Trabantenstadt

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Trabantenstädte (auch Trabantensiedlung) sind wirtschaftlich relativ selbständige Siedlungen in der Umgebung einer größeren Stadt.[1] Sie zeichnen sich im Gegensatz zur Satellitenstadt, die überwiegend von der Wohnfunktion dominiert wird, durch eine höhere Arbeitsplatzdichte und eine eigene Infrastruktur aus. Im Gegensatz zu Satellitenstädten ist das Pendlersaldo aufgrund des eigenen Arbeitsplatzangebots geringer.

Die Definition der Begriffe Trabantenstadt und Satellitenstadt ist umstritten, wobei hier der weiter verbreiteten Einteilung gefolgt wird, der auch Burkhard Hofmeister, der Autor des Standardwerkes „Stadtgeographie“, folgt und die international üblicher ist. Rudolf Hillebrecht und Heineberg, der Autor des Werkes „Grundriß Allgemeine Geographie: Stadtgeographie“, benutzen die beiden Begriffe genau in der umgekehrten Weise.

Eine Trabantenstadt ist wie eine vollwertige eigene Mittelstadt im Umfeld einer großen Stadt. Währenddessen ist die Satellitenstadt eher eine Schlafstadt, die sehr viele Einwohner morgens in Richtung große Stadt verlassen und in die sie nach der Arbeit zurückkehren. Beide Stadtformen sind somit zwar im Umfeld einer größeren Stadt angesiedelt, stellen von der Grundidee her aber unterschiedliche Konzepte dar.

Satellitenstädte und -siedlungen entstehen oft auf der „grünen Wiese“, das heißt auf Flächen, die zuvor nicht zum Siedlungsbereich der Stadt oder der Gemeinde gehörten. Dazu sind in aller Regel baurechtliche Umwidmungen von zuvor meist landwirtschaftlich genutzten Bodenflächen in Bauland notwendig; solche Umwidmungsvorgänge und die dadurch meistens eintretende und teils enorme Wertsteigerung der betroffenen Bodenflächen bzw. Grundstücke werden oft mit der ironischen Redewendungfünfte Fruchtfolge“ umschrieben.

Beispiele für Trabantenstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barra da Tijuca

Brasilien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nowa Huta

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild von Berlin-Marzahn
Ostdeutsche Großwohnsiedlungen
Märkisches Viertel
Westdeutsche Großwohnsiedlungen

Der Bau westdeutscher Großwohnsiedlungen wurde meist in der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er und 1960er Jahren begonnen. Auch in den 1970er Jahren wurden noch große Wohnprojekte begonnen. Teilweise dauerte die Bebauungsphase, wie zum Beispiel in Nürnberg-Langwasser, mehrere Jahrzehnte.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Rieke: Seydlitz Geographie Oberstufe. Schroedel, Braunschweig 2006.
  2. Boris Herrmann: Rio de Janeiro – Olympia droht ein beispielloses Chaos. In: Süddeutsche Zeitung, 19. Juni 2016.
  3. Ewald Gläßer, Rolf Lindemann, Jörg-Friedhelm Venzke: Nordeuropa. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, S. 40.
  4. Konrad H. Jarausch: Aus der Asche. Eine neue Geschichte Europas im 20. Jahrhundert. Reclam, Ditzingen 2015.
  5. Werner Zettelmeier: Hochschulentwicklung und Hochschulpolitik in Frankreich seit 1988. In: Frankreich-Jahrbuch 1992. Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Geschichte, Kultur. Leske + Budrich, Opladen 1992, S. 169–184, auf S. 175.
  6. Wenzel Müller: Ein Sonntag im Plattenbaugebiet. 60 km von Wien entfernt: eine fremde Welt. In: Augustin, 30. März 2016.
  7. Katharina Wiegmann: Stadt der Träume. In: Prager Zeitung, 12. Oktober 2016.
  8. Ekkehard Buchhofer: Strukturwandel des oberschlesischen Industriereviers unter den Bedingungen einer sozialistischen Wirtschaftsordnung. Kieler geographische Schriften, Band 46. Geographisches Institut der Universität Kiel, 1976, S. 199.
  9. Gerhard Hanak, Inge Karazman-Morawetz, Krzysztof Krajewski: Globale Ängste, Kriminalitätsfurcht und die Unordnung der Stadt. Unsicherheit in Krakau und Wien. In: Klaus Sessar u. a.: Großstadtängste – Anxious cities. Lit Verlag, Wien/Berlin 2007, S. 69–98, auf S. 78.