Mieczysław Pemper

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Mieczysław "Mietek" Pemper (2005)

Mieczysław „Mietek“ Pemper (* 24. März 1920 in Krakau; † 7. Juni 2011 in Augsburg) war ein deutsch-polnischer KZ-Häftling im KZ Plaszow, das unter der Leitung von Amon Göth stand.

Als Häftling wurde ihm die Position des persönlichen Schreibers eines KZ-Lagerkommandanten zugewiesen, was einen einzigartigen Sonderfall im gesamten KZ-Lagersystem darstellte. Er konnte durch seine Tätigkeit in Göths Büro bei dessen Abwesenheit und der der deutschen Sekretärin Einblicke in geheime Unterlagen der SS erhalten, so dass er Oskar Schindler wichtige Informationen zukommen lassen konnte und später ein bedeutender Zeitzeuge wurde.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der jüdische Deutsch-Pole Mietek Pemper wurde mit seiner Familie 1941 im „jüdischen Wohnbezirk“ in Podgórze eingesperrt, der in der Nachkriegszeit Krakauer Ghetto genannt wurde. Im März 1943 wurde er als Häftling in das Konzentrationslager Plaszow (deutsch: Plaschau) weiter deportiert, wo er bis September 1944 gefangen blieb.

Pemper im April 1940

Fast während seiner gesamten Zeit im KZ war er aufgrund seiner mehrsprachigen Kurzschrift-Kenntnisse als persönlicher Stenograph des Lagerkommandanten Amon Göth tätig. Wie sich später beim Prozess gegen Gerhard Maurer herausstellte, war dies eine einzigartige Sonderstellung: In keinem anderen KZ war es vorgekommen, dass ein Häftling Schreiber des Lagerkommandanten sein durfte.[1]

Diese einzigartige Situation sollte die besondere Zusammenarbeit mit Schindler ermöglichen. Um Bestrafungen für Rechtschreibfehler bei Namen zu entgehen, nahm Pemper regelmäßig Einblick in Kohlepapierblätter der deutschen Sekretärin Göths für geheime Unterlagen. Darunter befand sich Schriftverkehr der SS und des Regimes. Er entdeckte den Befehl zur Auflösung aller Lager mit so genannter nicht kriegswichtiger Produktion, der einige Monate, nachdem Generalfeldmarschall Friedrich Paulus in Stalingrad kapituliert hatte, gegeben wurde. Pemper konnte die Information an den Fabrikbesitzer Oskar Schindler und dessen jüdischen Buchhalter Itzhak Stern weiterleiten. Unter anderem ermöglichte er Schindler dadurch die rechtzeitige Umstellung der Produktion von Küchengeschirr aus Blech in die Produktion von Granatenhülsen. Als Rüstungsbetrieb erhielt er von der SS die Genehmigung, die Firma mit den Häftlingen nach Mähren zu verlegen. In das dort neu errichtete KZ-Außenlager Brünnlitz durfte Schindler 1200 jüdische Häftlinge mitnehmen, um die kriegswichtige Produktion weiterzuführen.

Als Göth im September 1944 wegen Unterschlagung von Wertsachen verhaftet wurde, konnte Schindler auch Pemper als Zwangsarbeiter in seine Fabrik übernehmen und ihn damit vor der Ermordung retten.

Nach der Zerschlagung des Nazi-Regimes nahm Pemper in Polen ein Studium der Soziologie auf und erreichte den Magister-Grad in Ökonomie. Er pflegte außerdem seine kranke Mutter und arbeitete als Dolmetscher bei den Kriegsverbrecher-Prozessen in Polen, so beim Krakauer Auschwitzprozess. Bei einigen dieser Gerichtsverhandlungen sagte er auch als Zeuge aus, insbesondere war er Hauptzeuge im Prozess gegen Amon Göth.

1958 übersiedelte Pemper aus Polen nach Süddeutschland und war in Augsburg als Unternehmensberater tätig. Der Augsburger Ehrenbürger starb am 7. Juni 2011 im Klinikum Augsburg.[2]

Auf dem Gelände der ehemaligen Sheridan-Kaserne im Augsburger Stadtteil Pfersee ist seit März 2012 ein Weg nach ihm benannt.

Zeitzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pempers Berichte dienten unter anderem dem Regisseur Steven Spielberg als Grundlage seines 1993 veröffentlichten Films Schindlers Liste, durch den weltweit über 100 Millionen Menschen von der Rettungsaktion erfuhren. Die Tätigkeiten Pempers und Sterns hat Spielberg aus dramaturgischen Gründen in der Figur des Schindler-Buchhalters zusammengefasst, so dass Pempers Anteil weniger bekannt wurde.

Erst durch die Aufarbeitung seiner Lebensgeschichte für Spielberg konnte sich Pemper in späteren Jahren dazu überwinden, auch in Schulklassen und bei Vorträgen sein Schicksal zu erzählen. Zusammen mit Viktoria Hertling und Marie Elisabeth Müller veröffentlichte er 2005 seine Erinnerungen in dem Buch Der rettende Weg. Schindlers Liste – Die wahre Geschichte.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mietek Pemper: Der rettende Weg. Schindlers Liste – Die wahre Geschichte. Aufgezeichnet von Viktoria Hertling und Marie Elisabeth Müller. Hoffmann und Campe, Hamburg 2010 (erstmals 2005). ISBN 978-3-455-50183-4. (Rezensionen bei perlentaucher.de)
  • Andrea Löw, Markus Roth: Juden in Krakau unter deutscher Besatzung 1939–1945. Wallstein, Göttingen 2011

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Steven Spielberg: Schindlers Liste (1993, Filmdrama)
  • Filmdokumentation zu Schindlers Firma, seinen Rettungs-Aktivitäten und seiner Kenntnis der Hintergründe:
Kathrin Sänger, die Regisseurin von Schindlers Liste - Eine wahre Geschichte reiste in den 2010er Jahren für Spiegel-TV nach Israel, um die letzten Überlebenden, die in Oskar Schindlers Fabrik gearbeitet hatten, zu interviewen.[6] Sie interviewt Ignaz und Rena Birnhack, Mietek Pemper (Filmrolle des Itzhak Stern, Stenograf von Göth) und Helen Jonas-Rosenzweig (Rolle der Helene Hirsch; als 17-jährige Haushaltssklavin bei Göth, genannt Susanne), Bornislawa Horowitz Karakulska, Moshe Bejski.
U. a. wird von ihnen erzählt, wie es Schindler gelang 300 bereits nach Auschwitz abtransportierte Frauen ca. 14 Tage später wieder zurückzuholen. Es sei der einzige derart große Häftlings-Transport aus Birkenau heraus gewesen. Als die Rote Armee 1945 auf Brünnlitz vorrückt, kann er mit Hilfe "seiner" Juden aus der Tschechoslowakei wenige Stunden vor deren Ankunft fliehen. Sie und er wussten: Falls die Russen ihn, den Nazi und Fabrikdirektor erwischen, würden sie ihn erhängen, noch bevor er etwas sagen könnte. Die bisherigen Sklavenarbeiter schützen ihn durch eine ihn bis nach Bayern begleitende Gruppe. Auch von seinen Besuchen in Israel wird berichtet: zweimal jährlich fährt der verarmte Schindler aus Deutschland quasi zur Erholung für einige Wochen nach Israel auf die Einladung seiner "Kinder" hin, wie er seine früheren "Angestellten" nennt. Sein Umgang mit für ihn gesammeltem Geld wird thematisiert.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mietek Pemper – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mietek Pemper im Interview, 28. April 2007
  2. Augsburger Allgemeine vom 8. Juni 2011: Oskar Schindlers Gefährte Mietek Pemper ist tot, abgefragt am 10. Juni 2011
  3. Sheridanpark-Weg wird Mietek Pemper gewidmet
  4. Mietek-Pemper-Forschungspreis der Universitätsstiftung Augsburg
  5. Mieczyslaw-Pemper-Preis für zwei Studien über den Nationalsozialismus (Memento vom 16. Dezember 2011 im Internet Archive)
  6. Kathrin Sänger: Schindlers Liste - Eine wahre Geschichte. Fernseh-Dokumentation. Deutschland, 105 Min, 2014. (SPIEGEL TV, Die Samstags-Dokumentation Filminformationen bei dokumentarfilm.info, aufgerufen 22. Januar 2017)
  7. ZDF-Seite mit Informationen und Link zu einer 45-Minuten-Version des Films, ausgestrahlt 22. Januar 2017