Ofatumumab

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Ofatumumab
Masse/Länge Primärstruktur 146 kDa
Bezeichner
Externe IDs
Arzneistoffangaben
ATC-Code L01XC10
Wirkstoffklasse Zytostatikum, monoklonaler Antikörper

Fab-Fragment (Fragment der Antigenbindung) von Ofatumumab

Ofatumumab (Arzerra, HuMax-CD20) ist ein humaner monoklonaler Antikörper (IgG1), der in der Therapie bestimmter Leukämiearten angewendet wurde.

Wirkungsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ofatumumab bindet spezifisch an das Protein CD20 auf den B-Lymphozyten, und zwar an ein bestimmtes Epitop, das beide extrazelluläre Schleifen, die kleine und die große, des CD20-Moleküls umfasst. Hierbei wird eine Zytotoxizität ausgelöst, die zu einer Lyse der Zellen führt. Ofatumumab wirkt auch bei Zellen, die gegen Rituximab resistent sind.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ofatumumab wurde bei Patienten mit einer chronisch lymphatischen Leukämie eingesetzt, die refraktär auf Fludarabin und Alemtuzumab sind. Die Zulassung, die auf dem Zwischenergebnis einer einarmigen multizentrischen Phase-III-Studie basiert, wurde unter der Auflage erteilt, dass weitere Studiendaten nachgereicht werden. Die Monotherapie mit Ofatumumab führte in der Zulassungsstudie bei doppelt refraktären Patienten zu einer Ansprechrate von 58 %. Ofatumumab wurde für den Einsatz bei weiteren Krebsarten untersucht, wie z. B. dem follikulären Non-Hodgkin-Lymphom und dem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom.

Dosierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das normale Infusionsschema umfasste 8 aufeinanderfolgende Infusionen im wöchentlichen Abstand mit 300 mg Ofatumumab bei der 1. und 2000 mg bei den folgenden Infusionen. Danach erfolgten 4 weitere Infusionen im monatlichen Abstand. Zusätzlich wurden ein Prednison-Äquivalent sowie ein Analgetikum und ein Antihistaminikum verabreicht.

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zulassungsstudie (Hx-CD20-406) traten neben Infusionsreaktionen, wie Fieber, Schüttelfrost und kardiale Ereignisse, häufig bakterielle, virale und Pilz-Infektionen auf. Häufige Nebenwirkungen sind außerdem Neutropenie, Thrombozytopenie, Leukopenie, Tachykardie, Übelkeit, Schmerzen in Nasen-Rachen-Raum und Rücken.

Nach dem Auftreten fulminanter Hepatitiden bei Therapie mit Ofatumumab wurde am 16. Dezember 2013 ein Rote-Hand-Brief veröffentlicht. Vor Beginn einer Behandlung wird ein Hepatitis-B-Virus(HBV)-Screening empfohlen. Patienten mit einer aktiven Hepatitis B dürfen nicht mit dem Antikörper behandelt werden. Im Falle einer positiven Hepatitis-B-Serologie muss eine mögliche Anwendung überwacht und gegebenenfalls von einer antiviralen Therapie begleitet werden.[1]

Zulassungsstatus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Medikament wurde von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), resp. der Europäischen Kommission im April 2010 zugelassen.[2] Die Zulassung durch die US-amerikanische Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) erfolgte im April 2014.[3] Im Mai 2014 sprach das CHMP ein positives Votum für eine Zulassungserweiterung in Europa aus.[4] Zum 28. Februar 2019 wurde das Medikament von Novartis vom Markt genommen und die Zulassung zurückgenommen. Grund hierfür war die sehr geringe Nachfrage, nachdem mittlerweile alternative medikamentöse Behandlungsmethoden existieren.[5]

Behandlung von Multipler Sklerose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Novartis entwickelt ein Arzneimittel zu Behandlung von Multipler Sklerose mit dem Wirkstoff Ofatumumab. In zwei Studien hat das Mittel unter dem Namen Asclepios den primären Endpunkt erreicht. Dabei wurde das Mittel einmal monatlich subkutan verabreicht.[6] Im Vergleich zu Teriflunomid ergeben sich eine bessere Schubrate und ein längerer Zeitraum bis zu einer Behinderungszunahme. Der Zulassungsantrag könnte noch 2019 eingereicht werden.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ABDA-Datenbank über WINAPO Lauer Taxe: Datenblatt zu Arzerra, Stand 15. Mai 2011
  • Pharmazeutische Zeitung, Stand 17. Mai 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Drug Safety Mail 2013-66 – Rote-Hand-Brief zu Arzerra® (Ofatumumab): Hepatitis-B-Virus(HBV)-Screening vor Behandlungsbeginn. (Memento vom 20. Dezember 2013 im Internet Archive) Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, 16. Dezember 2013.
  2. Arzerra-ofatumumab, European public assessment report (EPAR), abgerufen am 21. April 2014
  3. GSK and Genmab receive FDA approval for Arzerra® (ofatumumab) as first-line treatment in combination with chlorambucil for patients with Chronic Lymphocytic Leukaemia (CLL) for whom fludarabine-based therapy is considered inappropriate. (Memento vom 22. April 2014 im Internet Archive) PM von GSK, 17. April 2014; abgerufen am 21. April 2014
  4. GSK and Genmab receive CHMP positive opinion for Arzerra (ofatumumab) in combination with chlorambucil or bendamustine as a first-line treatment for patients with chronic lymphocytic leukaemia (CLL) who are not eligible for fludarabine-based therapy. (Memento vom 25. Mai 2014 im Internet Archive) PM von GSK, 23. Mai 2014; abgerufen am 25. Mai 2014
  5. DeutschesArztPortal – Rückruf vom 4. März 2019, abgerufen am 21. September 2019
  6. Novartis lässt mit Multiple-Sklerose-Mittel Konkurrenz im Schatten auf cash.ch, abgerufen am 21. September 2019
  7. Ofatumumab erreicht Studienendpunkte auf amsel.de, abgerufen am 21. September 2019