Ochotona

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Ochotona
Amerikanischer Pfeifhase (Ochotona princeps)

Amerikanischer Pfeifhase (Ochotona princeps)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Pfeifhasen (Ochotonidae)
Gattung: Ochotona
Wissenschaftlicher Name
Ochotona
Link, 1795
Pika in den kanadischen Rocky Mountains beim Grasfressen

Ochotona, manchmal auch Pikas genannt, ist die einzige rezente Gattung der Pfeifhasen aus der Ordnung der Hasenartigen (Lagomorpha). Sie besteht aus rund 30 lebenden Arten. Ihren Namen erhielten die Tiere wegen der hohen Töne, die sie als Warn- und Erkennungssignal von sich geben.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfeifhasen sind in Asien sowie mit zwei Arten im westlichen Nordamerika verbreitet. In Asien reicht ihr Verbreitungsgebiet von der Wolga über Zentralasien bis Sibirien und Hokkaidō, eingeschlossen die Mongolei, das westliche China, und die Himalaya-Region; in Nordamerika vom östlichen Alaska bis in die westlichen USA.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl die Pfeifhasen die nächsten Verwandten der Hasen sind, sehen sie diesen auf den ersten Blick nicht sonderlich ähnlich. Ihre Ohren sind klein und rund. Die Beine sind relativ kurz, wobei die hinteren Gliedmaßen kaum länger als die vorderen sind. Ihr dichtes weiches Fell ist graubraun oder rötlich braun gefärbt, wobei die Oberseite etwas dunkler als die Unterseite ist. Der Kopf ist rundlich, ein Schwanz ist nicht sichtbar. Pfeifhasen erreichen je nach Art eine Länge von 13 bis 30 Zentimetern (im Durchschnitt rund 20 Zentimeter).

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfeifhasen sind vorwiegend in gemäßigten und kühleren Klimaregionen anzutreffen. Ihr Lebensraum umfasst sowohl Steppen und offene Grasländer als auch gebirgige Regionen bis 6000 Meter Seehöhe, wo sie vor allem in Geröllhalden und zerklüftetem Gelände zu finden sind. Sie sind vorwiegend dämmerungsaktiv, sind aber auch tagsüber zu sehen. Obwohl etliche Arten in kalten Gegenden leben, halten sie keinen Winterschlaf. Während die steppenbewohnenden Arten oft in großen Gruppen zusammenleben und Erdbaue graben, sind die gebirgsbewohnenden Arten eher einzelgängerisch. Sie markieren ihr Territorium mit Kot oder Drüsensekret und verteidigen es vehement gegen Artgenossen.

Nahrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nahrung der Pfeifhasen besteht vorwiegend aus Gräsern, Kräutern und Pflanzenstängeln. Für die nahrungsarmen Winter legen sie Nahrungsvorräte aus Heu an. Dazu beißen sie Gräser knapp oberhalb der Wurzel ab, lassen sie manchmal in der Sonne trocknen und bringen sie dann in ihre Baue. Ein Lager eines einzelnen Tieres kann bis zu sechs Kilogramm Heu umfassen.

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnlich wie die Hasen sind Pfeifhasen durch eine hohe Fruchtbarkeitsrate gekennzeichnet. Zwei- oder dreimal oder öfter im Jahr bringt das Weibchen bis zu zwölf Jungtiere zur Welt. Neugeborene sind nackt und hilflos, wachsen aber sehr schnell. Sie werden nach drei bis vier Wochen entwöhnt und erreichen die Geschlechtsreife oft schon im ersten Lebensjahr.

Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfeifhasen bewohnen eher abgeschiedene, vom Menschen unberührte Regionen. In Zentralasien und China werden sie manchmal als Plage betrachtet, da sie Felder verwüsten und Bäume anknabbern. Manchmal nehmen Menschen auch ihre Heuvorräte, um sie an ihr Vieh zu verfüttern, was dazu führt, dass viele Tiere verhungern. In manchen Regionen (zum Beispiel in der Ukraine und im westlichen Russland) sind sie ausgestorben, andere Arten sind durch Zersiedlung ihres Lebensraumes selten geworden. Die IUCN listet zwei Arten als bedroht und mehrere andere als gefährdet.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfeifhasen in Kham
Altai-Pfeifhase (Ochotona alpinus)

Die Gattung wird in insgesamt etwa 30 lebende Arten unterteilt, wobei der konkrete Artstatus einzelner Arten und auch die Zuordnung und Verteilung von Unterarten sehr stark abhängig von der jeweils betrachteten Quelle ist.[1][2] Die folgende Systematik orientiert sich dabei an die Darstellungen von Andrei Alexandrowitsch Lissowski in seiner Revision von 2014[3] und im Handbook of the Mammals of the World von 2016:[2]

Wilson & Reeder 2005 unterscheiden neben diesen Arten noch Ochotona huangensis (nach Lissowski 2016 eine Unterart des Daurischen Pfeifhasen[2]), den Muli-Pfeifhasen (Ochotona muliensis; von Lissovsky als Synonym des Glover-Pfeifhasen betrachtet) und den Himalaya-Pfeifhasen (Ochotona himalayana; von Lissowski als Synonym des Royle-Pfeifhasen betrachtet). Hinzu kamen der Gaoligong-Pfeifhase (Ochotona gaoligongensis) und der Schwarze Pfeifhase (Ochotona nigritia),[1] die aktuell als Synonyme des Forrest-Pfeifhase betrachtet werden.[2] Ochotona sikimaria, traditionell eine Unterart von Ochotona thibetana, wurde 2016 in den Artstatus erhoben.[4]

Der Sardische Pfeifhase (Prolagus sardus) lebte noch in geschichtlicher Zeit auf Korsika, Sardinien und angrenzenden Inseln. Bejagung und Konkurrenz durch eingeschleppte Tiere dürften die Gründe für das Aussterben dieser Art gewesen sein. Die letzte Sichtung stammt aus dem 18. Jahrhundert. Der Korsische Pfeifhase (früher Prolagus corsicanus) lebte auf Korsika und stellt nach heutiger Ansicht eine Unterart dar.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Ochotonidae in Mammal Species of the World. A Taxonomic and Geographic Reference (3rd ed).
  2. a b c d A.A. Lissovsky: Ochotona. In: Don E. Wilson, T.E. Lacher, Jr., Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World: Lagomorphs and Rodents 1. (HMW, Band 6), Lynx Edicions, Barcelona 2016; S. 47 ff. ISBN 978-84-941892-3-4
  3. Andrey A. Lissovsky: Taxonomic revision of pikas Ochotona (Lagomorpha, Mammalia) at the species level. In: Mammalia 2014; 78(2): 199–216
  4. N. Dahal, A.A. Lissovsky, Z. Lin, K. Solari, E.A. Hadly, X. Zhan, U. Ramakrishnan: Genetics, morphology and ecology reveal a cryptic pika lineage in the Sikkim Himalaya. Molecular Phylogenetics and Evolution 106, 2016; S. 55–60. doi:10.1016/j.ympev.2016.09.015

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ochotona – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien