Ngorongoro

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Schutzgebiet Ngorongoro*
UNESCO-Welterbe
UNESCO-Welterbe-Emblem

Ngorongoro-Crater-animals.jpg
Tierherden im Krater
Staatsgebiet: TansaniaTansania Tansania
Typ: gemischt
Kriterien: iv, vii, viii, ix, x
Fläche: 809.440 ha
Referenz-Nr.: 39
Region: ª Afrika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 1979  (Sitzung 3)
Erweiterung: 2010  (Sitzung 34)

* Der Name ist auf der Welterbe-Liste aufgeführt.
ª Die Region ist von der UNESCO klassifiziert.

Topografie der Region, Ngorongoro in der Bildmitte
Ngorongoro im Norden Tansanias

Ngorongoro ist ein Einbruchkrater in Tansania am Rande der Serengeti. Er entstand, als an dieser Stelle ein Vulkanberg in sich zusammenbrach. Der Kraterboden liegt auf etwa 1700 Meter über NN und die Seitenwände sind zwischen 400 und 600 Meter hoch, so dass die Kraterkante auf etwa 2300 Meter liegt.[1] Der Durchmesser des Kraters beträgt zwischen 17 und 21 Kilometer. Insgesamt hat der Krater eine Fläche von 26.400 Hektar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ngorongoro und das umliegende Savannenhochland wurden spätestens seit dem 18. Jahrhundert von Massai-Hirtennomaden besiedelt und für nomadisierende Viehweidewirtschaft genutzt. Der Krater selbst hatte für die Maasai große spirituelle Bedeutung, unter anderem wurde der Lerai Forest auf dem Kraterboden als Grabstätte genutzt. Als der österreichische Forschungsreisende Oscar Baumann 1892 den Krater besuchte, war dieser von Maasai besiedelt; ebenso, als der Farmer Adolf Siedentopf 1904 beim deutschen Kolonialgouvernement Land im Krater beantragte, um in Ngorongoro Viehzucht und Landwirtschaft zu betreiben. Siedentopfs Antrag wurde stattgegeben, einige Jahre später ließ sich auch sein Bruder Friedrich Wilhelm als Siedler im Krater nieder. Die Maasai in Ngorongoro wurden 1907 unter Aberkennung ihrer Landrechte gewaltsam in ein Reservat südlich des Kilimandscharo umgesiedelt; nur einigen wenigen war es erlaubt, im Krater zu verbleiben, um den Siedentopfs bei der Viehzucht zu assistieren. Zwischen 1912 und 1914 entwickelte die deutsche Kolonialverwaltung ernsthafte Pläne, den Krater zum Naturschutzpark zu erklären. Allerdings gelang es nicht, Siedentopf zur Aufgabe seines Pachtvertrags zu bewegen. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs sollte auch das restliche Land im Krater an burische Siedler vergeben werden. Allein der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhinderte diese Maßnahme. Während des Weltkriegs verließen die Siedentopfs den Krater.[2]

Seit 1951 ist der Krater Teil des Nationalpark Serengeti. 1959 wurde außerhalb des Kraters ein besonderes Schutzgebiet (Ngorongoro Conservation Area) eingerichtet, in dem den Massai Ansiedlung und Weidewirtschaft erlaubt ist. 1975 wurde Landwirtschaft im Krater endgültig verboten. 1979 wurde er auf die UNESCO-Liste des Weltnaturerbe aufgenommen und 1981 als Biosphärenreservat ausgezeichnet. Zusätzlich wurde der Krater 2010 zum Weltkulturerbe erhoben.

In einem Bericht an das Welterbekomitee schreibt die Parkverwaltung 2006, dass die Zahl der Fahrzeuge von Touristen im Krater ein zunehmendes Problem darstelle. In den äußeren Bereichen besteht ein erheblicher Siedlungsdruck. Regelmäßig mussten in der Vergangenheit illegale Felder beseitigt werden. Zuletzt wurden 60.000 Hirten mit 350.000 Stück Vieh im Schutzgebiet gezählt. Das ist deutlich mehr, als das Land ohne den verbotenen Getreideanbau ernähren kann. Durch den staatlichen Ankauf von Land außerhalb des Parks soll jetzt die Situation entspannt werden.

Panoramaausblick in den Krater (Trockenzeit)
Panoramaausblick in den Krater (Anfang der Regenzeit)

Klima und Vegetation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserstelle am Kraterboden mit Flamingos und Pelikanen

Durch die unterschiedlichen Höhenlagen und die Dynamik der Luftmassen variiert das Klima vor Ort stark. Die Höhenlagen sind meist feucht und diesig. Das Flachland unterliegt starken Temperaturschwankungen. Die Regenmenge fällt in den Monaten November bis April und schwankt ebenfalls sehr stark abhängig vom Standort.

Die Kraterränder sind bewachsen mit Busch- und Heideland, Langgrassavanne und Resten von immergrünen Bergwäldern. Der Kraterboden ist bedeckt von Kurzgrassavanne, Wasserstellen und Akazienwäldern.

Tierwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gnus im Krater
Kuhantilopen am Kraterboden

Etwa 25.000 Großsäuger bevölkern den Krater, darunter die höchste Raubtierdichte Afrikas. Besonders groß ist die Zahl an Zebras, Büffeln, Gnus, Elenantilopen sowie Grant- und Thomson-Gazellen. Sie werden gejagt von Löwen, Fleckenhyänen und Leoparden. Daneben gibt es im Krater unter anderem Elefanten und, ungewöhnlich in dieser Gegend, Flusspferde. Es existieren noch zwischen zehn und 15 Exemplare der bedrohten Spitzmaulnashörner, deren Population in den 1960er Jahren noch über hundert Tiere betrug. Die großen Tierwanderungen in der Serengeti führen auch durch den Ngorongoro-Krater.

Naturschutzgebiet Ngorongoro[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit seinen 8200 km² umfasst es große Teile des Kraterhochlands, darunter die Berge Makerut und Oldeani mit 3130 und 3188 m Höhe. Im Westen nahe der Serengeti beträgt der Jahresniederschlag 700 mm, im Hochland dagegen bis zu 1400 mm. Im Ngorongoro-Krater selbst halten sich selten mehr als wenige Dutzend Elefanten auf, aber an den äußeren Hängen des Kraters und im Hochland leben insbesondere im Bergwald weitere Elefantenpopulationen ungewisser Größe. 1981 gab es noch 8288 Elefanten im Schutzgebiet, 1987 war ihre Zahl auf 250 gesunken.[3]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grab von Michael und Bernhard Grizmek

Am Rande des Kraters wurden Michael Grzimek († 1959) und sein Vater Bernhard Grzimek († 1987) bestattet.[4] Bernhard Grzimek hatte Anfang der 1960er Jahre mit Geldern der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt das Serengeti Research Institute initiiert, das die Zugwege und das Verhalten der Wildtiere erforschen und so zu ihrem langfristigen Schutz beitragen sollte. Der Krater selbst ist zum Nationalpark erklärt worden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ngorongoro – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daniela Eiletz-Kaube, Sabine Jorke, Steffi Kordy: Kenia. Tansania. Sansibar. DuMont Reiseverlag, 2007, ISBN 377017660X eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  2. Bernhard Gissibl: The Nature of German Imperialism. Conservation and the Politics of Wildlife in colonial East Africa. New York/Oxford 2016.
  3. Wally und Horst Hagen: Die afrikanischen Nationalparks als Lebensräume der Elefanten. In: Vitus B. Dröscher: Rettet die Elefanten Afrikas. 1. Auflage. Goldmann Verlag, München 1992, ISBN 3-442-12322-4. S. 239.
  4. Florian Schiegl: Ngorongoro-Krater: Auf Großbildjagd in Grzimeks Paradies. In: raushier-reisemagazin.de. 20. Juli 2011, abgerufen am 29. Dezember 2014.

Koordinaten: 3° 11′ S, 35° 34′ O