Otti Berger

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Otti Berger (geboren 4. Oktober 1898 in Zmajevac / Baranja, Österreich-Ungarn; gestorben 27. April 1944 im KZ Auschwitz) war eine Textilkünstlerin und Weberin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1912 bis 1926 besuchte Otti Berger die Kunstakademie in Zagreb. Ab Januar 1927 immatrikulierte sie sich zum Studium am Bauhaus Dessau. Im Wintersemester 1927 wurde sie Mitglied der Webereiwerkstatt. Nach einem Außensemester im Sommer 1929 an der Webschule Johanne Brunsson in Stockholm nahm sie ab November 1929 eine halbe Stelle als Mitarbeiterin der Weberei am Bauhaus wahr. Während des Sommers 1930 vertrat sie die Leiterin Gunta Stölzl. Im Oktober 1930 absolvierte Berger die Weber-Gesellenprüfung bei der Handwerkskammer in Glauchau/ Sachsen, woraufhin sie im November desselben Jahres das Bauhaus-Diplom erhielt.

Von November 1930 bis Mai 1931 arbeitete Otti Berger als künstlerische Mitarbeiterin bei der Gardinenweberei Fischer und Hoffmann in Zwickau. Ab Mai 1931 bis Oktober 1931 war sie bei Websky, Hartmann & Yiesen, Tischdecken und Leinenweberei in Wüstewaltersdorf tätig. Im Oktober 1931 wurde ihr die Leitung der Weberei am Bauhaus Dessau übertragen, wo sie vorerst bis Februar 1932 unterrichtete; die Stelle wurde bis zum 31. März 1932 verlängert. Nachdem Lilly Reich die Leitung der Weberei übernommen hatte, erhielt Berger einen Vertrag als stellvertretende Leiterin. Im November 1932 eröffnete Berger einen eigenen Textil-Atelier „laboratorium und versuchswerkstatt. stoffe für bekleidung, möbel, vorhang-, wandbekleidung und bodenbelag“ in Berlin.

Nach der Machtübergabe an Adolf Hitler arbeitete sie ab 1933 mit Wohnbedarf Zürich und der Weberei De Ploeg, Bergeijk/Niederlande zusammen, die Stoffe nach ihren Entwürfen produzierten. 1935 beantragte Berger die Aufnahme in die Reichskammer der bildenden Künste und wurde aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln abgelehnt. Ab Mai 1936 erhielt sie Berufsverbot als Kunsthandwerkerin. Nach mehreren kurzen Aufenthalten in London ab September 1937, wo sie keine Arbeit fand, kehrte Otti Berger in das nationalsozialistische Deutschland zu ihrer Familie zurück. Ein Emigrationsversuch in die USA – László Moholy-Nagy hatte sie 1938 eingeladen, an seinem New Bauhaus in Chicago zu unterrichten – scheiterte. 1944 wurde Otti Berger mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antonija Mlikota, Biografie von Otti Berger, auf bauhaus-online.de (abgerufen am 29. Nov. 2012)
  • Barbara von Lucadou, Otti Berger – Stoffe für die Zukunft. in: Wechselwirkungen Ungarische Avantgarde in der Weimarer Republik. Marburg 1986, S. 301–3
  • Kunst im Exil in Großbritannien, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Ausstellungskatalog, Berlin 1986, S. 117
  • Magdalena Droste & Manfred Ludewig (Hg.): Das Bauhaus webt. Die Textilwerkstatt des Bauhauses. Berlin 1998
  • Ulrike Müller: Bauhaus-Frauen : Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design. München : Sandmann, 2009, S. 62–67
  • „aushang in der weberei“ vom 26. November 1931, unterzeichnet von Mies van der Rohe, Bauhaus-Archiv Berlin

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]