Milla Baldo Ceolin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Massimilla „Milla“ Baldo Ceolin, auch Baldo-Ceolin, (* 12. August 1924 in Legnago; † 25. November 2011 in Padua[1]) war eine italienische experimentelle Teilchenphysikerin. Sie war seit 1964 Professorin an der Universität Padua und damit deren erste Lehrstuhlinhaberin.

Baldo Ceolin machte 1952 ihren Laurea-Abschluss in Physik an der Universität Padua. Sie begann mit Ballonexperimenten zur Kosmischen Strahlung und arbeitete dann am Bevatron in Berkeley, wo sie 1958 mit D. J. Prowse das Anti-Lambda-Teilchen entdeckte,[2] das erste Antiteilchen-Hyperon, das gefunden wurde. Außerdem untersuchte sie das Kaon-Antikaon-System. Damals arbeitete sie noch mit Kernemulsionen als Detektoren. 1958 habilitierte sie sich in Rom (Libera Docenza) und wurde Assistenzprofessorin in Padua. In den 1960er Jahren untersuchte sie das Kaon-System und dessen Symmetrien mit Blasenkammern am Argonne National Laboratory, dem CERN und am ITEP in Moskau.[3]

In den 1970er Jahren wandte sie sich der Neutrinophysik zu. Im NUE Experiment am CERN untersuchte sie mit der Gruppe von Helmut Faissner (Aachen) und mit Funkenkammern als Detektoren elastische Streuung von Neutrino und Antineutrino an Elektronen und ermittelte einen Wert für den Weinbergwinkel.[4] Außerdem war sie Teil einer italienisch-französisch-niederländisch-norwegischen Kollaboration am Super Proton Synchrotron (SPS) des CERN, das neutrale und geladene schwache Ströme an freien Protonen und Neutronen untersuchte. 1976 schlug sie ein Experiment zur Beobachtung von Elektron-Muon-Neutrino-Oszillationen vor, das ein paar Jahre später umgesetzt wurde, aber keine Oszillationen entdecken konnte, für diese aber obere Schranken angab. Sie setzte die Suche als Leiterin der italienischen Gruppe der NOMAD Kollaboration in den 1990er Jahren am CERN fort.[5] Am Institut Laue-Langevin suchte sie nach Neutron-Antineutron-Oszillationen.[6] Sie unterstützte die Entwicklung des ICARUS-Experiments und dessen Installation im Gran Sasso Labor.

In Padua war sie 1965 bis 1968 Leiterin der dortigen Sektion des Istituto Nazionale di Fisica Nucleare (INFN) und 1973 bis 1978 Leiterin der Physik-Fakultät. 1988 initiierte sie die Reihe internationaler Workshops zu Neutrinoteleskopen am Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti. 1998 emeritierte sie in Padua (Professor Emeritus).

2007 erhielt sie den Premio Enrico Fermi, 1976 den Feltrinelli-Preis. 1995 erhielt sie die Goldmedaille Benemeriti della Scienza e della Cultura und 1978 die Goldmedaille Benemeriti della Scuola, della Cultura e dell’Arte.

Sie war Mitglied der Accademia dei Lincei (1987), der Accademia Galileiana di Scienze, Lettere ed Arti (1966), und des Istituto Veneto (1977).

Sie war Koordinatorin des europäischen Forschungsnetzwerks Neutrino Oszillationen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Giulio Peruzzi: Milla Baldo Ceolin, la signora dei neutrini (Scienzainrete, 8. Dezember 2011, italienisch, abgerufen 28. Dezember 2012)
  2. Baldo Ceolin, Prowse Anti-Lambda Hyperon, Phys. Rev. Lett., Band 1, 1958, S. 179
  3. Baldo-Ceolin, W. F. Fry u.a. Experimental Test of the Selection Rule Delta S = Delta Q, Phys. Rev. Lett., Band 8, 1962, S.132, Abstract
  4. Baldo-Ceolin u.a. Measurement of Muon-Neutrino and Antineutrino Scattering off Electrons, Phys. Rev. Lett., Band 41, 1978, S. 213-216
  5. P. Astier u.a. (NOMAD Collaboration) Limit on electron neutrino- tau neutrino Oscillations from the NOMAD Experiment Phys. Lett., B 471, 406-410, Abstract
  6. Baldo-Ceolin u.a. A New Experimental Limit on Neutron-Antineutron Oscillations, Zeitschrift für Physik C, Band 63, 1994, S.409-416