Oskar Lagger

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Oskar Lagger (* 11. Februar 1934 in Münster, Wallis – heute Gemeinde Goms) ist ein Schweizer Komponist und Kapellmeister.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oskar Lagger wuchs in der Kantonshauptstadt Sitten auf. Dort besuchte er die obligatorischen Schulen und anschliessend das Kollegium Sitten, welches er 1956 mit der klassischen Matura (Englisch und Latein) abschloss. Von 1956 bis 1962 studierte er in Paris. An der École César Franck studierte Oskar Lagger Komposition und Gesang und schloss in beiden Fächern mit Diplom ab. Er studierte Musikwissenschaften an der Sorbonne, Orgel und gregorianischen Gesang am Institut de musique sacrée de l’ Université catholique ebenfalls in Paris. Danach setzte er sein Gesangstudium in Wien fort und machte sich dort mit der Zwölftonmusik vertraut.

Während der Sommerferien arbeitete Oskar Lagger als Touristenführer an der Staumauer der Grande Dixence, dabei kam ihm seine Zweisprachigkeit (deutsch und französisch) zu gut.

Nach dem Abschluss seiner Studien kehrte Lagger in Wallis zurück. Auf das Schuljahr 1962/1963 wurde er als Musik- und Gesanglehrer an das deutschsprachige Lehrerseminar in Sitten berufen. Er unterrichtete ebenfalls am Priesterseminar und am Konservatorium in Sitten. Oskar Lagger setzte seine Gesangstudien fort und nahm Unterricht bei Jakob Stämpfli, Paul Lohmann, Laura Sarti u.a.

Während 30 Jahren war Oskar Lagger Chorleiter an der Kathedrale in Sitten. Von 1971 bis 1996 dirigierte er den Chor Pro Arte des Konservatoriums Sitten.

Von 1982 bis 1994 war Oskar Lagger Direktor des Konservatoriums Sitten. Er führte die Arbeit seiner Vorgänger weiter, verbesserte und verfeinerte das Angebot dieser Institution. Er setzte sich für günstigere Studiengebühren, verbesserte Anstellungsbedingungen der Lehrpersonen und eine Erhöhung der kantonalen Subventionen ein. Während dieser Zeit war er oft als Jurymitglied an Sänger- bzw. Chortreffen tätig und fungierte als Prüfungsexperte an anderen Konservatorien. Oskar Lagger ist verheiratet mit Cécile Lagger-Nussbaum und hat fünf Kinder.

Musikalisches Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ziel Oskar Laggers war stets die Förderung junger Talente, sei es als Lehrer am Lehrerseminar in Sitten oder als Lehrer und späterer Direktor am Konservatorium in Sitten. Unter anderen genossen Brigitte Balleys, Mezzosopran; Brigitte Fournier, Sopran und Norbert Carlen, Bariton bei Oskar Lagger ihre musikalische Ausbildung.

Am Lehrerseminar Sitten gründete er den Grossen Chor des deutschsprachigen Lehrerseminars. Da am damaligen Lehrerseminar nur Männer unterrichtet wurden, schrieb er zu vielen Volkliedern Sätze für vierstimmigen Männerchor. Für talentiertere Sänger gründete Lagger den Kleinen Chor. Mit dem Kleinen Chor des Lehrerseminars Sitten trat Oskar Lagger jedes Jahr zu Konzerten im Mittelwallis und im deutschsprachigen Oberwallis auf. Bei diesen Konzerten wurde der Chor unterstützt von professionellen Sängerinnen und Instrumentalisten. Durch die gesangliche und musikalische Ausbildung der Lehrer am Lehrerseminar gab Oskar Lagger dem Chorgesang und der Schulmusik im Oberwallis wesentliche und nachhaltige Impulse. Zahlreiche Oberwalliser Lehrer verdanken ihre musikalische Grundausbildung als spätere Chorleiter oder Organisten dem Einsatz und Wirken Oskar Laggers. Als musikalischer Leiter führte Oskar Lagger die ihm anvertrauten Chöre mit viel Energie und Engagement. Mit den von ihm geleiteten Vereinen realisierte Oskar Lagger zahlreiche Konzerte sei es als Chorleiter oder als Solist. Er dirigierte regelmässig den Chor der Kathedrale Sitten bei den Gottesdiensten an Sonn- und Festtagen und bei Beerdigungen. Den liturgischen Anforderungen des Kirchenjahres entsprechend sang dieser Chor unter Oskar Lagger anspruchsvolle Messen und andere religiöse Werke.

Im Jahr 1971 gründete Oskar Lagger den Chor Pro Arte Sion. Mit diesem Chor verfolgte Lagger gemäss den Statuten des Vereins von Anfang an ein doppeltes Ziel: einerseits die Förderung qualitativ hochstehender Chormusik und andererseits die Erarbeitung eines breit gefächerten Repertoires von barocker bis zeitgenössischer Chormusik. Mit diesem Chor trat Oskar Lagger erfolgreich an internationalen Chorwettbewerben auf. Er erarbeitete mit dem Chor Pro Arte Sion Messen von Mozart, Haydn, Schubert und Puccini, Kantaten von Bach, die Requiem von Brahms und Fauré, Operetten von Offenbach und zeitgenössische Musik von Calmel, Taillefer und Orff.

Oskar Lagger war Mitglied und später Präsident der Musikkommission des Verbands Walliser Gesangvereine (VWG).

Solistenkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oskar Lagger war als Sänger im In- und Ausland tätig. Seine solistische Tätigkeit als Bass führte ihn nach Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und Südafrika.

Kompositorisches Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während seiner hauptberuflichen Tätigkeiten fand Oskar Lagger wenig Zeit für grössere kompositorische Arbeiten. Seit seiner Pensionierung als Direktor des Konservatoriums Sitten im Jahr 1994 komponiert Lagger nun häufiger. Dabei entstanden zahlreiche weltliche und kirchliche Lieder und Werke aber auch Arrangements für gemischten Chor, Kinder- und Männerchöre, mit Klavier-, Orgel- und/oder Orchesterbegleitung. Dabei ist Johann Sebastian Bach sein grosses musikalisches Vorbild. Lagger entwickelte aber in Laufe der Jahre seinen eigenen kompositorischen Stil. Viele Kompositionen schrieb Lagger auf Texte in der Oberwalliser Mundart, insbesondere die Texte von Adolf Imhof, Hannes Taugwalder und Pfarrer Eduard Imhof inspirierten Oskar Lagger zu seinen Kompositionen. Oskar Laggers Chorwerke haben internationale Verbreitung erfahren und werden von Chören bei Konzerten und Chorwettbewerben aufgeführt.

Hervorgetan hat sich Oskar Lagger auch durch die Bearbeitung fremder Chorwerke und deren Anpassung an die von ihm dirigierten Chöre. Besonders viele Bearbeitungen hat Lagger für Männerchor gesetzt. Zu vielen Liedern schrieb er einen vierstimmigen Satz.

Literatur zur Musiktheorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oskar Lagger verfasste auch musikwissenschaftliche und pädagogische Schriften: Exercices vocaux pour choeur Stimmtechnik: Atmung, Phonetik, Übungen (1967)

Werkverzeichnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Handbuch Schweizer Chor-Komponisten (Musikverlag Hug) führt ein ausführliches Werkverzeichnis des Komponisten Oskar Lagger auf. Die unten aufgeführten Werke ergänzen dieses Verzeichnis. Für Gemischten Chor:

  • Abschied vam Rhonetal; Text: Adolf Imhof
  • Der Walliser Wässermaa; Text: Ludwig Imesch
  • Drr Wolf chunnt
  • z Brig kej Geiss; Text: Prf. Eduard Imhof

Für Kinderchor:

  • Drr Wolf chunnt
  • D‘ Miisch; Text: Hannes Taugwalder
  • Miis lieb Aletsch

Für Männerchor:

  • Abschied vam Rhonetal
  • Dum Himmul am nechschte
  • Jütz derzüe
  • Miis Goms
  • Vischpertärminu; Text: Hannes Taugwalder

Für gemischten Chor mit Klavierbegleitung:

  • Tulipa Grengiolensis; Text: Pfr. Eduard Imhof
  • Glisertanz; Text: traditionell
  • Zer Taferna; Text: Adolf Imhof

Für Chor und Orgel:

  • Grängjer Mäss; Text: Eucharistie
  • Glockenmesse, (2001) dreistimmiger Chor und Orgel

Für Chor, Soli und Orchester:

  • Stockalperis Edictum Kantate; Text: Pfr. Eduard Imhof
  • Le curé de Yerkalo, sur les traces de Maurice Tornay, (2000)
  • L’âme de Coubertin, (2001)
  • Le miracle de Théophile de Rutebeuf, (2003)
  • Wäger Baschi Kantate: Text: Pfr. Eduard Imhof
  • Schiner Oratorio (2012)
  • Caecilia – Caeli Lilia, Kantate; Text: Pfr. Eduard Imhof
  • Le Gros-Bellet; Text von Eric Morisod.
  • Histoire d‘ autre; Texte von Philippe Baud (Auftragskomposition zur 100 Jahr Feier des Verbands Walliser Gesangvereine)

Instrumental:

  • 27 Pièces pour orgue
  • Sanetsch 91, (1991) Marsch für Harmoniemusik
  • Quatre paysages du Moyen Orient, (1999) für Streichorchester
  • Orchestermusik und Soloeinlagen für das Theaterstück „Der letzte Sander“ (2000)
  • Astro-Safari; Texte: Pfr. Eduard Imhof, für Akkordeon, auch für Klavier- und Streichquartett umgeschrieben.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für sein Werk Ave maris stella erhielt Oskar Lagger 2001 den 1. Preis des Kompositionswettbewerbs des Verbands Walliser Gesangvereine VWG (Fédération des Sociétés de Chant du Valais).

Oskar Lagger erhielt den 1. Grossen Preis am Alpenchorfestival 2012 Brig für folgende vier Werke:

  • Ds Karusell Kat. A Text: Hannes Taugwalder, Zermatt/Aarau (1910–2007)
  • Vischperterminu (MC) Kat. BText: Hannes Taugwalder
    Kulturpreis der Gemeinde Goms an Oskar Lagger 2017
    Kulturpreis der Gemeinde Goms an Oskar Lagger 2017
  • Im Aletsch (FC) Kat. B Text: Peter Imhof, Ried-Brig
  • D'Mijsch Kat. C Text: Hannes Taugwalder

[1]

Er erhielt einen 2. Preis anlässlich des Kompositionswettbewerbs der Société cantonale des chanteurs fribourgeois mit „Les réfugiés“ nach einem Text von Josiane Haas.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Anerkennung der dem Verband geleisteten Dienste wurde Oskar Lagger zum Ehrenmitglied des Verbands Walliser Gesangvereine ernannt.

Am 11. Juni 1917 ernannte die Gemeinde Goms Oskar Lagger zum ersten Kulturpreisträger. Anlässlich eines Konzerts in der Pfarrkirche von Münster wurde der Kulturpreis überreicht.[2][3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schweizer Chor-Komponisten Biographien, Werkverzeichnisse mit Diskographie und Bibliographie, Hug Musikverlage, S. 211–214, ISBN 3-906415-70-8.
  • Regionalzeitung Aletsch-Goms vom 13. März 2015 S. 16–18

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1] Alpenchorfestival Brig 2012; Rangliste des Kompositionswettbewerbs
  2. Walliser Bote vom 13. Juni 2017, Artikel von Alois Grichting, Seite 8, Ehrenkonzert und Kulturpreis für Oskar Lagger
  3. Regionalzeitung Aletsch-Goms, Nr. 12; 23. Jahrgang, vom 23. Juni 2017 S. 22 und 23 Oskar Lagger – erster Gommer Kulturpreisträger