Altenburg (Reutlingen)

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Koordinaten: 48° 32′ 51″ N, 9° 10′ 55″ O

Altenburg
Wappen von Altenburg vor der Eingemeindung
Höhe: 306 (300–360) m
Fläche: 2,61 km²
Einwohner: 1837 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 704 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 72768
Vorwahl: 07121
Altenburg (Baden-Württemberg)
Altenburg

Lage von Altenburg in Baden-Württemberg

Altenburg ist ein Stadtteil von Reutlingen im Landkreis Reutlingen in Baden-Württemberg. Bezirksbürgermeister ist Frank Hofacker.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altenburg liegt im Norden des Stadtgebietes am Neckar zwischen Kirchentellinsfurt und Oferdingen. Am westlichen Ortsrand verläuft die Bundesstraße 464, die den Ort vom Industriegebiet abtrennt. Im Nord-Osten liegt ein Baggersee. Durch den Ort führt die Kreisstraße 6727.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römische Spuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der westlich vom Ort gelegenen Madenburg (heutiges Industriegebiet Mahden) stand eine ziemlich ausgedehnte römische Niederlassung. Bauern stießen bei Feldarbeiten dort immer wieder auf Mauerreste, römische Ziegel und Heizröhren. Südlich davon führte eine Römerstraße vorbei, die von Kirchentellinsfurt über Altenburg nach Oferdingen verlief. Von der Madenburg ging ein alter Heeresweg nach Gniebel und Walddorf ab. In neuer Zeit war diese Anlage in Vergessenheit geraten, obwohl die Beschreibung des Oberamts Tübingen 1867 davon berichtete. Die Anlage der Villa Rustica wurde bei Arbeiten an der B 464 wiederentdeckt. Damit ist die Besiedlung zur Zeit der Römer nachgewiesen.

Mittelalter und Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die auf der Höhe am Nordende des Dorfes stehende Kirche wurde 1654 an der Stelle einer dem heiligen Nikolaus geweihten Kapelle erbaut. Beide Glocken wurden 1837 von Christian Adam Kurtz und Sohn in Reutlingen gegossen. Um die Kirche verläuft im Westen eine alte feste Mauer; auch Spuren eines Grabens deuten auf die Ortsburg hin, die dort vor 1070 gestanden sein soll. Hinweise auf die Existenz einer Burg, geben auch die Flurnamen (Luckenäcker, Falltor) und die Siebenscheuer, die 1969 dem evangelischen Kindergarten weichen musste. Zweifellos verdankt der Ort dieser Burg seinen Namen.

Altenburg gehörte den Grafen von Achalm-Urach und bildete mit Degerschlacht, Rommelsbach und Sickenhausen einen eigenen Gerichtsbezirk. Die Grafenbrüder Kuno von Wülflingen und Liutold von Achalm-Urach wollten dort um 1089 ein Kloster gründen, da sie den Ort „wegen der Anmut seiner Lage, der guten Viehweiden und der Fische im Neckar, sehr angenehm und wohnlich“ fanden. Es erhoben sich aber Bedenken wegen der bergigen Lage und des Mangels an Quellwasser. Schließlich gründeten die Grafen 1089 das Kloster in Zwiefalten. Zu dessen Aussteuer gehörte Altenburg samt St.-Nikolaus-Kapelle und einer Mühle. Im Laufe der Zeit verkaufte das Kloster seine Höfe, doch es dauerte bis ins Jahr 1730, bis der gesamte klösterliche Besitz durch Vertrag an Württemberg überging. Auch die Johanniterkommende Dätzingen und Rohrdorf besaß Gefälle in Altenburg, welche 1809 von Württemberg verstaatlicht wurden.

Der größte Teil Altenburgs war schon Anfang des 15. Jahrhunderts an die Reutlinger Familie Teufel übergegangen. Hans Teufel verkaufte am 22. Januar 1444 Altenburg, Sickenhausen, Rommelsbach und Degerschlacht mit „Vogtei, Gericht, Leuten, Gütern und Gefällen, wie er dies alles von seinem Vater ererbt hatte“, für 2800 Gulden an den Grafen Ludwig von Württemberg. Nach der Reformation wurde Altenburg dem Amt Tübingen zugeteilt. Dort stellte es bis 1738 den Oberschultheißen, bis es Filial von Oferdingen wurde und auch das Gericht dorthin abgeben musste.

Während der Pestzeit zwischen 1609 und 1611 starben im ganzen Tübinger Amt insgesamt 2668 Menschen. In Altenburg wurden damals 55 Personen dahingerafft. Im Dreißigjährigen Krieg teilte der Ort das Schicksal seiner Nachbargemeinden. Die Nikolauskapelle wurden nach der Schlacht bei Nördlingen beschädigt.

Erst 1844 erhielt Altenburg einen eigenen Pfarrverweser. Im gleichen Jahr wurde der ummauerte Begräbnisplatz östlich des Ortes angelegt. Bis dahin wurden die Toten auf dem Friedhof von Oferdingen beigesetzt. 1867 verzeichnete das Dorf 425 Einwohner.[1] Am 1. Januar 1972 wurde Altenburg im Zuge der Gemeindereform in die Stadt Reutlingen eingemeindet.[2]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panorama von Altenburg (von Sickenhausen aus gesehen), im Hintergrund Pliezhausen und Mittelstadt

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beschreibung des Oberamts Tübingen. Herausgegeben von dem Königlichen statistisch-topographischen Bureau. Stuttgart, H. Lindemann.1867.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 531.