Nowy Tomyśl

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Nowy Tomyśl
Wappen von Neutomischel
Nowy Tomyśl (Polen)
Nowy Tomyśl
Nowy Tomyśl
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Nowotomyski
Fläche: 5,20 km²
Geographische Lage: 52° 19′ N, 16° 8′ O52.31666666666716.133333333333Koordinaten: 52° 19′ 0″ N, 16° 8′ 0″ O
Höhe: 70 m n.p.m
Einwohner: 14.914
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 64-300, 64-301
Telefonvorwahl: (+48) 61
Kfz-Kennzeichen: PNT
Wirtschaft und Verkehr
Straße: A2
Schienenweg: Berlin–Warschau
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 18 Schulzenämter
Einwohner: 25.897
(30. Jun. 2014)[1]
Gemeindenummer (GUS): 3015043
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Henryk Helwing
Adresse: ul. Poznańska 33
64-300 Nowy Tomyśl
Webpräsenz: www.nowytomysl.pl



Nowy Tomyśl (deutsch bis 1875 Neutomysl, danach Neutomischel) ist eine polnische Kreisstadt in der Woiwodschaft Großpolen. Mit den 18 umliegenden Dörfern bildet sie eine von vier Stadt- und Landgemeinden im nach ihr benannten Powiat Nowotomyski.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt etwa 60 Kilometer westlich der Stadt Posen und 40 Kilometer Luftlinie südöstlich der Stadt Meseritz (Międzyrzecz).

Geschichte[Bearbeiten]

Neutomischel westlich der Stadt Posen und nördlich der Stadt Glogau auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Schloss Alt Tomysl um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Archäologische Funde deuten auf eine Besiedlung der Region schon vor 11.000 Jahren hin.

Im 18. Jahrhundert wurde die damals sehr waldreiche Grafschaft von Kolonisten, unter anderem auch von holländischen, besiedelt. Siedler konnten von dem Grafen Feliks Szołdrski zu günstigen Konditionen Waldflächen an den Flüssen Dojca, Czarna Woda (Schwarzwasser) und Szarka erwerben, um diese urbar zu machen. Von dieser Möglichkeit machten auch Polen sowie aus Brandenburg, Schlesien und Pommern kommende Deutsche Gebrauch.

Die eigentliche Stadtgeschichte Neutomischels beginnt etwa 1780. Um diese Zeit kamen Scharen evangelischer Einwanderer aus Brandenburg ins damals noch polnische Dorf Tomysl, die ihre Heimat aufgrund der dort angewandten rigiden Rekrutierungsmaßnahmen verlassen hatten.[2] Sie wurden unter anderem im Hopfenanbau eingesetzt, der um diese Zeit in der Grafschaft zu florieren begann.[2] Für diese zumeist protestantischen deutschen Siedler wurde 1778/79 mit Unterstützung Szołdrskis, der selbst Katholik war,[3] eine Kirche errichtet. Szołdrski sorgte auch dafür, dass um die Kirche herum eine Stadt als Zentrum für die umliegenden Siedlungen entstand. Am 8. April 1786 erhielt die neue Ortschaft, die zunächst Neu-Tomysl hieß, das Stadtrecht; das Dorf Tomysl wurde in Alt-Tomysl (Stary Tomyśl) umbenannt.

Am 14. November 1804 wurden in Neu-Tomysl durch eine Feuersbrunst, die abends gegen 23 Uhr ausgebrochen war, siebzehn Wohngebäude und zwei mit Getreide gefüllte Scheunen vernichtet, wovon dreißig Familien betroffen waren.[4]

Mit der Teilung Polens 1793 kam die Stadt an Preußen. Unter dem Einfluss Napoleons gehörte die Stadt von 1807 bis 1815 zum Herzogtum Warschau. Als Ergebnis des Wiener Kongresses fiel sie wieder an Preußen, 1848 wurde sie Kreisstadt. Bei der Volkszählung am 1. Dezember 1900 gaben angeblich 51,0 % der Bevölkerung an, polnischer Nationalität zu sein.

Nach dem Ersten Weltkrieg brachten am 3. Januar 1919 rund dreihundert mit Gewehren, Maschinengewehren und Handgranaten bewaffnete polnische Milizionäre die Stadt in ihre Gewalt und besetzten die öffentlichen Gebäude.[5] Im Rahmen des Versailler Vertrags wurde so die Stadt nach etwa 125 Jahren wieder polnisch. Sie war bis zu diesem Zeitpunkt Verwaltungssitz des Kreises Neutomischel in der preußischen Provinz Posen gewesen.

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war die deutsche Bevölkerung Repressalien ausgesetzt. So weigerte sich beispielsweise 1937 die polnische Behörde, ein in Neutomischel neuerbautes Privatschulhaus in Betrieb nehmen zu lassen, weshalb 57 deutsche Eltern in den Schulstreik traten.[6][7] Umgekehrt hatte nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1939 die polnische Bevölkerung unter der Germanisierungspolitik während des Zweiten Weltkrieges zu leiden; nicht wenige Einwohner wurden zu Zwangsarbeit verpflichtet.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte am 27. Januar 1945 die Rote Armee die Stadt. Nach Kriegsende wurde Neutomischel der Verwaltung der Volksrepublik Polen übergeben. Die deutschen Bewohner wurden in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Jährliche Einwohnerzahlen[Bearbeiten]

  • 1800: 430, in 60 Wohnhäusern (davon eines mit Ziegeldach), vorwiegend Evangelische, keine Juden[3]
  • 1805: 435 Deutsche, in 65 Häusern[8]
  • 1816: 597[9]
  • 1837: 748[3]
  • 1861: 1.188[3]
  • 1885: 1.801, darunter 302 Katholiken und 171 Juden[10]

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen Nowy Tomyśls stellt ein gelbes hölzernes Boot auf rotem Grund dar.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Mit dem brandenburgischen Amt Biesenthal-Barnim wurde am 13. Dezember 1999 nach mehreren Treffen ein Partnerschaftsvertrag über gegenseitige kommunale Zusammenarbeit unterzeichnet.[11][12]

Mit der deutschen Stadt Goch (Niederrhein) besteht seit dem 15. März 1997 eine Partnerschaft, die bereits 1994 initiiert wurde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Museum für Korbmacherei und Hopfenanbau

Bauwerke[Bearbeiten]

Mehrere Bauwerke aus der Anfangszeit der Stadt sowie aus dem 19. Jahrhundert sind erhalten geblieben, wie die 1778 errichtete Herz-Jesu-Kirche, die 1895 errichtete Kirche der Muttergottes der unablässigen Hilfe, das Rathaus (1879), die Mühle (1885) und der Wasserturm.

Während der Zeit der holländischen Besiedlung entstanden die umliegenden Dörfer als Streusiedlungen, mehrere Gehöfte aus dieser Zeit sind erhalten geblieben.

Seit 2012 stehen in Nowy Tomysl die höchsten Windkraftanlagen der Welt.

Parks[Bearbeiten]

1972 wurde im Südosten der Stadt ein 34 ha großer Erholungspark angelegt. Etwa 10 % davon nimmt der 1974 eingerichtete zoologische Garten ein. Er beherbergt exotische und geschützte Tierarten, der Eintritt war bis ende des Jahres 2014 kostenlos.

Gemeinde[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde umfasst neben dem Hauptort Nowy Tomyśl 18 Dörfer.

Name deutscher Name
(1815–1919)
deutscher Name
(1939–45)
Einwohnerzahl
(2008) [13]
Bukowiec Bukowiec 1939–43 Buchenhain
1943–45 Buckwitz
1022
Boruja Kościelna Kirchplatz Borui Kirchplatz 972
Cicha Góra Cichagora
1906–19 Schichagora
Ziegenkrug 411
Chojniki Kunik Tannenwalde 118
Glinno Glinau Glinau 1256
Grubsko Grubske Buschdorf 101
Jastrzębsko Stare Friedenhorst Friedenhorst 651
Kozie Laski Kozielaske
1901–19 Königsfelde
(zu Königsfelde) 171
Nowa Boruja Neu Borui Neu Hopfengarten 575
Nowa Róża Neurose Neurose 134
Nowy Tomyśl Neutomysl
1875–1919 Neutomischel
Neutomischel 15.258
Paproć Paprotsch Hopfengrund 799
Przyłęk Scherlanke Scherlanke 585
Róża Rose Rose 186
Sątopy Sontop Sontop 599
Sękowo Zinskowo
1901–19 Friedenwalde
Friedenwalde 419
Stary Tomyśl Alttomysl
1875–1919 Alttomischel
Königsfelde 594
Szarki Scharke Hohenbrück 137
Wytomyśl Witomysl
1875–1919 Witomischel
Bruchdorf 517

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 385.
  • Arno Kraft: … und dazwischen Neutomischel. Eigenverlag Arno Kraft, Berlin 1998, ISBN 3-00-002419-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nowy Tomyśl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 28. November 2014.
  2. a b E. Helwing: Ueber den Hopfenbau im preussischen Staate. In: Zeitschrift des Königl. Preußischen Statistischen Bureaus Nr. 2, Berlin, Dezember 1860, S. 82–84, insbesondere S. 83, rechte Spalte ff..
  3. a b c d Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 385.
  4. Preußisch-Brandenburgische Miszellen. Jahrgang 1804, Band 1, Berlin 1804, S. 134.
  5. Paul Paetzold: Wie Neutomischel polnisch wurde. Aus den Schicksalstagen Posens 1918/19. Berlin 1928.
  6. Albert S. Kotowski: Polens Politik gegenüber seiner deutschen Minderheit 1919–1939. Harrassowitz, Wiesbaden 1998, ISBN 3-447-03997-3, S. 291.
  7. Ingo Eser: »Volk, Staat, Gott!«. Die deutsche Minderheit in Polen und ihr Schulwesen 1918–1939. Harrassowitz, Wiesbasen 2010, ISBN 978-3-447-06233-6, S 626-627.
  8. Wolfgang Jäger: Geographisch-Historisch–Statistisches Zeitungs-Lexikon. Band 2: J – Q, Nürnberg 1808, S. 429.
  9. Alexander August Mützell: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des Preussischen Staats. Band 5: T – Z, Halle 1823, S. 28, Nr.1007.
  10. http://www.verwaltungsgeschichte.de/pos_neutomischel.html
  11. Biesenthal. In: Website von Nowy Tomyśl. Abgerufen am 4. April 2013.
  12. Internationale Partnerschaft mit der Gemeinde Nowy Tomysl. In: Website des Amtes Biesenthal-Barnim. Abgerufen am 4. April 2013.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDemografia w gminie Nowy Tomyśl. Archiviert vom Original am 28. April 2008, abgerufen am 10. November 2008.