Ohr (Plattenlabel)

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Ohr war ein zwischen 1969 und 1973 aktives deutsches Plattenlabel im Vertrieb der Metronome, das eine Pionierrolle in der Verbreitung des so genannten Krautrocks spielte. Gründer (gemeinsam mit Peter Meisel), maßgeblicher Macher und Produzent war der Musikjournalist und Konzertveranstalter Rolf-Ulrich Kaiser. Einige der wichtigsten national und international bekannten deutschen Rockbands wie zum Beispiel Tangerine Dream, Embryo, Guru Guru und Ash Ra Tempel erhielten ihren ersten Schallplattenvertrag bei Ohr. Insgesamt erschienen 33 Langspielplatten (davon fünf Doppel-LPs) und zwölf 7-Inch-Singles auf dem Ohr-Label. Ab 1973 in Kosmische Kuriere (und später nochmals in Kosmische Musik) umbenannt, erschienen unter vertraglich oft ungeklärten Umständen weitere LPs unter der Regie Kaisers.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den ausgehenden 1960er Jahren sahen sich viele große Schallplattenfirmen (Major Labels) durch den explosionsartig wachsenden Rockmusik-Markt veranlasst, neue „progressive“ Labels für diesen noch sehr speziellen Markt ins Leben zu rufen (zum Beispiel EMI mit dem Label Harvest Records und Philips mit Vertigo Records, beide 1969). Das Metronome-Label erhielt mit Ohr die Chance, speziell deutsche Gruppen zu vermarkten. Der Kölner Musikjournalist Rolf-Ulrich Kaiser, der bereits 1968 die sehr erfolgreichen „Internationalen Essener Songtage“ mitveranstaltet hatte, griff auf seine hier sowie zuvor beim Burg-Waldeck-Festival gemachten Erfahrungen und Künstler-Kontakte zurück und veröffentlichte nach Produktionsbeginn im Spätjahr 1969 in schneller Folge eine Serie herausragender Schallplatten, deren künstlerischer Wert oft erst Jahre oder Jahrzehnte später erkannt wurde. Chefdesigner des neuen Underground-Labels war der Mainzer Grafiker Reinhard Hippen, den Kaiser ebenfalls seit den Burg-Waldeck-Festivals kannte; als Toningenieur wurde zunächst Dieter Dierks und danach der legendäre Conny Plank verpflichtet.

Viele der Originalausgaben der Ohr-Langspielplatten zählen mittlerweile unter Sammlern zu gesuchten Raritäten.[1]

Diskographie: Die Ohr-Schallplatten in chronologischer Reihenfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Langspielplatten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Best.-Nr. Interpret Titel
OMM 56000 Floh de Cologne Fließbandbabys Beat-Show März 1970
OMM 56001 Limbus 4 Mandalas März 1970
OMM 56002 Bernd Witthüser Lieder von Vampiren, Nonnen und Toten März 1970
OMM 56003 Embryo Opal April 1970
OMM 56004 Tangerine Dream Electronic Meditation Juni 1970
OMM 56005 Guru Guru UFO Juni 1970
OMM 2/56006 Various Ohrenschmaus September 1970
OMM 56007 Annexus Quam Osmose September 1970
OMM 56008 Amon Düül Paradieswärts Düül Januar 1971
OMM 56009 Roger Bunn Peace of Mind 1971
OMM 56010 Floh de Cologne Rockoper Profitgeier Januar 1971
OMM 56011 Paul und Limpe Fuchs/Anima Stürmischer Himmel Januar 1971
OMM 56012 Tangerine Dream Alpha Centauri Januar 1971
OMM 56013 Ash Ra Tempel Ash Ra Tempel März 1971
OMM 56014 Xhol Hau-RUK März 1971
OMM 56015 Birth Control Operation März 1971
OMM 56016 Witthüser & Westrupp Trips und Träume März 1971
OMM 556017 Guru Guru Hinten Juli 1971
OMM 2/56018 Various Mittens Ins Ohr
OMM 556019 Mythos Mythos Januar 1972
OMM 556020 Ash Ra Tempel Schwingungen März 1972
OMM 2/56021 Tangerine Dream Zeit Mai 1972
OMM 556022 Klaus Schulze Irrlicht Mai 1972
OMM 556023 Walpurgis Queen Of Saba Juni 1972
OMM 556024 Xhol Motherfuckers GmbH & Co. KG 1972
OMM 556025 Birth Control Believe In The Pill 1972
OMM 2/56027 Various Kosmische Musik Juli 1972
OMM 556028 Annexus Quam Beziehungen Juli 1972
OMM 2/56029 Floh de Cologne Lucky Streik Live November 1972
OMM 556030 Arno Clauss An Tante Gertie in Zons am Rhein 1972
OMM 556031 Tangerine Dream Atem Januar 1973
OMM 556032 Ash Ra Tempel Join Inn Januar 1973
OMM 556033 Floh de Cologne Geyer-Symphonie 1973

Anmerkung: Die Katalognummer OMM 556026 ist nicht besetzt. Die Aufnahme-/Veröffentlichungsdaten sind so weit wie möglich aus den Büchern von Freeman und Asbjørnsen sowie aus den entsprechenden Jahrgängen der Musikzeitschrift Sounds zusammengestellt.

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Best.-Nr. Interpret Titel
OS 57.000 Amon Düül Eternal Flow / Paramechanical World 1970
OS 57.001 Floh de Cologne St. Pauli, Du mein Loch zur Welt / Bruno-Lied 1970
OS 57.002 Witthüser & Westrupp Einst kommt die Nacht / Wer schwimmt dort (Flipper) 1970
OS 57.003 Birth Control Hope / Rollin’ 1970
OS 57.004 Witthüser & Westrupp Nimm einen Joint / Lasst uns auf die Reise gehen 1971
OS 57.005 Birth Control The Work Is Done / Flesh And Blood 1971
OS 57.006 Tangerine Dream Ultima Thule 1971
OS 57.007 Birth Control What’s Your Name / Believe In The Pill 1972
OS 57.008 Golgatha Dies Irae / Children’s Game 1972
OS 57.009 Floh de Cologne Emil in Erkenschwick / Zahlen mußt Du 1972
OS 57.011 Arno Clauss Karlchen oder So kann das nicht weitergeh’n/
Manchen Leuten möchte ich gerne in die Fresse schlagen
OS 57.012 Floh de Cologne Der Löwenthaler / Bayerisches Heimatlied (mit Dieter Süverkrüp) 1973

Anmerkung: Die Katalognummer OS 57.010 wurde nie veröffentlicht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Asbjørnsen, Dag Erik: Cosmic Dreams At Play. A Guide to German Progressive & Electronic Rock. Glasgow: Borderline 1996 ISBN 1-89985-501-7
  • Freeman, Steven und Freeman, Alan: The Crack in the Cosmic Egg. Encyclopedia of Krautrock, Kosmische Musik & Other Progressive, Experimental & Electronic Musics from Germany. Leicester: Audion, 1996 ISBN 0-9529506-0-X
  • Sounds Platten 66-77. 1827 Kritiken. Frankfurt am Main 1979

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vinyl liegt im Trend. Plattensammeln.de, abgerufen am 30. Oktober 2013.