Oscar Tietz

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Kaufmann Oscar Tietz. Zum Radrennfahrer siehe Oskar Tietz.

Oscar Tietz (* 18. April 1858 in Birnbaum an der Warthe, Provinz Posen; † 17. Januar 1923 in Klosters) war ein deutsch-jüdischer Kaufmann. Er gründete das Hertie Waren- und Kaufhaus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oscar Tietz wurde als Sohn des Fuhrmanns Jakob Tietz und seiner Frau Johanna geboren. Sein Bruder Leonhard Tietz (1849–1914) gründete in Stralsund ebenfalls ein Kaufhaus, aus dem sich der Kaufhof-Konzern entwickelte. Mit seiner Frau Betty (Rebecka) (1864–1947) bekam Oscar Tietz drei Kinder: Georg, Martin und Else, deren Ehemann Dr. Hugo Zwillenberg neben den Schwägern dritter Teilhaber des Unternehmens wurde.

Nach einer kaufmännischen Lehre und ersten Anstellungen eröffnete Oscar Tietz am 1. März 1882 mit finanzieller Unterstützung seines Onkels Hermann Tietz in Gera das Garn-, Knopf-, Posamentier-, Weißwaren- und Wollwarengeschäft Hermann Tietz, das bereits wesentliche Merkmale moderner Warenhäuser aufwies: Festpreise, Sofortzahlung und ein breites, nicht zusammenhängendes Sortiment. Ab 1886 eröffnete Tietz weitere Warenhäuser in verschiedenen deutschen Städten und 1900 schließlich auch in Berlin.

Oscar Tietz gründete 1903 den Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser (VDWK) und initiierte 1919 die Gründung der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels HDE, den heutigen Handelsverband Deutschland. Der VDWK wurde ihr Mitglied.[1] 1909 trat Tietz der Gesellschaft der Freunde bei. Im Vorstand vom Hilfsverein der deutschen Juden und in der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin setzte er sich für die Aufnahme von Flüchtlingen ein, die 1903–1905 nach den antijüdischen Pogromen aus Russland geflohen waren. Auch sonst erwies sich Oscar Tietz als offener Geist: 1913 empfing er eine internationale Gruppe von Feministinnen zum Tee.[2]

Grabstätte Tietz in Weißensee

Die Grabstätte der Familie befindet sich im Feld O2 des Jüdischen Friedhofs in Berlin-Weißensee. An seinem Geburtsort Birnbaum (heute Międzychód) erinnern ein Gedenkstein und ein Straßenname an ihn.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nils Busch-Petersen: Oscar Tietz – von Birnbaum / Provinz Posen zum Warenhauskönig von Berlin, 1. Auflage. Potsdam, 2004, S. 54.
  2. Clara Bewick Colby: "Berlin to Budapest", in: Ius Suffragii - International Woman Suffrage News, Juli 1915, S. 7.