Obercrinitz

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Obercrinitz
Gemeinde Crinitzberg
Koordinaten: 50° 34′ 19″ N, 12° 29′ 6″ O
Höhe: 468 m
Einwohner: 1187 (1990)
Eingemeindung: 1. Januar 1994
Postleitzahl: 08147
Vorwahl: 037462
Obercrinitz (Sachsen)
Obercrinitz

Lage von Obercrinitz in Sachsen

Obercrinitz ist seit 1994 ein Ortsteil der Gemeinde Crinitzberg im Landkreis Zwickau.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obercrinitz liegt im Tal des Crinitzbachs, einem Seitenbach des Rödelbachs. Auf die Lage des Ortes im Kirchberger Granitgebiet weisen zwei Steinbrüche im Ortsgebiet hin. Der namensgebende Crinitzberg (573 m ü. NN) befindet sich an der Grenze zu Bärenwalde.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Hauptort Obercrinitz gehören noch die Steffenhäuser an der Straße nach Stangengrün zum Ort. Am Crinitzberg befindet sich die Waldsiedlung in der Nähe des ehemaligen Bahnhofs Obercrinitz. Der Ortsteil Herlagrün schließt sich fast nahtlos an den oberen Ortsteil von Obercrinitz in Richtung Wildenau an.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lauterhofen Giegengrün
Stangengrün Nachbargemeinden Bärenwalde
Wildenau Rothenkirchen

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Waldhufendorf Obercrinitz wurde 1460 das erste Mal urkundlich erwähnt und gehörte als Exklave bis 1843 zum Amt Zwickau und danach zum Amt Kirchberg. 1856 kam der Ort zum Gerichtsamt Kirchberg und 1875 zur Amtshauptmannschaft Zwickau, dessen Nachfolger der Landkreis Zwickau ist. 1950 kam Herlagrün durch Umgemeindung von Wildenau zu Obercrinitz. Von Juli bis Dezember 1952 gehörte Obercrinitz kurzzeitig zum Kreis Auerbach im Vogtland und wurde dann in den Kreis Zwickau-Land umgegliedert. Seit 1970 ist Lauterhofen ein Ortsteil von Obercrinitz. Mit der Bildung der Gemeinde Crinitzberg im Jahr 1994 wurden Obercrinitz und Lauterhofen gleichberechtigte Ortsteile.

In Obercrinitz siedelten sich im 19. Jahrhundert verschiedene Zweige der Textilindustrie an. Die industrielle Steingewinnung entwickelte sich im 19. Jahrhundert. Von 1893 bis 1970 hatte Obercrinitz Anschluss an die Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau–Carlsfeld. Der Bahnhof lag außerhalb vom Ort am Crinitzberg. Bis zum Zweiten Weltkrieg dienten 1935 entdeckte Radiumquellen in der Waldsiedlung Obercrinitz zu Heilzwecken. Zu Zeiten der DDR wurde im Ortsteil Herlagün ein großer Rinderstall errichtet.[1]

Der VEB Steinkohlenwerk "Karl Liebknecht" in Oelsnitz hat im Ort ein Kinder-Ferienlager für die Kinder seiner Betriebsangehörigen errichtet und unterhalten.

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Obercrinitz bringt man schon über vier Jahrhunderte lang das altsorbische Wort krinica (Quellbach oder Krummbach) mit dem mundartlichen Krinitz, dem Fichtenkreuzschnabel, in Beziehung.

Siegel der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Siegel von Obercrinitz ist ein Fichtenkreuzschnabel, der Krinitz, zu sehen. Der Vogel Krinitz wurde mit dem alten sorbischen Wort für Quellbach (Krinica) in Verbindung gebracht. Das älteste Obercrinitzer Siegel stammt aus dem Jahre 1562 und befindet sich im Stadtarchiv von Zwickau.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ev.-luth. Kirchgemeinde St. Johannis in Obercrinitz mit Lauterhofen und Herlagrün bildet ein Kirchspiel mit den Nachbargemeinden in Wildenau und Stangengrün innerhalb der Ephorie Zwickau. Eine Inschrift auf einem Deckenbalken der Saalkirche St. Johannis lässt vermuten, dass ein Vorgängerbau des Gotteshauses vermutlich um 1493 erbaut wurde. Im Stadtmuseum Zwickau kann man Teile eines geschnitzten Flügelaltars aus dem Jahre 1516 besichtigen.

Die heutige Kirche wurde 1716 im Barockstil errichtet und 1863 klassizistisch anmutent umgestaltet. Restaurierungen erfolgten 1938 und 1975. Die Orgel von 1856 baute Carl Gottlieb Jehmlich.[2] Der Altar von 1716 wurde 1938 wieder aufgestellt.

Im Ort gibt es weiterhin eine Landeskirchliche Gemeinschaft.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis in die 2000er Jahre existierte in Obercrinitz eine Mittelschule.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Obercrinitz führt die Ortsstraße durch das Crinitztal über Lauterhofen und Wolfersgrün nach Niedercrinitz. Seit 1893 hatte Obercrinitz mit einem Bahnhof am Crinitzberg Anschluss an die Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau–Carlsfeld. Die Streckenstilllegung auf dem Abschnitt zwischen Saupersdorf bei Kirchberg und Rothenkirchen erfolgte 1970.

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Granitbrüche in und bei Obercrinitz lieferten seit den 1870er Jahren Bau- und Pflastersteine, Packlager und Schotter für viele Baulichkeiten der Umgebung sowie in weitere entferntere Städte, wie Reichenbach, Chemnitz und Leipzig.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Taufstein bei Obercrinitz. In: Johann August Ernst Köhler Sagenbuch des Erzgebirges, S.11–14, Verlag Gärtner Schneeberg und Schwarzenberg 1886, Reprint Olms- Verlag Hildesheim 1978
  • Erich Spitzner: Heimatbuch der Gemeinde Obercrinitz, herausgegeben von Steffen Pachan, Zwickau 1993
  • Ewald Rannacher: Familienbuch für die Kirchengemeinde Obercrinitz (mit Lauterhofen und Lauterholz) nach der Kartei von 1940. Kopie der Familienblätter. Leipzig: Deutsche Zentralstelle für Genealogie 1994; 4442 Familien im Zeitraum 1600–1800
  • Hans-Georg Türke: Sächsischer Wanderführer. Band 5. Westerzgebirge und Zwickauer Land, S.27f., Chemnitzer Verlag, 1. Auflage 2011
  • Tourist Reisehandbuch Erzgebirge/Vogtland, Tourist Verlag Berlin und Leipzig 1980, S.420–422.
  • Taufstein bei Obercrinitz. In: Alfred Meiche: Sagenbuch des Königreiches Sachsen, S.921, Leipzig 1903

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Obercrinitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das östliche Vogtland (= Werte der deutschen Heimat. Band 59). 1. Auflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, ISBN 3-7400-0938-1, S. 62–65.
  2. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen II. München, Berlin 1998, S. 751
  3. O. Herrmann: Steinbruchindustrie und Steinbruchgeologie. Berlin 1899, S. 211