Mobike

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Mobike

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Rechtsform
Gründung April 2016
Sitz Shanghai, China,
u. a. Filialen in Italien, England, Deutschland
Branche Fahrradvermietung
Website mobike.com/de

Mobike
ohne Gepäckkorb (in China fotografiert)

Mobike ist ein chinesisches Unternehmen, das weltweit Fahrradverleihsysteme betreibt. Im Jahr nach der Gründung konnte die taiwanesische Firma Foxconn als Geldgeber gewonnen werden. Im Sommer 2018 war Mobike in rund 200 Städten in 15 Ländern aktiv,[1] seit Dezember 2017 auch in Berlin als erster deutschen Stadt.[2]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 2016 in Shanghai von der Journalistin Hu Weiwei als Start-up-Unternehmen gegründet.[3]

Internationale Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz starker Konkurrenz anderer schon seit mehreren Jahren agierender Mietfahrradanbieter in den Industrieländern erfolgte eine schnelle weltweite Verbreitung der Mobike-Räder. Im Ursprungsland gab es innerhalb kürzester Zeit 4,5 Millionen Mobike-Räder in rund 80 Städten. Die erste nicht-asiatische Stadt, in der Mobike startete, war Manchester: am 29. Juni 2017 wurden die ersten 1000 Fahrräder im Ort verteilt. Das war weltweit bereits der 100.ste Standort.[4] In Mailand, Florenz, London und weiteren 196 Städten gibt es inzwischen Tochterunternehmen (Stand Ende Februar 2018) mit damals acht Millionen Fahrrädern. Laut Firmenphilosophie ist eine enge Kooperation mit den jeweiligen Stadtverwaltungen geplant.[2]

In Berlin eröffnete im Dezember 2017 das Tochterunternehmen Mobike Deutschland. Es steht unter Leitung des Generalmanagers, dem Australier Jimmy Cliff. Es arbeitet ohne feste Verleihstellen (genannt free floating oder free float systems) und stellte zunächst 700 Zweiräder, verteilt auf mehrere Berliner Innenstadtbereiche, auf. Damit wurde Mobike sofort zum größten Anbieter in der deutschen Hauptstadt.[5] Per Februar 2018 stehen nun schon mehr als 3500 Fahrräder bereit, gefolgt von Lidl Bikes. Im Februar beschäftigte Mobike Deutschland 20 Mitarbeiter, bis Juni 2018 sollen es 40 sein.[2] Diese kümmern sich vor allem um die Kontrolle des technischen Zustandes der Fahrräder, die Verwaltung der Kundendaten und ggf. um eine Umsetzung. Mobike Deutschland verfolgt das Ziel, langfristig in den zehn größten deutschen Städten präsent zu sein. Konkrete Nahziele im Sommer 2018 sind die Verteilung von Rädern in Köln und Düsseldorf, danach werden Verhandlungen mit der Stadtverwaltung Frankfurt am Main geführt. Bis zum offiziellen Beginn in den Städten müssen seitens des Unternehmens Serviceteams aufgebaut und Lagerhallen für die Räder bzw. deren Reparatur angemietet werden.[1] In Hannover ist das System seit Spätsommer 2018 in Betrieb.

Finanzielle Schwierigkeiten und Verkauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausrangierte Räder in Peking

Insgesamt standen den Nutzern im Spätsommer 2018 weltweit neun Millionen Räder zur Verfügung.[1] In seinem Heimatmarkt, China, hatte Mobike trotz vieler Nachahmer zusammen mit seinem Konkurrenten Ofo einen Marktanteil von 90 % erreichen können und hatte eine Finanzierung von über US$ 600 Mio. des chinesischen Internetgiganten Tencent erhalten; trotzdem verlor das Unternehmen täglich bis zu Yuan 16. Mio.; Schuld waren eine überhastete Expansion, ein Preiskrieg im Heimatmarkt sowie verbreiteter Vandalismus an den Rädern. Im April 2018 wurde das Unternehmen schließlich von der Firma Meituan Dianping, einem Internetdienstleister, erworben.[6]

Rückzug aus Märkten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2019 bestätigte Mobike dass sich die Firma aus verschiedenen Ländern in Asien und der Pazifikregion zurückziehen wird; die Präsenz in Europa und Lateinamerika solle aber fortgeführt werden. TechCrunch vermutet daher, dass die Strategie von Meiutan eine Fokussierung auf den chinesischen Heimatmarkt vorsieht.[7]

Die Fahrräder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die anfangs in Berlin aufgestellten Fahrräder sind mit Aluminium-Rahmen und mit Vollgummireifen ausgestattet, die auf 24er Felgen aufgezogen sind. Mit diesen fest verbunden ist ein Fünfspeichen-Rad aus einer Magnesium-Legierung, das seitlich auf einer der Achsen sitzt.

Fünfspeichenrad, kleiner Spritzschutz, Rücklicht, Scheibenbremse und Schloss

Die übliche Vorderradgabel ist durch eine leicht gefederte „halbe“ Gabel ersetzt, das Hinterrad ist ebenfalls asymmetrisch auf der Achse angebracht. Als Antrieb dient eine voll gekapselte Antriebswelle, die im Rohr zwischen Tretlager und Hinterachse untergebracht ist. Das Hinterrad wird per Scheibenbremse, das Vorderrad mittels einer Trommelbremse gebremst. Unterhalb des Lenkers ist ein fest mit dem Rahmen verbundener Gepäckkorb für eine Last von maximal 5 kg montiert, entweder schwarz oder orange lackiert. In manchen Ausführungen befinden sich im Korb ein aufklappbarer Getränkehalter und eine Gummiunterlage für kleine Teile. Schutzbleche, wie sie üblicherweise über den Rädern angebracht sind, sind hier an den Rahmenteilen angebrachte minimalistische etwa Hand-lange Plastikteile, die vor Spritzern in Laufrichtung schützen. Die Höhenverstellung ist mittels eines Schnellspannsystems möglich, das aber nur funktioniert, wenn ein Rad entsperrt ist. Die Lebensdauer der Fahrräder wird mit vier bis fünf Jahre angegeben, konnte aber bisher nur bei Labortests ermittelt werden.[2]

Das Rad verfügt über keine Gangschaltung und ist deshalb eher nur für kurze Strecken zu empfehlen.[8]

Die Grundfarben der Fahrräder sind silber für alle Rahmenteile und orange-rot für Räder samt Flachspeichen und dem markanten Schriftzug auf dem vorderen Rahmenteil.

Die Freischaltung der Velos erfolgt über das Einscannen eines QR-Codes vom Schloss oder vom Lenkerkopf. Das GPS-fähige Schloss ist mit einem unternehmensinternen Netzwerk verbunden, womit auch der Zustand und der Standort des Fahrrads jederzeit überwacht werden kann.[3]

Neben den bisher in Berlin aufgestellten Fahrrädern mit kleinen Raddurchmessern kamen ab Sommer 2018 auch 26er-Räder in das Angebot. Ebenfalls im Sommer 2018 wollte Mobike Deutschland auch E-Bikes zur Ausleihe anbieten.[2] Diese sollen vor allem Interessenten für etwas längere Strecken (zwischen fünf und zwanzig Kilometer) und ältere Nutzer ansprechen.[1]

Mietsystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einmalige Registrierung erfolgt per App oder über das Internet und wird mittels einer SMS freigeschaltet. Die Ausleihe und Rückgabe erledigt der Interessent dann ebenfalls per App. Als Grundregel gilt, dass die Fahrräder nicht auf Fahrradwegen, nicht in Einfahrten, Innenhöfen, öffentlichen Parkanlagen oder Parkhäusern oder nicht an Stellen abgestellt werden, die andere Personen behindern könnten. Empfohlen werden Fahrradabstellanlagen und gut sichtbare Straßenkreuzungen. Die registrierten Nutzer erhalten nach Aufladung einen persönlichen Kredit, verbunden mit einem Punktekonto von mehreren hundert Punkten. Hält er sich nicht an die Grund-Verhaltensregeln, werden ihm Punkte abgezogen. Bei weniger als 100 Punkten wird sein Kundenkonto gesperrt. Geplant sind markierte Sammelstationen oder spezielle Fahrradplätze, sogar Fahrradparkhäuser, bei deren Nutzung der Ausleiher Punktegutschriften erhalten soll.[2]

Folgende Durchschnittskosten entstehen für die Nutzer (Stand im Frühjahr 2018): Bei der Anmeldung sind einmalig 2 Euro zu bezahlen. In Berlin werden für jeweils 20 Minuten 50 oder 100 Cent fällig, je nach Fahrrad. Der konkrete personifizierte Mietpreis richtet sich nach der selbst wählbaren Höhe für einen Mobike-Kredit. Nach der Registrierung sind die ersten 30 Minuten kostenlos. Nach Unternehmensangabe gab es Ende Februar 2018 bereits mehrere tausend registrierte Nutzer in Berlin[2] und „das Geschäftsmodell ist profitabel“[1].

Im Jahr 2017 vergab das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP an Mobike die Auszeichnung Champion of the Earth 2017 und würdigte damit den Beitrag des Unternehmens „zur Weiterentwicklung von kohlenstoffarmen öffentlichen Verkehrsmitteln“.[9]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freies Abstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dass Mobike ohne feste Mietstationen arbeitet und damit die Räder an jeder Stelle der Stadt abgestellt werden können, sehen einige Kritiker als bedenklich an, sie fordern „umsetzbare Regelungen für ein geordnetes Abstellen der Fahrräder sowie staatliche Gebühren“, denn eigentlich sei das beliebige Abstellen der „Drahtesel“ eine Sondernutzung öffentlichen Straßenlandes. Der Deutschlandchef findet dagegen, dass wir „eine Krise (haben): zu viel Verkehr. Fahrräder sind die stärkste Waffe, die wir haben“. Sie seien umweltverträglich und nachhaltig und bilden damit einen Anreiz, irgendwann auf das Auto zu verzichten.[2]

Umweltschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die oben genannte Auszeichnung Champion of the Earth 2017 führte dazu, dass die deutsche ZEG Fahrradeinkaufsgenossenschaft im Dezember 2017 aus der UN-Initiative Global Compact (UNGC) austrat, weil sie das unkontrollierte Ausbreiten von Billigfahrrädern umwelt-unverträglich findet.[9]

Datenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Frage des Datenschutzes heißt es von Mobike, dass eine Auswertung erfolgt, um eine stetige Verbesserung der Angebote vornehmen zu können, aber „ein Verkauf von personenbezogenen Daten an Dritte sei nicht vorgesehen“.[9]

Im Dezember 2018 veröffentlichte ein schwedischer Datenschutzaktivist eine ausführliche Kritik der Datenschutzgrundsätze des Unternehmens.[10] Mobike behalte sich vor, die exakte Position des Endgeräts von Nutzern nicht nur während Fahrten, sondern immer wenn die App im Vorder- oder Hintergrund läuft, zu übermitteln. Die Weitergabe von Daten sei durch die Datenschutzerklärung in keiner Weise beschränkt, die Übermittlung der Daten nach China ein DSGVO-Verstoß. Sammlung und Analyse der von Mobike erhobenen Daten erlaube der chinesischen Regierung die Erstellung detaillierter Verhaltensprofile europäischer Bürger.

Im Dezember 2018 leitete der Berliner Beauftragte für Datenschutz ein Prüfverfahren ein.[11]

Social Scoring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritisiert wird auch das Mobike Credit-System, mit dem das Nutzerverhalten bewertet wird. Abzüge von diesem für jeden Nutzer vergebenen Punktwert gibt es u. a. wegen falschen Abstellens der Räder und Verstößen gegen Verkehrsregeln, Pluspunkte für das Melden von Verstößen. Sinkt der Punktwert eines Nutzers auf Null wird das Konto gesperrt. Neben der für das Scoring notwendigen Überwachung der Nutzer bestehe die Gefahr einer Förderung des Denunziantentums.[12]

Datenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Angaben des Deutschland-Chefs von Mobike werden die personenbezogenen Daten der registrierten Mietinteressenten für die Fahrtenabrechnung und interne personalisierte Werbung verwendet, man wolle die Daten aber nicht verkaufen. Ausgewertet werden für unternehmerische Optimierungen unter anderem: die Länge der gefahrenen Strecken, die Nutzungshäufigkeit, bevorzugte Orte.[1] Mit diesen verallgemeinerten Daten können die Verkehrsplanungen verbessert werden: welche Straßen werden besonders häufig benutzt, wo gibt es deutliche Verkehrsströme? Das soll langfristig auch zur Verbesserung der Fahrradinfrastruktur beitragen.[2][13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mobike – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Frank Thomas Wenzel: Interview mit Mobike-Chef „Mit dem Rad ist man in Berlin schneller“. In: Berliner Zeitung. 14. August 2018, S. 6, abgerufen am 25. Januar 2019.
  2. a b c d e f g h i Peter Neumann: Mobike-Chef: Fahrräder sind die stärkste Waffe, die wir haben. In: Berliner Zeitung. 27. Februar 2018, S. 11, abgerufen am 25. Januar 2019.
  3. a b Mobike will den Leihfahrrad-Markt in Berlin erobern auf ngin.mobiligty.com, abgerufen am 27. Februar 2018.
  4. Chinesische Leihräder mit QR-Code sollen Europa erobern, abgerufen am 7. September 2018.
  5. Leihrad-Anbieter Mobike startet in Berlin auf www.rbb24, abgerufen am 27. Februar 2018.
  6. The Economist: Lessons from the fall of China’s bike-sharing pioneer, 24. Januar 2019, abgerufen am 25. Januar 2019 (englisch)
  7. Meituan confirms Mobike’s retreat from most overseas markets
  8. Leihräder-Check von drei Reporten von Radio Fritz, abgerufen am 7. September 2018.
  9. a b c Heimo Fischer: Mobike, Obike, Ofo oder Yobike: Geräderte Großstädte. In: Spiegel Online. 5. Januar 2018, abgerufen am 15. Oktober 2018.
  10. China’s Surveillance & Social Credit system alive & kicking in Berlin…, abgerufen im April 2019.
  11. Datenschutzbehörde prüft chinesischen Fahrradverleih Mobike, abgerufen im April 2019.
  12. Übermittelt Mobike Nutzerdaten heimlich nach China?, Datenschutz-Notizen.de vom 3. Januar 2019.
  13. Ein kleines Rad kann schwieriger kaputt gemacht werden. Abgerufen am 1. Juni 2018.