Mercure Potsdam

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Hotel Mercure Potsdam
Ansicht von Westen

Ansicht von Westen

Daten
Ort Potsdam
Architekt Architektenkollektiv
Baujahr 1969; 1991 Umbau
Höhe 60 m
Grundfläche 4400 m²
Koordinaten 52° 23′ 37,8″ N, 13° 3′ 35,8″ OKoordinaten: 52° 23′ 37,8″ N, 13° 3′ 35,8″ O

Das Mercure Hotel Potsdam (früher: Interhotel Potsdam) ist ein im Jahr 1969 fertiggestelltes Hotel aus der Zeit der DDR, das von der Interhotel-Kette betrieben wurde. Nach der Wende gelangte es in das Eigentum der Mercure-Kette, die den Plattenbau sanieren und auf den nun üblichen Ausstattungsstandard umbauen ließ.

Das Hotel befindet sich an der Langen Brücke auf einem Teil des barocken Lustgartens gegenüber dem Potsdamer Stadtschloss. Das Hochhaus steht mit seiner kantigen Grundform und der Höhe von 60 Metern im Kontrast zum nahen Kirchturm der Kirche St. Nikolai.

Der Abriss des Hotels Mercure bleibt seit einem Beschluss von 2016 als Sanierungsziel für den Lustgarten bestehen.[1][2]

Geschichte und Konzeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interhotel Potsdam und der erhaltene Teil der Ringerkolonnade, 1969.[3]

Der Vorsitzende des DDR-Staatsrats Walter Ulbricht gab 1967 den Auftrag, eine „sozialistische Stadtkrone“ in Potsdam zu bauen.[4] Das Hotelgebäude wurde als Prestigebau durch ein Architektenkollektiv unter der Leitung von Sepp Weber verwirklicht und sollte höchsten internationalen Standards entsprechen. Für die Fertigstellung kamen einige Baugeräte aus dem kapitalistischen Ausland zum Einsatz.[5] Das Haus bietet über 420 Gästezimmer in 17 Etagen und wurde als erstes Hotel der DDR mit 20 Fernsehern ausgerüstet. Prominente wie Karlheinz Böhm, Audrey Landers und Zsa Zsa Gabor waren hier Gäste. Für besondere Besucher stellte das Hotel auf Wunsch eine hauseigene Motoryacht zur Verfügung.[6] Auf der Speisekarte des Hotelrestaurants standen neben regionaltypischen Gerichten auch russische und jugoslawische Spezialitäten.[7]

Bis zum Ende der DDR war der FDGB Hauptnutzer, der hauptsächlich Urlauber hier unterbrachte. Nach der deutschen Wiedervereinigung und der Auflösung der zentralen Gewerkschaftsorganisation erwarb die neu gegründete Interhotel AG den Gebäudekomplex. 1992 wurde das Hotel an die Mercure-Kette für zwanzig Jahre verpachtet und bei seiner Wiedereröffnung nach den Umbauarbeiten in Mercure Hotel Berlin Potsdam umbenannt. Eigentümer der Immobilie ist seit Beginn des 21. Jahrhunderts die US-amerikanische Investmentgesellschaft Blackstone Group, von der es Hotelbetreiber Accor gepachtet hatte.[8]

Perspektiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht des Hotels vom Südostufer der Havelbucht,
rechte Seite zeigt die Spitze der Freundschaftsinsel
Blick vom Turm der Kirche St. Nikolai über das Stadtschloss hinweg zum Mercure.

Das Hotel wurde bis Ende 2012 von der Accor-Gruppe selbst betrieben, die vor Ablauf des Pachtvertrags Ende 2012 frühzeitig erklärte, das Hotel nicht selbst fortführen zu wollen. Im Zuge des in unmittelbarer Nachbarschaft des Hotels erfolgten Neubaus des Potsdamer Landtags in der äußeren Gestalt des ehemaligen Stadtschlosses, dessen Kriegsruine 1959/1960 durch die DDR-Führung gesprengt wurde, wurde von verschiedener Seite der Abriss des Plattenbauhochhauses gefordert.[9] Der Softwaremilliardär Hasso Plattner wollte zunächst am Standort des Hotelhochhauses eine niedriggeschossige Kunsthalle bauen, nahm dann jedoch Abstand, nachdem seine Pläne in Potsdam nicht nur Befürwortung fanden.[10][11][8] Die Ausstellung wird nun im rekonstruierten Museum Barberini am Alten Markt gezeigt.

Ende 2012 hatte der Eigentümer Blackstone entschieden, das Hotel als Franchisenehmer von Accor für die nächsten 10 Jahre selbst zu betreiben.[12][13] Mitte 2013 wurde jedoch bekannt, dass Blackstone beabsichtigt, das Mercure in Kürze zu verkaufen und die Betreibergesellschaft des Hotels insolvent ist. Nachdem der Potsdamer Oberbürgermeister zwischenzeitlich bereits die Absicht geäußert hatte, den Lustgarten ins Sanierungsgebiet am Alten Markt einzubeziehen, plante die Stadtverwaltung zwischenzeitlich den Kauf und Abriss des Hochhauses, um die entstehende Freifläche wieder an den Lustgarten anzugliedern und somit das historische Umfeld des äußerlich rekonstruierten Stadtschlosses (Landtagsgebäude) mit den alten Blickbeziehungen wiederherzustellen. Dies ist in der Potsdamer Bürgerschaft jedoch umstritten, was vor allem bei der Abstimmung zum Bürgerhaushalt 2015/16 deutlich wurde: Kein Kauf und Abriss des Hotels Mercure kam auf den zweiten Platz.[14]

Ende Mai 2016 wurde bekannt, dass das Hotel zusammen mit acht weiteren ehemaligen DDR-Interhotels und einigen Hotels in Frankreich an die Firma FDM Management, ein Gemeinschaftsunternehmen einer Tochter der französischen Immobiliengesellschaft "Reits Foncière des Régions" und verschiedener französischer Versicherungen, verkauft wurde.[15][16] Was diese Transaktion für die Zukunft des "Mercure"-Hotels bedeutet, ist derzeit nicht absehbar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörg Fröhlich: Ein Hotel im Lustgarten von Potsdam: Das Interhotel Potsdam in historischer Umgebung von 1967 bis heute. 3. Auflage. BoD – Books on Demand, 2015, ISBN 978-3-8482-2854-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Atreju Allahverdy / Christian Klusemann: Interhotel Potsdam (Hotel Mercure), in: Christian Klusemann (Hrsg.): Das andere Potsdam. DDR-Architekturführer. 26 Bauten und Ensembles aus den Jahren 1949 - 1990, Berlin 2016, S. 129–139.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hotel Mercure, Potsdam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marco Zschieck: "Wiese des Volkes" bleibt das Ziel. Potsdamer Neueste Nachrichten, 23. August 2019, abgerufen am 9. Juli 2020.
  2. Abriss des „Mercure“ bleibt Ziel in der Potsdamer Mitte. Märkische Allgemeine, 12. November 2019, abgerufen am 9. Juli 2020.
  3. Quelle: Bundesarchiv. Originale Bildunterschrift aus der DDR-Zeit: Die von G. W. Knobelsdorff geschaffenen Kolonnaden - ehemals Schmuck des Potsdamer Stadtschlosses - Reste preußischer „Herrlichkeit“, bilden einen interessanten Kontrast zum modernen Interhotel Potsdam, Zeugnis der Aufbauleistungen der DDR-Bewohner.
  4. Sabine Schicketanz: Plattners Rückzug ins Grüne. In: Der Tagesspiegel, 6. Juni 2012
  5. Hella Kaiser: Wir hatten auch eine Blumenfee. In: Der Tagesspiegel, 8. November 2009
  6. Bettina Seipp: Was aus den Hotels des Sozialismus wurde, In: Die Welt, 26. Oktober 2009
  7. Kurzinfo zur Versorgungslage auf ddr-wissen.de
  8. a b Katrin Starke: Potsdam sind im Fall "Hotel Mercure" die Hände gebunden In: Berliner Morgenpost, 12. Mai 2012
  9. Guido Berg: 17 Etagen abtragen. In Potsdamer Neueste Nachrichten, 10. Januar 2009
  10. Kathrin Bischoff: Ein Konkurrent für das einstige Interhotel. In Berliner Zeitung, 14. April 2012
  11. Guido Berg: DDR-Architektur. Accor verhandelt über Mercure-Hotel.In Potsdamer Neueste Nachrichten, 29. März 2012
  12. Guido Berg: Zehn-Jahres-Vertrag. „Mercure“ bleibt stehen. In: Potsdamer Neueste Nachrichten, 13. September 2012
  13. Bestand statt Abriss (Memento des Originals vom 19. April 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/epaper.media-guides.de (PDF; 11,8 MB); Leserzuschrift im Preußen Spiegel Potsdam vom 12. Dezember 2012
  14. Votierung Bürgerhaushalt 2015/16; abgerufen am 19. Nov. 2014
  15. http://www.pnn.de/potsdam/1079235/ HINTERGRUND Monopoly ums Mercure; abgerufen am 20. Juni 2016
  16. FDM Management: €936 million in new hotel investments PRESS RELEASE 20 May 2016