Orschel-Hagen

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Orschel-Hagen
Koordinaten: 48° 31′ 11″ N, 9° 12′ 16″ O
Postleitzahl: 72760
Vorwahl: 07121
Die Hochhäuser der Frankfurter Straße in Orschel-Hagen aus Richtung Nord-Ost (2013)

Die Trabantenstadt Orschel-Hagen im Norden von Reutlingen, einer Großstadt im Zentrum Baden-Württembergs, beheimatet heute ca. 6.600 Einwohner[1]. Aufgrund der starken Wohnungsnot, die in Reutlingen herrschte, wurde auf einer Fläche von ca. 80 Hektar der neue Stadtteil von 1960 bis 1970 in sieben Bauabschnitten errichtet. Nach Abschluss der Bauarbeiten zählte Orschel-Hagen etwa 10.000 Einwohner, was etwa 12,5 % der Reutlinger Gesamtbevölkerung ausmachte. Die Bautätigkeiten wurden von der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) organisiert und mit Finanzmitteln des Bundes unterstützt (Modellstadt).

In Orschel-Hagen, das auch als Gartenstadt bezeichnet wird, wurde eine umfassende Infrastruktur geschaffen. Es gibt heute zwei Schulen, mehrere Kindergärten, ein Hallenbad, einen Polizeiposten sowie am Dresdner Platz ein Einkaufszentrum mit Arztpraxen, Logopädiepraxis, Jugendhaus, Seniorentreff, Apotheke, Banken, Außenstelle der Stadtbibliothek, privater Musikschule und diversen Läden und Gastronomie. Südlich des Zentrums liegen die katholische St.-Andreas-Kirche und die evangelische Jubilatekirche.

Der ÖPNV wird durch die Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft betrieben. Die Bus-Linien 1, 4 und 41 (Nachtbusse: N6 und N7) enden in Orschel-Hagen, die Linien 3 und 31 (Nachtbuslinien: N8 und N9) streifen westlich an Orschel-Hagen und fahren die nördlichen Reutlinger Stadtbezirke an. Früher war Orschel-Hagen durch die Reutlinger Straßenbahn angebunden, deren Trasse ab dem Abzweig von der Rommelsbacher Straße noch gut zu erkennen ist: auf ihr verläuft ein Geh- und Radweg südlich des Wimpfener Wegs nach Osten bis zum Leutkircher Weg, wo auf der ehemaligen Wendeschleife ein Spielplatz angelegt ist, im Volksmund "der Achter" genannt.

Vom Zentrum von Orschel-Hagen bis zum Autobahnzubringer nach Stuttgart (B 27) sind es circa sechs Kilometer Fahrstrecke.

Von 1973 bis 1976 war in Orschel-Hagen das Grundschulmodell Gutenbergschule Reutlingen Orschel-Hagen angesiedelt. Heute ist die Schule eine zwölfklassige Förderschule.

Im 2-jährigen Rhythmus findet das Stadtteilfest statt. Es wird zentral auf dem Dresdner Platz gefeiert, zuletzt am 1. und 2. Juli 2017, samstags mit Unterhaltungs- und Spielprogramm, sonntags mit einem ökumenischen Gottesdienst und anschließendem Essen.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Orschel-Hagen leitet sich von den beiden im Norden Reutlingens gelegenen Fluren ab, auf denen der Stadtteil in den 1960er Jahren errichtet wurde. Der Name Orschel wurde erstmals 1334 als bi Ratolf offen hinder Norsel erwähnt, im 16. Jahrhundert etablierte sich der Name Orschel. Der erste Bestandteil des Namens Norsel könnte sich auf die geographische Lage im Norden der Reutlinger Gemarkung beziehen. Wille leitet den Namensbestandteil -sel von Althochdeutsch selida (=Haus, Hütte) ab,[2] sodass der Name Orschel auf einen kleineren Bauernhof im Norden Reutlingens Bezug genommen haben könnte. Der Name Hagen taucht erstmals 1307 als uf dem Hag auf und erschien 1454 erstmals in der heutigen Schreibweise. Wille nimmt den schwäbischen bzw. mittelhochdeutschen Ursprung Hagen (= Dornbusch, Einfriedung) an; Hagen könnte somit eine mit Dornbüschen umgrenzte Weide beschrieben haben.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Reutlingen: Stadt Reutlingen im Spiegel der Statistik 2015. November 2016.
  2. Wolfgang Wille: Opferstein und Ofenschelter – Reutlinger Flurnamen und ihre Geschichte. In: Reutlinger Geschichtsblätter NF 54 (2015). S. 85.
  3. Wolfgang Wille: Opferstein und Ofenschelter – Reutlinger Flurnamen und ihre Geschichte. In: Reutlinger Geschichtsblätter NF 54 (2015). S. 51.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]