Munīra al-Qubaisī

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Munīra al-Qubaisī (arabisch منيرة القبيسي, geboren 1933 in Damaskus; gestorben am 26. Dezember 2022 ebenda[1]) war eine syrische Islam-Predigerin. Sie stand als oberste Scheicha an der Spitze der von ihr gegründeten Qubaisīyāt-Bewegung, der nur weibliche Mitglieder angehören. Das Royal Islamic Strategic Studies Centre (MABDA) in Jordanien setzte 2013 Munīra al-Qubaisī auf Platz 17 seines Rankings der 500 einflussreichsten Muslime, mit der Begründung, dass ihre Bewegung die größte nur aus Frauen bestehende islamische Bewegung der Welt sei. Nach Angabe von MABDA leitete al-Qubaisī zu dieser Zeit allein in Damaskus etwa 80 Schulen, an denen 75.000 Schülerinnen eingeschrieben waren. Ihre Bewegung, die auch Mitglieder in Jordanien, Kuweit und Libanon hat, konzentriert sich auf das Auswendiglernen des Korans und der sechs kanonischen Hadith-Sammlungen (al-Kutub as-sitta).[2]

Al-Qubaisī wurde 1933 in eine palästinensische Familie hineingeboren und hatte neun Geschwister. Sie studierte an der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Damaskus. Nach ihrem Abschluss begann sie, im Viertel al-Muhādschirīn zu unterrichten.[1] Anfang der 1960er Jahre nahm sie ein Religionsstudium unter dem damaligen Großmufti Ahmad Kaftārū in dessen Abū-n-Nūr-Zentrum auf.[3] Außerdem schloss sie sich Kaftārūs sufischer Gemeinschaft an. Nach seinem Tod im Jahre 2004 zog sie sich jedoch daraus jedoch zurück.[1] 2006 erhielt sie die Erlaubnis, selbst in Moscheen Unterricht zu geben und Treffen abzuhalten.[2] Al-Qubaisī hat nie geheiratet.[3]

Al-Qubaisī war eine Unterstützerin des Asad-Regimes und leistete ihm zusammen mit ihren Schülerinnen in der Umayyaden-Moschee öffentlich den Treueid. Dennoch trauerten bei ihrem Tod auch prominente Vertreter der syrischen Opposition um sie. Einer der prominentesten Oppositionellen, der ihren Tod in den Sozialen Medien beklagte, war Muʿādh al-Chatīb, der frühere Präsident der Oppositionellen Syrischen Koalition, der sie als „tugendhafte Erzieherin, die Anerkennung verdient“ pries. Auch unter den syrischen Oppositionellen in der Türkei wurde ihr Tod vielfach betrauert. Orient News, eine syrische oppositionelle syrische Nachrichten-Website mit Sitz in Dubai, kritisierte hingegen, dass al-Qubaisī Baschar al-Asad idealisiert und ihre ganzen Kräfte und die ihrer weiblichen Murīden in den Dienst seines „korrupten Regimes“ gestellt habe. Sie habe „in all den Jahren der Revolution kein Erbarmen, nicht einmal ein Wort, mit denen [gehabt], die in seinen chemischen Gasen erstickten oder unter den Trümmern starben“.[1]

Islam-Verständnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Bericht auf Qantara.de von 2006 bezeichnete Kaftārūs Sohn, der Leiter des von seinem Vater gegründeten Abū-n-Nūr-Zentrums, das von al-Qubaisī entwickelte Islam-Verständnis als sufisch, während es anderen als fundamentalistisch gilt. Der Koranexeget Muhammad Shahrūr wird in demselben Berichten mit den Worten zitiert, Ziel al-Qubaisīs sei die „Errichtung eines Taliban-Staates“. Nach dem Qantara-Bericht ist der Gehorsam gegenüber Munīra al-Qubaisī in der Qubaisīyāt-Bewegung wichtiger als der gegenüber Vater, Ehemann oder Vormund.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Wafāt “Munīra al-Qubaisī”.. Nāṣarat al-Asad wa-taǧāhalat maǧāzirahū wa-naʿathā šaḫṣīyāt bāriza fī l-muʿāraḍa In: orient-news.net, 26. Dezember 2022, abgerufen am 28. Dezember 2022 (arabisch).
  2. a b The 500 Most Influentual Muslims, 2013 edition (Memento vom 25. Juni 2014 im Internet Archive) Royal Islamic Strategic Studies Centre.
  3. a b Mona Sarkis: Die Schwestern der Scheicha in taz.de vom 5. Januar 2007.
  4. Mona Sarkis: Zornig, aber zahm? Religiöse Frauengemeinschaften in Syrien in Qantara.de 4. Oktober 2006.