HASAG

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Als HASAG wurde auch die Hamburgische Südsee-Aktiengesellschaft abgekürzt.
Brenner- und Lampenfabrik Hugo Schneider in der Reudnitzer Kohlgartenstraße um 1887

Die Hugo und Alfred Schneider AG (HASAG) war ein deutsches Unternehmen im Bereich der Metallverarbeitung, das auch als Rüstungskonzern von Bedeutung war.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die juristische Aufarbeitung der Straftaten an Zwangsarbeitern der HASAG (Leipziger Prozesse Einstiegshilfe Vortrag Dr. Andrea Lorz)
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Aktie über 1000 Mark der Hugo Schneider AG vom 28. Mai 1920
Hugo Schneider um 1888
Fabrikmarken der HASAG

1863 wurde die Lampenfabrik Haeckel & Schneider in Paunsdorf bei Leipzig gegründet. Sie war als Manufaktur konzipiert und das Unternehmen wuchs bis 1880 zu einem mittelständischen Industriebetrieb heran. Das Hauptgeschäft war die Herstellung von Lampen. Hugo Schneider, der zunächst nur als Teilhaber des Unternehmens auftrat, übernahm es 1871 ganz. 1899 wurde es dann zur Metallwarenfabrik Hugo Schneider Aktiengesellschaft umgewandelt. Da man das wachsende Werk in Paunsdorf nicht vergrößern konnte, erwarb das Unternehmen Anfang des 20. Jh. ein großes Areal am Rande von Leipzig – ein Dreieck zwischen der Torgauer und der Permoserstraße –, wo ein modernes Werk gebaut wurde und wohin das Unternehmen mit der Zeit umzog. Als Hersteller von Beleuchtungs-, Heiz- und Kochartikeln begann die HASAG schon im Ersten Weltkrieg mit der Produktion von Munitionshülsen und anderen Rüstungsgütern, die in den Kriegsjahren den Umsatz bestimmten. Nach dem Krieg versuchte man zunächst das Unternehmen mit Artikeln, welche schon vor dem Ersten Weltkrieg produziert wurden, aufrechtzuerhalten. Nach der Machtergreifung 1933 konnte die HASAG mit der Aufrüstung von Reichswehr bzw. Wehrmacht wieder mit Rüstungsaufträgen rechnen. Diese waren für das Unternehmen lukrativ, weil kein Vertrieb an Einzelhändler organisiert werden musste, sondern das Deutsche Reich als Großabnehmer auftrat. Die HASAG spezialisierte sich daher auf die Produktion von Rüstungsgütern und wurde in dieser Sparte zu einem der größten Konzerne Deutschlands. 1930 hatte die HASAG 1.000 Beschäftigte bei einem Jahresumsatz von 5 Millionen Reichsmark (RM).

1932 wurde der SS-Sturmführer Paul Budin Generaldirektor sowie SA-Sturmführer Georg Mumme stellvertretender Generaldirektor. Späterer Sozialdirektor und Wehrwirtschaftsführer wurde Wilhelm Renner. NS-Funktionäre waren in der Unternehmensführung organisiert, weitere Direktoren in der SS, der Gestapo oder der SA. Beschäftigte in leitenden Positionen waren fast ausschließlich Mitglieder der NSDAP sowie SS oder SA.[1]

Das Unternehmen lieferte ab 1933 Munition an die Reichswehr (ab 1935: Wehrmacht) und wurde 1934 offiziell als Rüstungsbetrieb eingestuft. 1939 betrug der Jahresumsatz 22 Millionen RM.[2] Das Stammwerk in Leipzig wurde von 1935 bis 1939 weiter ausgebaut. Wilhelm Renner (Vater von Hannelore Kohl) arbeitete als Betriebsdirektor und Prokurist in der HASAG von 1939 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Der ebenfalls mit Prokura ausgestattete Oberingenieur Edmund Heckler baute die Zweigwerke in Leipzig, Berlin, Taucha und Altenburg auf und leitete die drei letztgenannten.[3]

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 wurde es schwer, Arbeitskräfte zu beschaffen. Trotz Dienstverpflichtung der Frauen wurden auch ausländische Arbeitskräfte angeworben und bald durch Zwangsarbeiter ersetzt. Der Konzern bevorzugte den Einsatz und die Ausbeutung von Zwangsarbeitern aus mehreren Konzentrationslagern für die Produktion in etlichen Betrieben und unterhielt eigene Zwangsarbeiterlager, die von der SS verwaltet wurden. Bereits 1939 übernahm HASAG im besetzten Polen drei Rüstungswerke, dank denen die Rüstungsproduktion weiter gesteigert werden konnte. Auch dort wurden Zwangsarbeiter im großen Ausmaß und ohne die notwendigen Schutzmaßnahmen eingesetzt.

1944 erhielt die HASAG durch den Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion Albert Speer die Sondervollmacht „Hochlauf Panzerfaust“. Damit war der Konzern alleiniger Hersteller dieser Waffe in Deutschland und konnte seine Werke weiter ausbauen. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Werk durch Luftangriffe beschädigt. Am 13. April 1945 wurden Tausende Häftlinge aus den HASAG-Außenlagern der Konzentrationslagern auf die Todesmärsche getrieben.

Nach Ende des Krieges begann man im Stammwerk Leipzig, Kochtöpfe, Milchkannen, Lampen usw. zu produzieren. Bis 1947 wurden alle Maschinen und Anlagen demontiert und durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) als Reparationsleistungen beschlagnahmt. Die meisten Gebäude wurden danach gesprengt. Nur das Verwaltungsgebäude ist erhalten. Auf dem ehemaligen HASAG-Gelände entstand später ein Zentrum für Umweltforschung.[4]

Nach 1949 nutzten verschiedene Volkseigene Betriebe der DDR Patente der HASAG. So stellte zum Beispiel der VEB Metallwaren Leipzig (MEWA) eine Starklichtlampe nach einem HASAG-Muster her. Der VEB Leuchtenbau Leipzig hatte die Rechte der Wortmarke HASAG und verlängerte diese 1963. Erst 1974 wurde die Marke gelöscht.[5][6][7]

2001 wurde auf dem ehemaligen HASAG-Gelände in der Nähe des ehemaligen Verwaltungsgebäudes eine Gedenkstätte für Zwangsarbeit errichtet. Sie wird vom Förderverein „Dr. Margarete Blank“ e.V. getragen und kann dienstags bis donnerstags 10:00–18:00 oder nach Vereinbarung besichtigt werden.[8]

Produzierte Güter und Waffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betriebe der HASAG 1944/1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: HASAG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Hesse: Rüstungsindustrie in Leipzig 1933-1945, Teil 1, Selbstverlag, Leipzig 2001
  2. NS-Geschichte in Leipzig
  3. Manfred Kersten; Walter Schmid: Heckler & Koch : HK; die offizielle Geschichte der Oberndorfer Firma Heckler & Koch. Einblicke in die Historie, Beschreibung der Waffenmodelle, Darstellung der Technik. Weispfennig, Wuppertal 1999, ISBN 3-00-005091-4, S. 17.
  4. Leipzig Permoserstraße. Zur Geschichte eines Industrie- und Wissenschaftsstandorts. UFZ-Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbH, Leipzig 2001.
  5. http://www.hytta-stuga.de/steckbrief/showad.php?adid=209
  6. http://publikationen.dpma.de/DPMApublikationen/shw_tm_bib.do?id=691167
  7. http://publikationen.dpma.de/DPMApublikationen/shw_tm_dpi.do?bibdatid=691167&id=DD463881
  8. Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig
  9. Entwicklung und Produkte der HASAG, Seite 5, (pdf; 1,0 MB)
  10. Walter Strnad: Das KZ-Außenlager Schlieben. Bücherkammer, Herzberg 2005.

Koordinaten: 51° 21′ 9″ N, 12° 25′ 59″ O