Mitovirus

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Mitovirus
RdRp and RNA genome.png

Die Mitoviren haben kein Kapsid und keine
Virus­hülle, RNA-Genom und RdRp bilden
einen nackten Ribo­nukleo­protein-Komplex

Systematik
Klassifikation: Viren
Realm: Riboviria[1]
Reich: Orthornavirae[2]
Phylum: Lenarviricota
Klasse: Howeltoviricetes
Ordnung: Cryppavirales
Familie: Mitoviridae
Gattung: Mitovirus
Taxonomische Merkmale
Genom: (+)ssRNA linear
Baltimore: Gruppe 4
Symmetrie: ohne Kapsid
Hülle: keine
Wissenschaftlicher Name
Mitovirus
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Mitovirus ist eine Gattung von Einzelstrang-RNA-Viren, monotypisch in der Familie der Mitoviridae. Die Gattung war früher zweites Mitglied der Familie Narnaviridae (neben der Gattung Narnavirus), wurde aber vom International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV) in eine eigene Familie, Ordnung und Klasse ausgegliedert, da trotz ähnlich einfacher Morphologie die phylogenetischen Beziehungen weitläufiger sind als zunächst angenommen. Es gibt (mit Stand Juni 2021) fünf vom ICTV bestätigte Arten (Spezies) in dieser Gattung.[3][4]

Als natürliche Wirte dienen Pilze, was die Vertreter dieser Gattung als Mykoviren klassifiziert.[3]

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitoviren (im Sinn von Mitgliedern der Gattung Mitovirus) haben weder Strukturproteine noch ein Kapsid. Sie haben daher kein echtes Virion.[3]

Genom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genomkarte der Gattung Mitovirus

Das Genom der Mitoviren ist nicht segmentiert (monopartit) und besteht aus einem Einzelstrang-RNA-Molekül mit positiver Polarität. Es hat einen Offenen Leserahmen (en. open reading frame, ORF), der für die RNA-abhängige RNA-Polymerase (RdRp) kodiert. Das Genom ist mit der RdRp im Zytoplasma des Wirtspilzes assoziiert und bildet einen nackten Ribonukleoprotein-Komplex.[5]

Replikationszyklus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Replikation erfolgt im Zytoplasma. Sie folgt dem üblichen Modell der Replikation positiv-strängiger RNA-Viren; gleiches gilt für die Transkription. Als natürliche Wirte dienen Pilze. Das Virus verlässt die Wirtszelle durch eine Bewegung von Zelle zu Zelle. Die Übertragungswege sind vertikal (auf die Nachkommen des Wirts) und sexuell.[3]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innere Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt derzeit (Stand Mitte Juni 2021) fünf bestätigte Spezies in der Gattung Mitovirus,[2][4] dazu kommt eine große Anzahl von Vorschlägen:

  • Spezies Ophiostoma mitovirus 4
  • Spezies Ophiostoma mitovirus 5
  • Spezies Ophiostoma mitovirus 6
  • Spezies Ophiostoma mitovirus 3a

Vorschläge nach NCBI (Stand 17. Juni 2021, Auswahl):[6]

  • Spezies „Thrips tabaci associated mitovirus 1
  • Spezies „Thrips tabaci associated mitovirus 2
  • Spezies „Thrips tabaci associated mitovirus 3
  • Spezies „Tuber aestivum mitovirus
  • Spezies „Tuber excavatum mitovirus
  • Spezies „Valsa cypri mitovirus
  • Spezies „Valsa malicola mitovirus 1
  • Spezies „Valsa malicola mitovirus 2

Diese Kandidaten werden beim NCBI zwar provisorisch als Spezies geführt, können sich aber unter Umständen lediglich als Stämme bereits bekannter oder (zusammen mit anderen) neuer Spezies erweisen.

Anmerkung: Die Namensgebungen weisen nicht alle auf Pilze hin. Entweder parasitieren die betreffenden Kandidatenmitglieder andere Eukaryoten (etwa Stechmücken): Bei Genomsequenzen aus der Metagenomik besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass sie deswegen mit diesen vergesellschaftet (assoziiert) sind, weil ihr Wirt ein Pilz ist, der mit diesen Tieren, Pflanzen usw. in einer symbiotischen (vielleicht parasitären) Beziehung steht und auf oder in diesen lebt. Diese Frage ist in den betreffenden Fällen daher noch zu klären.[7]

Äußere Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwar gibt es mit dem derzeitigen Stand vom 18. Juni 2021 in den Mitoviridae außerhalb der Gattung Mitovirus keine bestätigten Gattungen oder Spezies, das NCBI listet jedoch folgende Kandidaten:[8]

  • Spezies „Soybean thrips mito-like virus 1“ (Soya-Thripse Neohydatothrips variabilis, Thripidae)
  • Spezies „Soybean thrips mito-like virus 2

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ICTV Master Species List 2018b.v2. MSL #34, März 2019.
  2. a b ICTV: ICTV Master Species List 2020.v1, New MSL including all taxa updates since the 2019 release, March 2021 (MSL #36)
  3. a b c d Viral Zone. ExPASy. Abgerufen am 15. Juni 2021.
  4. a b Virus Taxonomy: 2020 Release. International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV). März 2021. Abgerufen am 15. Juni 2021.
  5. Viral Zone. ExPASy. Abgerufen am 15. Juni 2021.
  6. NCBI: unclassified Mitovirus (list)
  7. Joseph R. Fauver, Shamima Akter, Aldo Ivan Ortega Morales, William C. Black IV, Americo D. Rodriguez, Mark D. Stenglein, Gregory D. Ebel, James Weger-Lucarelli: A reverse-transcription/RNase H based protocol for depletion of mosquito ribosomal RNA facilitates viral intrahost evolution analysis, transcriptomics and pathogen discovery, in: Virology, Band 528, Februar 2019, S. 181–197, doi:10.1016/j.virol.2018.12.020
  8. NCBI: unclassified Mitoviridae (list)

External links[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]