Oliver Rast

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Oliver Rast (* 1973 in West-Berlin) ist ein Aktivist. Er war Mitglied der kriminellen Vereinigung militante gruppe und ist derzeit in der von ihm mitinitiierten sogenannten Gefangenengewerkschaft/Bundesweite Organisation (GG) aktiv.

Oliver Rast kommt nach eigenen Angaben aus einem sozialdemokratischen Umfeld, sein Vater war Kraftfahrer bei den Wasserwerken Berlin und seine Mutter Angestellte in einer Buchhaltung. Zunächst organisierte er sich bei den Jusos und der regionalen Gliederung der Grünen in Berlin bevor er in Sozialen Bewegungen aktiv wurde. "Innerfamiliär waren so zwei Kernlinien einfach klar: Nazis sind scheiße, Krieg ist scheiße, das war für meine Eltern so ein Ansatzpunkt, sozialdemokratisch zu wählen." sagte er 2015 im DRadio.[1] Vor seiner Inhaftierung arbeitete Rast im "Roten Antiquariat" in Berlin.

Rast wurde vom Kammergericht Berlin mit Urteil vom 16. Oktober 2009 insbes. wegen versuchter Brandstiftung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Revision wurde vom Bundesgerichtshof mit Beschluss vom 3. Mai 2011 verworfen.[2]

Rast verbüsste seine Strafe in der JVA Tegel und arbeitete dort in der Buchbinderei.[3] Schon wenige Monate nach seiner Inhaftierung begann Rast mit der gewerkschaftlichen Organisierung im Gefängnis. Im Mai 2014 gründete er die Gefangenengewerkschaft/Bundesweite Organisation (GG). Bereits 1968 wurde eine Deutsche Gefangenengewerkschaft gegründet, die aber nicht mehr existierte. Die GG setzt sich für Mindestlohn und eine Rentenversicherung für im Vollzug tätige ein. Die Rechtsform war bei der Gründung der Gewerkschaft unklar, ebenso der Status und die Rechte ihrer Mitglieder.

Unmittelbar nach der "Gründung" wurden in der JVA Tegel Unterlagen und Unterstützungsformulare bei den Gründern beschlagnahmt.[4][5] Unterstützer organisierten eine Demonstration unter dem Motto „Gewerkschaftsfreiheit auch im Knast“ vor dem zuständigen Berliner Justizsenat, an der nach Eigenaussage der Veranstalter "knapp vierzig Kolleg*innen" teilnahmen.[6]

Am 10. September 2014 wurde Rast aus der Haft entlassen.[7]

Im November 2017 veröffentlichte der Journalist Frank Brunner im Verlag Bastei Lübbe ein Buch, in dem er die Jagd der Ermittlungsbehörden auf die "militante Gruppe" rekonstruiert. Parallel dazu erzählt der Autor den Werdegang Oliver Rasts vom Juso zum Linksradikalen. Am Ende des Buches wird deutlich, dass sich Rast bis heute nicht von Linksradikalismus distanziert.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Brunner: Mit aller Härte. Wie Polizei und Staatsschutz Linksradikale jagen, Lübbe 2017

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DRadio Kultur Beitrag von Annette Scheld http://www.deutschlandradiokultur.de/sprecher-der-gefangenengewerkschaft-rente-und-mindestlohn.2165.de.html?dram:article_id=329926
  2. Haftantritt der Verurteilten im mg-Prozess, Wer die Macht hat, hat das Recht I: Haftantritt der Verurteilten im mg-Prozess, Indymedia, 13. Juli 2011
  3. DRadio Kultur Beitrag von Annette Scheld http://www.deutschlandradiokultur.de/sprecher-der-gefangenengewerkschaft-rente-und-mindestlohn.2165.de.html?dram:article_id=329926
  4. Zellenrazzia in Tegel bei Oliver Rast nach Gewerkschaftsgründun, Indymedia, 27. Mai 2014
  5. Peter Nowak und Sven Wegner: Wenn das Gefängnis keine gewerkschaftsfreie Zone mehr ist, Telepolis, 30. Mai 2014
  6. Bericht Kundgebung „Gewerkschaftsfreiheit auch im Knast“, Indymedia, 14. August 2014
  7. Pressemitteilung zur heutigen Haftentlassung von Oliver Rast, Rote Hilfe, 10. September 2014
  8. Frank Brunner: Mit aller Härte. Wie Polizei und Staatsschutz Linksradikale jagen, Lübbe 2017