Mordechai Strigler

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Mordechai Strigler (geboren 1918 bei Zamość, Polen; gestorben 10. Mai 1998 New York City) war ein polnisch-US-amerikanischer Schriftsteller, Essayist und Journalist in jiddischer Sprache.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit, Jugend und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mordechai Strigler wurde 1918 als Sohn einer chassidischen Familie in Stabrów (bei Zamość, Polen) geboren.[1] Er begann, sehr jung an einer Jeschiwa zu lernen und hatte im Alter von achtzehn Jahren das Talmudstudium in zwei weiteren Jeschiwut (Luck, Kleck) abgeschlossen. Außerdem erlangte er das Rabbinerdiplom.[2] Dass Strigler tatsächlich 1918 und nicht, wie häufig zu lesen ist, 1921 geboren wurde, geht aus der Originalgeburtsurkunde hervor, die seine Tochter in Polen hat ausfindig machen können. Anscheinend hatte Strigler eine Vorliebe dafür, sein Geburtsjahr mit 1921 anzugeben. Ab 1937 war er als Moralprediger in der Warschauer Großen Synagoge tätig. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen versuchte er, zu seinen Eltern zurückzukehren. Er scheiterte jedoch, wurde von den Deutschen gefangen und verbrachte die folgenden Jahre in verschiedenen Zwangsghettos und Konzentrationslagern. Ab Juni 1943 war er dann Häftling im KZ Majdanek. Am 28. Juli 1943 kam er mit einem Häftlingstransport von dort in das Arbeitslager Werk C in Skarżysko-Kamienna. Dabei handelte es sich um eine Munitionsfabrik des HASAG-Konzerns, in dem die Gefangenen ohne Schutzkleidung der zur Füllung von Unterwasserminen verwendeten Pikrinsäure ausgesetzt waren. Dieser gelb färbende Stoff führte zu schweren Vergiftungen und senkte die Lebenserwartung der Häftlinge auf drei Monate. Über seinen einjährigen Aufenthalt dort schrieb er noch während seiner Gefangenschaft, allerdings gingen diese Aufzeichnungen verloren. Befreit wurde er am 11. April 1945 in Buchenwald. Insgesamt führte sein Leidensweg ihn durch zwölf verschiedene Lager, wobei bis heute keine vollständige Liste aller „Stationen“ existiert.

Emigration und Journalistentätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende des Weltkrieges fand Strigler eine Anstellung bei der jiddischen Zeitschrift Undzer Vort in Paris und ließ sich dort für die folgenden sieben Jahre nieder. Hier entstand zwischen 1948 und 1952 das sechsbändige Werk Oisgebrente Likht (Verloschene Lichter), in dem Strigler über seine Schoaherfahrung berichtet.

Bereits seit 1945 stand Strigler in Kontakt mit dem amerikanisch-jüdischen Dichter H. Leivick.[3] Dieser erkannte schnell dessen schriftstellerisches Potenzial. Im Jahr 1952 emigrierte Strigler in die Vereinigten Staaten und wurde in New York Redakteur bei der jiddischen Wochenschrift Yidischer Kemfer. Dort war er bis 1995 tätig und verfasste zahllose Artikel unter 20 Pseudonymen; zwischen 1987 und seinem Todesjahr 1998 arbeitete er außerdem bei der damaligen jiddischen Tageszeitung Forverts.

Mit seiner Frau Esther hatte er eine Tochter, Leah.

Am 10. Mai 1998 starb Strigler in New York an Hirnverletzungen, die er sich bei einem Sturz zugezogen hatte.[4]

Literarisches Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seinen journalistischen Texten verfasste Strigler außerdem Gedichte, Erinnerungsberichte, politische Kommentare sowie Erzählungen und Romane. Schwerpunkt seiner fiktiven erzählenden Texte war das Leben der polnischen Juden vor dem Zweiten Weltkrieg. Es war ihm außerdem ein Anliegen, die persönliche und kollektive Erfahrung der Lageraufenthalte während des Nazi-Regimes nicht bloß literarisch abzubilden, sondern auch zu analysieren.

Liste der Publikationen in Buchform[5]:

  • Tsu Aykh Shvester un Brider Bafrayte (An meine befreiten Schwestern und Brüder), 1945.
  • In a Fremdn Dor: Lider un Poemen (In einer fremden Generation: Gedichte und Balladen), 1947.
  • Majdanek, 1947 (dt. Erstausgabe: Majdanek. Verloschene Lichter. Ein früher Zeitzeugenbericht vom Todeslager. Aus dem Jiddischen von Sigrid Beisel. Hg. v. Frank Beer. zu Klampen Verlag, Springe 2016, ISBN 978-3-86674-527-8)
  • In di Fabrikn Fun Toyt, 1948 (dt. Erstausgabe: In den Fabriken des Todes. Verloschene Lichter II. Ein früher Zeitzeugenbericht vom Arbeitslager. Aus dem Jiddischen von Sigrid Beisel. Hg. v. Frank Beer. zu Klampen Verlag, Springe 2017, ISBN 978-3-86674-557-5)
  • Di Ershte Libe Fun Kopl Matsh: Roman (Die erste Liebe des Kopl Matsh: Roman), 1948.
  • Verk Tse (Werk C), 2 Bände, 1950.
  • Goyroles (Schicksale), 2 Bände, 1952.
  • Georemt Mitn Vint: Historischer Roman Fun Yidishn Lebn in Poyln (Arm in Arm mit dem Wind: Ein historischer Roman über jüdisches Leben in Polen), 1955.
  • Indzlen Oyf der Erd: Noveln (Inseln auf der Erde: Erzählungen), 1957.
  • Shmuesn Mit der Tsayt (Gespräche mit der Zeit), 2 Bände, 1959–61.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1978 erhielt Mordechai Strigler den Itzig-Manger-Preis für Jiddische Literatur. Im Jahr 1998 sollte ihm der Ehrendoktor für hebräische Literatur des jüdisch-theologischen Seminars von Amerika verliehen werden. Wenige Tage vor der Verleihung verstarb Strigler jedoch in New York.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Susanne Klingenstein: Die Stimme des Überlebenden, in: FAZ, 18. Juni 2016, S. 20.
  • Jan Schwarz: Survivors and Exiles : Yiddish culture after the Holocaust. Detroit : Wayne State Univ. Press, 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Yechiel Szeintuch: Mordechai Strigler und die Notwendigkeit der realistischen Schoahbeschreibung. Eine Einführung, in: Mordechai Strigler: Majdanek. Verloschene Lichter. Ein früher Zeitzeugenbericht vom Todeslager. Hg. v. Frank Beer. Zu Klampen Verlag, Springe 2016, S. 5.
  2. Yechiel Szeintuch: Mordechai Strigler und die Notwendigkeit der realistischen Schoahbeschreibung. Eine Einführung, in: Mordechai Strigler: Majdanek. Verloschene Lichter. Ein früher Zeitzeugenbericht vom Todeslager. Hg. v. Frank Beer. Zu Klampen Verlag, Springe 2016, S. 5.
  3. Die Korrespondenz der beiden findet sich in der Veröffentlichung Between Destruction and Reconstruction, Vol. 1: The Correspondence between M. Strigler and H. Leyvick, 1945–1952 (Jiddisch und Hebräisch). Hrsg. v. Yechiel Szeintuch/Miriam Trinh, Dov-Sadan Institut/Hebräische Universität, Jerusalem 2015.
  4. Der jiddische Schriftsteller Mordechai Strigler ist tot. Nachruf bei: HaGalil onLine, zuletzt aufgerufen am 3. März 2016.
  5. Yechiel Szeintuch: Mordechai Strigler und die Notwendigkeit der realistischen Schoahbeschreibung. Eine Einführung, in: Mordechai Strigler: Majdanek. Verloschene Lichter. Ein früher Zeitzeugenbericht vom Todeslager. Hg. v. Frank Beer. Zu Klampen Verlag, Springe 2016, S. 7.