Moschustiere

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Moschustiere
Sibirisches Moschustier (Moschus moschiferus)

Sibirisches Moschustier (Moschus moschiferus)

Systematik
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Moschushirsche
Gattung: Moschustiere
Wissenschaftlicher Name der Familie
Moschidae
Gray 1821
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Moschus
Linnaeus, 1758
Schädel

Moschustiere oder Moschushirsche (Moschidae) sind eine mit den Hirschen verwandte Familie der Paarhufer. Während sie in älterer Literatur oft noch als ursprüngliche Unterfamilie der Hirsche angesehen werden, werden sie heute meistens als eigenständige Familie von den Hirschen abgetrennt. Abweichend von anderen Hirschen weisen sie eine Gallenblase auf und das Euter der Weibchen hat lediglich zwei statt vier Zitzen.[1]

Merkmale[Bearbeiten]

Alle Moschustiere sind einander so ähnlich, dass sie gelegentlich auch als eine einzige Art angesehen werden. Ihre Kopf-Rumpflänge beträgt 70 bis 100 Zentimeter, die Schulterhöhe 50 bis 80 Zentimeter, das Gewicht 10 Kilogramm und der Schwanz ist zwischen 1,8 und sechs Zentimeter lang.[2] Die Hinterläufe sind bei allen Arten stark ausgebildet, die Rückenlinie ist nach vorne abfallend, weil die Hüfte höher ist als der Widerrist.

Die Fellfarbe ist überwiegend dunkelbraun, variiert aber auch innerhalb der Arten. Sie weisen am Kinn, seitlich der Kehle und an der Innenseite der Läufe weiße Flecken auf. Die Ohren sind im Verhältnis zur Körper- und Kopfgröße lang. Moschushirsche haben anders als Hirsche kein Geweih. Auffällig ist, dass die oberen Eckzähne des Männchens zu großen Hauern verlängert sind, die eine Länge von sieben Zentimetern erreichen können. Bei den Weibchen sind die Eckzähne gleichfalls verlängert, allerdings ragen diese nicht über die Lippen hinaus.

Die namengebende Moschusdrüse besitzt ebenfalls nur das Männchen. Sie liegt vor den Geschlechtsteilen und gibt eine bräunliche, stark riechende Substanz ab. Sie spielt insbesondere in der Brunft eine Rolle, da das Männchen damit sein Revier markiert.[3] Daneben können Moschushirsche auch aus einer Schwanzdrüse eine Flüssigkeit absondern, die gelblich ist und einen starken Verfaulungsgeruch hat. Lautäußerungen sind von Moschushirschen nur selten zu vernehmen. Aufgeschreckte Moschushirsche geben jedoch einen Laut von sich, der an das menschliche Niesgeräusch erinnert.[4]

Verbreitung[Bearbeiten]

Moschushirsche sind Tiere des Gebirges. Eine Art lebt im Himalaya, die anderen in verschiedenen Gebirgen und Höhenzügen Koreas, Chinas, Sibiriens, Kasachstans und der Mongolei (z. B. im Altaigebirge). Die bevorzugte Höhe liegt bei 2.500 bis 3.500 Metern. Hier verbergen sie sich in dichten Bergwäldern.

Lebensweise[Bearbeiten]

Außerhalb der Paarungszeit sind Moschustiere strikte Einzelgänger, sie verteidigen ein Revier, das einen Durchmesser von etwa 1,6 bis 2,4 Kilometer hat.[5] Treffen zwei Männchen aufeinander, kann es zu Kämpfen kommen, wobei sich die Tiere manchmal mit den Eckzähnen tiefe Wunden reißen. Moschushirsche stehen sich bei diesen Kämpfen nicht frontal gegenüber wie dies bei Brunftkämpfen beispielsweise von Dam- oder Rotwild der Fall ist, sondern seitlich Schulter an Schulter. Moschushirsche sind nachts aktiv und fressen Gräser und Moose, im Winter auch Zweige und Flechten. Die Tragezeit beträgt durchschnittlich 198 Tage, die Jungtiere sind bei der Geburt gefleckt und wiegen durchschnittlich 500 Gramm. Die Zahl der Jungtiere variiert je nach Art. Bei einigen Arten setzen die Weibchen nur ein Jungtier, bei anderen sind Zwillinge die Norm. Jungtiere werden bis zu einem Alter von drei oder vier Monaten gesäugt. Ihre Geschlechtsreife erreichen sie etwa mit achtzehn Monaten. Das Lebensalter von Moschushirschen ist noch nicht abschließend untersucht, in China in Gefangenschaft gehaltene Moschushirsche erreichten aber ein Lebensalter von zwanzig Jahren. Zu den Fressfeinden von Moschushirsche gehören der Schneeleopard und Tiger.[6]

Bedrohung und Schutz[Bearbeiten]

Die Substanz der Moschusdrüse wird zur Herstellung von Parfümen und Seifen sowie in der traditionellen Chinesischen Medizin verwendet. Aus einer Drüse lassen sich nur 25 bis 30 Gramm Moschus entnehmen, so dass für ein Kilogramm Moschus durchschnittlich 36 Junge geschossen werden müssen. Der Marktwert von Moschus ist hoch. 1999 wurden 45.000 US$ je Kilogramm bezahlt.[7] Durch die starke Bejagung sind die Bestände aller Arten zurückgegangen. Der Sibirische Moschushirsch wird von der IUCN als gefährdet (vulnerable) eingestuft, während die übrigen Spezies als stark gefährdet (endangered) gelistet sind.

Als Alternative zur Jagd kann das Fangen eines lebenden Männchens praktiziert werden; der Moschus wird ihm entnommen, und anschließend wird es freigelassen. Da diese Methode jedoch zeitraubender ist als die Moschusgewinnung aus toten Tieren, wird sie selten genutzt. In China experimentiert man seit Jahrzehnten mit Moschustierfarmen; diese haben jedoch hohe Sterblichkeitsraten, da sich die Tiere schlecht in Gefangenschaft halten lassen.

Systematik[Bearbeiten]

Chinesisches Moschustier (Moschus berezovskii)
Micromeryx, ein Verwandter der Moschushirsche, lebte im Miozän in Europa

Folgende Arten werden unterschieden[8][9]:

Das nicht näher verwandte Afrikanische Hirschferkel wird gelegentlich auch als Wassermoschustier bezeichnet.

Fossil sind Moschushirsche seit dem Oligozän bezeugt. Aus dem Miozän ist die Gattung Micromeryx aus Europa bekannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, 1999 ISBN 0-8018-5789-9
  • Leonard Lee Rue III: The Encyclopedia of Deer. Voyageur Press, Stillwater 2003, ISBN 0-89658-590-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Moschushirsche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Rue, S. 28
  2. Rue, S. 28
  3. Rue, S. 30
  4. Rue, S. 30
  5. Rue, S. 28
  6. Rue, S. 30
  7. Rue, S. 28
  8. Moschushirsche in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN. Abgerufen am 25. August 2009
  9.  Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A Taxonomic and Geographic Reference. 3. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2005, ISBN 0-8018-8221-4 (2142 Seiten).