet mir nicht.
Ich bin der Richter – verdenket mirs nicht.

Der Spätrenaissance-Altaraufsatz wurde 1599 von der Dorfbesitzerin Ursula von Blanckenburg gestiftet. Über dem Pastorengestühl von 1638 hängen drei Porträts von ihr. Dar Altar hat einen farbenprächtigen architektonischen Aufbau mit vielem Ornament. In der rundbogig geschlossenen, von vorgezogenen Säulen gerahmten Mittelnische befindet sich ein vielfigürliches Kreuzigungsrelief, in seitlichen Nischen allegorische Figuren und Heilige und in der Predella ein Abendmahlsrelief. Links und rechts der Predella befinden sich zwei Engel, welche die Elemente des Abendmahls zeigen, die Hostie und den Kelch mit Wein. Darüber ist im Mittelteil die Kreuzigung Jesu dargestellt, darüber der auferstandene Christus mit der Siegesfahne und auf der Spitze des Altars der Pelikan, der seine Jungen mit seinem eigenen Blut tränkt.

Die Kanzel mit Schalldeckel und das Lesepult mit Beschlagwerk stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Der reich verzierte Kanzelkorb zeigt in Rundbogennischen unter anderem die vier Evangelisten zwischen Ecksäulchen und an der Treppe gemalte Kardinaltugenden. Das Küstergestühl unterhalb der Kanzel stammt aus der Zeit um 1600. Es ist durch Säulchen auf hohen Postamenten gegliedert und zeigt Apostelbildern in diamantierten Blendarkaden.

Um 1600 wurde vor der Korbbogenöffnung zum Nordanbau eine mondscheibenverglaste Patronatsloge mit vier Ofenplatten mit biblischen Szenen und Braunschweiger Wappen aus der Ilsenburger Hütte eingerichtet.

In den Jahren 1623 bis 1642 erfolgte eine umfassende Erneuerung, nachdem die Schweden während des Dreißigjährigen Krieges Menkin samt Kirche zweimal verwüsteten. Dabei wurden unter anderem die Fenster verändert. Das Gestühl der Kirche blieb seit 1637 unverändert erhalten.

1637 wurde an der nördlichen Kirchenseite ein etwa 6,5 m × 5 m messender, zweigeschossiger Logenanbau für eine Herrschaftsempore und eine Gruft für die Erbbegräbnisse der Familie von Winterfeldt gebaut. Die Familie von Winterfeldt war von 1623 bis 1945 in Menkin ansässig und auch Patron der Kirche. Stifter des Anbaus waren Adam von Winterfeld und seine Gattin Anna von Roebel. An der Innenseite der Tür zur Gruft steht der Spruch: „Wär ich so weis wie Salomon und auch so schön als Absalon und hätt des großen Alexander Reich müßt ich doch werden dem Tode gleich Anno 1637“[6] Im Jahr 1900 wurde im Auftrag der Familie Winterfeldt eine Bestandsaufnahme, Ordnung und Reinigung der Gruft durchgeführt. Der Zinnsarg des Adam Winterfeldt war wie alle übrigen Särge gewaltsam aufgebrochen, stark beschädigt und „etwaiger Kostbarkeiten“ beraubt. Die Restaurierung des Zinnsargs wurde in Berlin vorgenommen. Im Herbst 2005 wurde die Gruft von Spezialisten untersucht. Da der Gruftraum für eine Instandsetzung frei geräumt werden sollte, wurden die zuvor nummerierten Särge durch Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens – soweit möglich – nach außen vor den Eingang zur Kirche geschafft und vorsichtig gesäubert. Nach einer Dokumentation wurden die Särge in das Kircheninnere verbracht und mit Folien gut abgedeckt, wo sie bis Abschluss der Instandsetzungsarbeiten verblieben. Als diese 2006 abgeschlossen waren, wurden die Särge in den Gruftraum zurückgestellt. Um für eine gute Belüftung der Särge von allen Seiten zu sorgen und einem weiteren Verfall entgegenzuwirken, wurde der Gruftboden mit einem Holzrost ausgestattet. Das Herzstück der Anlage bildet Adam Winterfeldts Zinnsarg. Alle anderen Särge sind aus Holz, wobei einige reich beschlagene Eichensärge aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als die letzten in die Gruft verbrachten erkannt wurden. Es handelt sich bei allen Särgen um Dachtruhensärge, die im Wesentlichen aus dem 18. Jahrhundert stammen. Jeder Sarg wurde individuell für den Verstorbenen angefertigt, wie unter anderem die unterschiedlichen Maße zeigten. Die Särge waren sehr individuell und aufwändig gestaltet. Auffällig waren die teilweise sehr kunstvollen Bemalungen der Außensärge. Die Innenausstattung der Särge wie der Leichname war üppig und ebenfalls sehr individuell und im Detail aufwändig. In den recht gut erhaltenen Inhalten der Särge finden sich Sargbespannungen aus Tuch, Füllmaterial aus Hobelspänen (auch Stroh oder Hopfenblüten) und Kissen. Die Verstorbenen waren durchgängig bekleidet. Die Kopfbedeckungen der Kinder bestanden aus feinen Häubchen. Während die in der Kirche hängenden Totenkronenbretter bereits Gegenstand volkskundlicher Untersuchungen waren, ließen sich die Kronen nun auch in den Kindersärgen der Gruft nachweisen. In drei Särgen waren auf den Hauben von Kindern Fragmente von eisernen Kronenreifen sichtbar. Der mit Stecknadeln fixierte Kronenschmuck war im Laufe der Zeit teils in die Kopfkissen eingesunken, teils vergangen. Darüber hinaus wurden in einem Sarg 13 Eierschalen und in einem anderen Sarg ein großer Kamm gefunden. Die Toten selbst waren überwiegend gut und vollständig mumifiziert, was mit der stetigen Durchlüftung des Gruftraumes zusammenhing.[7]

Die bemalte Balkendecke stammt aus dem 17. Jahrhundert, genauso wie eine segmentbogige Sakramentsnische in der Südwand. Das Türblatt des Südportals von 1703 hat einen schmiedeeisernen Beschlag in Form einer Ritterfigur. Ein Messingkronleuchter mit Ritterfigur stammt aus dem Jahr 1727. 1731 entstanden die Südvorhalle und der Turmaufsatz aus Fachwerk mit einer geschlossene Laterne und einer schiefergedeckten Haube. Außerdem wurde der Westgiebel erneuert.[8] Die Glocke von 1767 stammt von Johann Heinrich Scheel aus Stettin. An den Wänden der Empore, sowie an der Nord- und der Südwand befinden sich 32 Kindertotenschilde aus dem 17. und 18. Jahrhundert. 1995 bis 1998 wurde die Kirche restauriert.[9][6]

Der Bau hat überwiegend Rechteckfenster, nur in der Südwand sind es Spitzbogenfenster und im Ostgiebel leicht gestaffelte Rundbogenfenster.

1995 bis 1999 konnte eine grundlegende Sanierung von Turm und Kirchenschiff außen und innen durchgeführt worden, an der die Deutsche Stiftung Denkmalschutz maßgeblichen Anteil hatte. Durch großzügige Unterstützungen einer Hamburger Stifterin konnten auch Altar und Kanzel, Patronatsempore, Südvorhalle und Orgel saniert werden.

1917 wurde von Barnim Grüneberg aus Stettin eine Orgel als opus 740 eingebaut. Die Orgel wurde zu Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 zerstört. Sie verfügte über einen dreiteiligen Prospekt in Neorenaissance-Formen. 2005 wurde die Orgel durch Orgelbaumeister Andreas Arnold von der Firma Mecklenburger Orgelbau/Wolfgang Nußbücker restauriert. Dabei wurden die bestehenden Teile gereinigt und mit Holzschutz versehen und das Orgelgehäuse restauriert und rekonstruiert. Ebenfalls restauriert wurden die Balganlage mit Anschluss eines elektrischen Winderzeugers, die Windladen der Spielanlage, die pneumatischen Windladen der Ton- und Registertrakturen sowie die Holzpfeifen und alle Metallpfeifen.[10] Die Orgel hat folgende Disposition: Pneumatische Kegelwindladen

I Manual C – f3
Bordun (ab G) 16′
Principal 8′
Octav 4′
Manualcoppel
Superoctavcoppel
II Manual C – f3
Aeoline 8′
Salicional 8′
Liebl. Gedackt 8′
Flauto dolce 4′
Jalousieschweller
Pedal C–d1
Subbaß 16′
Pedalcoppel

Spielhilfen: Mezzoforte, Tutti, Auslöser, Calcant

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Menkin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unsere Orte – Menkin. In: amt-bruessow.de. Amt Brüssow, abgerufen am 9. März 2019.
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001
  3. Martin Schultze: Gleitsteine Norddeutschlands und ihre Beziehungen zu religiösen Anschauungen der Vorzeit. In: Mannus. VI. Ergänzungsband, 1928, ISSN 0025-2360.
  4. Schmidt, Schulz: -. In: Naturschutzarbeit in Mecklenburg. Heft 2/3, Nr. 8. Akademie der Landwirtschaftswissenschaften, Berlin 1965, S. 89.
  5. W. Schulz, H.-W. Lübcke: Erfassungsbeleg Geotop Findling Menkin. (PDF; 29 kB) In: umweltkarten.mv-regierung.de. 8. November 2007, abgerufen am 20. Juni 2017.
  6. a b Kirche Menkin. Kirchengemeinde Brüssow, abgerufen am 19. Juni 2017.
  7. Bettina Jungklaus, Daniel Krebs, Blandine Wittkopp: Die Gruft von Menkin (Brandenburg, Landkreis Uckermark). In: Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof (Hrsg.): Ohlsdorf. Zeitschrift für Trauerkultur. Band IV, Nr. 107. Hamburg November 2009, S. 23–25 (fof-ohlsdorf.de [abgerufen am 20. Juni 2017]).
  8. Georg Dehio: Dehio – Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Brandenburg. Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Deutscher Kunstverlag, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 691.
  9. Kirche in Menkin. In: Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern. MANET Marketing GmbH, abgerufen am 19. Juni 2017.
  10. Orgelrestaurierung in der evangelischen Kirche Menkin. Mecklenburger Orgelbau, Wolfgang Nußbücker, abgerufen am 19. Juni 2017.