Glauchau

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Glauchau
Glauchau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Glauchau hervorgehoben

Koordinaten: 50° 49′ N, 12° 33′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Zwickau
Höhe: 266 m ü. NHN
Fläche: 51,62 km2
Einwohner: 22.440 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 435 Einwohner je km2
Postleitzahl: 08371
Vorwahl: 03763
Kfz-Kennzeichen: Z, GC, HOT, WDA
Gemeindeschlüssel: 14 5 24 080
Stadtgliederung: Kernstadt, 6 Ortschaften
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
08371 Glauchau
Website: glauchau.de
Oberbürgermeister: Peter Dresler (parteilos)
Lage der Stadt Glauchau im Landkreis Zwickau
BernsdorfCallenbergCrimmitschauCrinitzbergDennheritzFraureuthGersdorfGlauchauHartensteinHartmannsdorfHirschfeldHohenstein-ErnstthalKirchbergLangenbernsdorfLangenweißbachLichtensteinLichtentanneLimbach-OberfrohnaMeeraneMülsenNeukirchen/PleißeNiederfrohnaOberlungwitzOberwieraReinsdorfRemseSchönbergSt. EgidienWaldenburgWerdauWildenfelsWilkau-HaßlauZwickauSachsenThüringenVogtlandkreisErzgebirgskreisChemnitzLandkreis MittelsachsenKarte
Über dieses Bild

Glauchau (im sächsischen Dialekt auch Glauche) ist eine Große Kreisstadt im sächsischen Landkreis Zwickau. Im ehemaligen Landkreis Chemnitzer Land war sie Kreisstadt. Die Stadt hatte ihre Blüte zur Zeit der Hochindustrialisierung in Deutschland und war ein bedeutender Standort der Textilindustrie.

Ältere Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In mittelalterlichen Urkunden werden Ort, Stadt und Burg mit verschiedenen Namenformen/Schreibweisen betitelt:[2]

  • Gluchowe (Ersterwähnung am 4. März 1240, lateinisch)[3]
  • Gluchowe (1256, lateinisch)
  • Gluchow (1335, lateinisch)
  • Glauchaw und Glaucha (um 1530)
  • Glawche (1530),[4] dies entspricht offenbar der heutigen sächsischen Aussprache als „Glauche“
  • Glauchau (um/nach 1675)[5]

Wegen der Schreibweise Glaucha besteht in Urkunden Verwechslungsgefahr mit der ehemaligen Stadt Glaucha bei Halle/Saale.

Namensursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name der ursprünglichen slawischen Siedlung „Gluchowe“ leitet sich höchstwahrscheinlich von der slawischen Geländebezeichnung „Gluchov“ oder „gluchy“ ab, was übersetzt lautlos oder still bedeutet[6].

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glauchau liegt an der Zwickauer Mulde, am Rand des Erzgebirgsbeckens, auf einer Höhe von 266 m ü. NHN (St. Georgen-Kirche) im Süden des Sächsischen Burgen- und Heidelandes. Die nächsten Oberzentren sind Zwickau (13 km), Chemnitz (26 km) und Gera (33 km).

Ausdehnung des Stadtgebiets[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt umfasst etwa 50 km², wovon 20 km² der Rümpfwald ausmacht. Teile dieses Waldes wurden von der Sowjetarmee als Übungsplatz genutzt. Er ist heute ein Naturschutzgebiet, in dem viele Tiere leben, die auf der Roten Liste gefährdeter Arten geführt werden.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Glauchau grenzen die Gemeinden Callenberg, Dennheritz, Remse, St. Egidien und Mülsen. Des Weiteren ist Glauchau von den Städten Lichtenstein, Meerane, Zwickau und Waldenburg umgeben.

Der Marktplatz von Glauchau

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glauchau besteht aus der Kernstadt und 14 Ortsteilen:[7]
Nachfolgende Tabelle zeigt die Einwohnerzahlen dieser Ortsteile am Stichtag der letzten Volkszählung (9. Mai 2011).[8]

Gemeinde-
schlüssel
Gemeindeteil Bevölkerung
010 Albertsthal 313
020 Ebersbach 131
030 Gesau 1.489
040 Glauchau 14.957
050 Höckendorf 170
060 Hölzel 154
070 Jerisau 503
080 Kleinbernsdorf 37
Gemeinde-
schlüssel
Gemeindeteil Bevölkerung
090 Lipprandis 117
100 Niederlungwitz 2.677
110 Reinholdshain 863
120 Rothenbach 522
130 Schönbörnchen 797
140 Voigtlaide 183
150 Wernsdorf 665

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht um 1850
Schlossanlage Forder- und Hinterglauchau

Der Name der Stadt wird so erklärt: Das altsorbische Wort gluch mit der Bedeutung „stiller Ort, dichter Wald“ sei ursprünglich als Waldbezeichnung Ausgangspunkt für Gluchov gewesen, aus dem Glauchau wurde.[9]

Im Schutze einer um 1170 vom Geschlecht der Schönburger errichteten Burg entstand Mitte des 13. Jahrhunderts mit der sogenannten Oberstadt ein planmäßig angelegter Ort. Deren Rat und Bürgermeister konnte für 1479 nachgewiesen werden, wie auch die Erwähnung der Herrschaft Glauchau im selben Jahr. Mit den ansässigen Gerbern, Schneidern, Tuch- und Schuhmachern bildete sich ein reges Wirtschaftsleben heraus. Im Jahr 1542 setzte sich in Glauchau die Reformation durch.

In Glauchau gerieten im Zeitraum von 1546 bis 1693 drei Personen in Hexenprozesse, eine wurde zur Todesstrafe verurteilt, dann des Landes verwiesen.[10]

1712 wurde Glauchau durch Feuer stark beschädigt.[11]

Wie fast überall in Sachsen begann auch in Glauchau Mitte des 19. Jahrhunderts die Industrielle Revolution. Hierbei entwickelte sich Glauchau zu einer Stadt der Textilindustrie, und es entstand die sogenannte Unterstadt. Als Zeichen für den industriellen Fortschritt galten die Eröffnung der Fernwasserleitung im Jahr 1857, die Errichtung des Elektrizitätswerkes im Jahr 1909 sowie die Eröffnung des durch die hohe Verkehrsdichte notwendig gewordenen Bahnhofs im Jahr 1926. Obwohl die Industrie stark wuchs und das Stadtbild prägte, entwickelte sich Glauchau Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer Gartenstadt mit prächtigen und gepflegten Villenvierteln.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden in der Alten Polizeiwache, dem heutigen Rathaus, politische Gegner interniert und misshandelt. Bis 1989 war eine solche Zelle als Gedenkstätte eingerichtet.

Die Doppelschlossanlage befand sich bis zur entschädigungslosen Enteignung im Rahmen der Bodenreform 1945 im Besitz der Adelsfamilie der Grafen und Herren von Schönburg-Glauchau. Das Schloss wurde durch Artillerie-Beschuss im April 1945 beschädigt.

Nach der politischen Wende und der Wiedervereinigung etablierte sich Glauchau als eines der drei sächsischen Güterverkehrszentren. Seit 1994 führt Glauchau den Status einer „Großen Kreisstadt“.

Wüstungen Naundorf und Grabowe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 13. Jahrhundert wurden die beiden Dörfer Naundorf und Grabowe, die in der heutigen Glauchauer Stadtflur lagen, aufgegeben. Sie gehörten ursprünglich zum Sprengel der Zwickauer Marienkirche.[12]

Burganlage Glauchauer Sachsenallee (ehem. Ringwall)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis heute überliefert hat sich „Die Sage vom Schloß auf der großen Wiese bei Schönbörnchen“:

In alten Zeiten befand sich auf der großen Wiese bei Schönbörnchen ein Schloss. Dessen Besitzer war ein Ritter, der sieben unverheiratete Töchter hatte. In der Nähe des Schlosses war es nicht geheuer. Neben einem Graben, der heute eingeebnet ist, führten eine menge Irrlichter den nächtlichen Wanderer auf falsche Wege. Viel schlimmer war jedoch der Umstand, dass es sich bei dem Bau um ein Raubschloss handelte. Es wurde der „Weiler“ genannt und hatte einen unterirdischen Verbindungsgang zum „Lug“ dem Raubritterschloss auf dem Scherberg. Auf dem Raubritterschloss hat man die Reisenden „erlugt“, im Weiler" ist dann die Beute geteilt worden.

Als Glauchau um 1800 neu kartographisch erfasst wurde, erstellte Major Friedrich Ludwig Aster, sächsischer Kartograph, auch „Astersche Meilenblätter“ von Glauchau. Diese weisen auf der großen Wiese bei Schönbörnchen eine als „die Wahl“ bezeichnete Ringwallanlage auf.

Im Jahr 1846 schrieb Albert Schiffner: „Noch vor des Feldschlößchens Erreichung jedoch wollen wir links eine 1846 eingeebnete Stelle bemerken, an welche sich die Sage von einem uralten Thurme knüpft, der hier das Thal beherrscht und große Schätze geschirmt habe. Wirklich fand man auch bei der Einebnung dieses, mit Wall und Graben umfaßten, alte Eichen tragenden Platzes unter dem Grundbau des gräflichen Lusthauses, welches im vorigen Jahrhundert unter dem Namen der Chaumière hier gestanden, einen zweiten mächtigen Grundbau aus Ziegeln von jetzt unbekannter Dimension“.

Noch 1981 war der Standort der Anlage unklar[13]. Offenbar vor 1988 gelang es Bodendenkmalpflegern in der DDR-Zeit die Stelle zu finden, an der die Burganlage gestanden hatte. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte eine Erforschung erfolgen.[14] Dazu ist es wohl wegen des Unterganges der DDR 1989/1990 nie gekommen. Die Anlage soll „zwischen Sportpark und Sachsenallee“ lokalisiert sein. Gemeint sind offenbar Fußballstadion und Plattenbau-Siedlung „Sachsenallee“. Überirdisch ist heute nichts zu sehen und die Stelle auch nicht gekennzeichnet. Es dürfte sich wohl um eine kleine Burganlage, z. B. eine Turmburg oder eine Turmhügelburg mit Wassergraben gehandelt haben. Sehr wahrscheinlich erscheint der Lage – im Tale der Zwickauer Mulde – wegen die Funktion als Zollburg. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass nach 1990 bei Bauarbeiten Reste der Anlage beseitigt oder überbaut wurden. Im genannten Areal befinden sich heute eine Straße, Gebäude der Stadtwerke Glauchau und Parkplätze.

Auf dem Scherberg (am ehemaligen Scherteich und bei der Schermühle) hingegen soll sich nach heutigem Wissensstand nie eine Burganlage befunden haben.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Albertsthal[15] 1. August 1918 Eingemeindung nach Rothenbach
Ebersbach[16] 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Reinholdshain
Elzenberg[15] vor 1880 Eingemeindung nach Niederlungwitz
Gesau[15] 1. April 1925
Höckendorf[15] 1. Oktober 1929
Hölzel[15] vor 1880 Eingemeindung nach Wernsdorf
Jerisau[15] 1. April 1937
Kleinbernsdorf[15] vor 1880 Eingemeindung nach Reinholdshain
Lipprandis[16] 19. Mai 1974
Niederlungwitz[17] 3. Oktober 1992
Reinholdshain (mit Audörfel)[17] 3. Oktober 1992
Rothenbach[15] 1. April 1929
Schönbörnchen[15] 1. Oktober 1929
Voigtlaide[16] 1. August 1973  Eingemeindung nach Wernsdorf
Wernsdorf[17] 3. Oktober 1992

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960: 31. Dezember):

Einwohnerentwicklung von Glauchau von 1834 bis 2018 nach nebenstehender Tabelle
1834 bis 1939
  • 1834: 6.296
  • 1875: 21.743
  • 1880: 21.358
  • 1885: 21.715
  • 1890: 23.405
  • 1910: 25.155
  • 1933: 31.199
  • 1939: 33.833
1946 bis 1997
  • 1946: 34.996 a
  • 1950: 35.387 b
  • 1960: 33.635
  • 1971: 31.828
  • 1981: 30.029
  • 1984: 29.343
  • 1995: 28.128
  • 1997: 27.935
1999 bis 2010
  • 1999: 27.592
  • 2001: 27.047
  • 2003: 26.633
  • 2005: 26.044
  • 2007: 25.357
  • 2008: 24.991
  • 2009: 24.684
  • 2010: 24.442
ab 2012
  • 2012: 23.355
  • 2013: 23.131
  • 2014: 23.231
  • 2015: 23.255
  • 2016: 22.925
  • 2017: 22.718
  • 2018: 22.440

Datenquelle ab 1998: Statistisches Landesamt Sachsen
Im eigentlichen Stadtgebiet wohnten im April 2017 insgesamt 14.671 Einwohner.

a 29. Oktober
b 31. August

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtkirche St. Georgen

Christliche Kirchen und Gemeinden haben in Glauchau eine lange Tradition. Einige davon wurden im 19. Jahrhundert gegründet, die großen Kirchen schauen auf eine längere Geschichte zurück.

Zur Evangelisch-lutherischen Kirche gehören die Kirchgemeinde St. Georgen und die Luthergemeinde in Glauchau sowie die Kirchgemeinden Lobsdorf-Niederlungwitz und Wernsdorf. Die Glauchauer Katholiken gehören zur Pfarrei Mariä Himmelfahrt. Ferner gibt es eine Neuapostolische Gemeinde sowie verschiedene freikirchlichen Gemeinden.

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde in Glauchau & Meerane (Baptisten) ging im Jahre 1939 aus der Arbeit der Wagenmission des Pastors G. Mewes hervor. Seitdem hat sich diese Gemeinde ständig weiterentwickelt. Es wurde ein Gemeindehaus gebaut und eine Zweigstelle in Meerane gegründet.[18]

Die Zeugen Jehovas betreiben in der Grenayer Straße einen von insgesamt neun Kongresssälen in Deutschland, der für überregionale Kongresse und Tagungen der Religionsgemeinschaft genutzt wird. Im Kongresssaal sind auch die vier Glauchauer Gemeinden untergebracht, die sich dort zu ihren wöchentlichen Zusammenkünften treffen.[19]

Es gibt noch einige andere christlichen Gemeinden in Glauchau, darunter die Adventgemeinde Glauchau, die Evangelische C-Punkt-Gemeinde Glauchau und die Christengemeinde Elim. Kennzeichnend sind die Zusammenarbeit der Kirchen und Gemeinden und die Vielzahl gemeinsamer Projekte, z. B. Jesus House Glauchau.[20]

Die Mehrheit der Bevölkerung gehört keiner Glaubensgemeinschaft an.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[21]
Wahlbeteiligung: 44,8 %
 %
40
30
20
10
0
38,2 %
17,7 %
16,7 %
16,3 %
7,9 %
3,3 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+1,2 %p
-1,8 %p
+0,7 %p
+4,6 %p
-5,6 %p
+3,3 %p

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus Glauchau

Der Stadtrat von Glauchau setzt sich aus 26 Stadträten und dem Bürgermeister zusammen. Seit der Stadtratswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau eine silberne Burg mit Zinnenmauer und breitbedachtem, mit rotweißen Fähnchen bestecktem Turm; rechts vom Turm ein dreimal rotsilbern schräggeteilter Schild, links ein zugewendeter gesichtiger silberner Halbmond.“[22] Das Wappen erscheint erstmals auf einem Siegel von 1576.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glauchau pflegt Städtepartnerschaften mit

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wo heute das Schloss Hinterglauchau steht, wurde zwischen 1170 und 1180 eine Burg errichtet. Zwischen 1470 und 1485 wurde diese in ein spätgotisches Schloss umgewandelt. Eine Doppelschlossanlage entstand mit der Errichtung von Schloss Forderglauchau von 1527 bis 1534, das als frühester Renaissancebau in Mitteldeutschland gilt. Im selben Zeitraum wurde Hinterglauchau im Renaissancestil umgebaut. Im April 1945 brannte durch Artilleriebeschuss der westliche Teil des Südtraktes des Schlosses Forderglauchau aus. Heute beherbergt Hinterglauchau das Heimatmuseum sowie eine Kunstsammlung, Forderglauchau eine Bibliothek, Musikschule und Galerie.

Bismarckturm Glauchau

Die barocke Stadtkirche St. Georgen, nach dem Brand von 1712 in den Jahren 1726 bis 1728 wiederaufgebaut und 2005/2006 restauriert,[23] besitzt neben dem Hauptaltar aus Sandstein einen kleinen spätgotischen Flügelaltar von 1510 und eine Orgel[24] von Gottfried Silbermann aus dem Jahre 1730.

Das Villenviertel im Südwesten der Stadt ist ein einzigartiges Zeugnis der Gründerzeit. Heute befinden sich noch mehr als 25 Villen in diesem Viertel. Viele wurden im Stil des Historismus (Lossow’sche Villa, Clementinenstraße 8), der italienischen Renaissance (Hellmich-Villa, Friedrich-Ebert-Straße), des Jugendstils und des Klassizismus (Bößneck-Villa, Plantagenstraße) gebaut.

Im Rathausturm befindet sich ein Porzellanglockenspiel mit 13 Porzellanglocken aus Meißner Porzellan.

Der Glauchauer Bismarckturm, zu DDR-Zeiten Friedensturm genannt, wurde 1908–1910 als Wasserturm und Aussichtsturm zum Gedenken an Otto von Bismarck errichtet. Er gilt als Wahrzeichen der Stadt. Der 46 Meter hohe Turm ist der höchste noch existierende Bismarckturm. Er ist im Normalfall regelmäßig geöffnet; bei gutem Wetter reicht die Sicht bis zum Fichtelberg, wegen herabfallender Steine und einer geplanten Sanierung aber bis auf weiteres für Besucher geschlossen.

Der Speicher in Niederlungwitz ist ein spätgotischer dreigeschossiger Bau aus dem Jahr 1492. In Gesau befindet sich eine barocke Dorfkirche von 1741.

Aussicht vom Bismarckturm in westliche, nördliche und östliche Richtung

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Glauchau gibt es mehrere Sportvereine. Die bekanntesten sind der VfB Empor Glauchau, dessen erste Fußballmannschaft in der Landesliga Sachsen spielt, sowie der HC Glauchau/Meerane, der 2013 aus dem Zusammenschluss des HSV Glauchau und dem Sächsischen Handballclub Meerane entstand und dessen erste Männermannschaft in der Handball-Oberliga Mitteldeutschland spielt.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Glauchau fand bis 2007 regelmäßig mit dem Woodstage Festival eine Großveranstaltung statt, die Fans der Independent-Kultur aus ganz Deutschland anzog.

Am letzten Sonntag im Oktober veranstaltet die TSG Glauchau e. V. den Glauchauer Herbstlauf, der mit mehr als 2000 Teilnehmern zu einer der größten Laufveranstaltungen in Sachsen zählt.[25]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haltepunkt Glauchau-Schönbörnchen (2016)

Glauchau ist über die zwei Anschlussstellen Glauchau Ost und Glauchau West an die nördlich entlangführende A 4 angebunden. Von Südwesten nach Nordosten wird die Stadt außerdem von der Bundesstraße 175 durchquert. Diese ist zwischen der Unterstadt und dem Anschluss Glauchau Ost der A 4 bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden, heute ist sie vierspurig. Ein weiterer vierspuriger Ausbau nach Zwickau-Mosel zur B 93 ist vorgesehen.

Die Stadt liegt an der Bahnstrecke Dresden–Werdau, einem Teilstück der sogenannten Sachsen-Franken-Magistrale. Diese wird im Einstundentakt von den Regionalexpress-Zügen der Linie RE 3 Dresden–Hof sowie der im gleichen Rhythmus verkehrenden Regionalbahnlinie RB 30 Dresden–Zwickau bedient. Von der Bahnstrecke zweigt die Mitte-Deutschland-Verbindung nach Erfurt ab, auf der RE-Züge im Zweistundentakt verkehren. Zudem besteht eine RB-Verbindung nach Gößnitz mit Anschluss nach Leipzig, ebenfalls im Zweistundentakt. Außerdem besteht die Möglichkeit, mit der City-Bahn nach Stollberg im Erzgebirge zu fahren. In Glauchau gibt es mit dem Bahnhof Glauchau (Sachs) und dem Haltepunkt Glauchau-Schönbörnchen zwei Stationen.

Der nächstgelegene internationale Flughafen ist der in Leipzig/Halle. Der 20 km entfernte Leipzig-Altenburg Airport fertigt seit 2011 keine Linienflüge mehr ab.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Glauchau sind viele Unternehmen der Bereiche Maschinenbau, Fahrzeugbau und Textilindustrie angesiedelt. Die Unternehmen aus dem Bereich Fahrzeugbau nutzen die direkte Nähe zum Volkswagenwerk Zwickau in Mosel, welches nur wenige Kilometer vor der Glauchauer Stadtgrenze liegt.

Große ansässige Unternehmen sind z. B:

Gesundheitswesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1842 eröffnete Rudolf-Virchow-Klinikum Glauchau, ein ehemaliges Kreiskrankenhaus, ist ein Krankenhaus der Regelversorgung mit 325 Akutbetten und 30 tagesklinischen Plätzen. Träger ist der Landkreis Zwickau. Die 1934 von Heinrich von Wolffersdorff gegründete Augenklinik ist auch eine Reaktion auf die „Glauchauer Augenkrankheit“ infolge der Luftverschmutzung durch die Chemieindustrie (H2S).[28][29] Sie besitzt mit ihren 25 Betten immer noch überregionale Bedeutung.[30]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Glauchau erscheint als Tageszeitung die Glauchauer Zeitung, eine Lokalausgabe der Chemnitzer Freien Presse. Jeden Mittwoch und Samstag wird ferner das Anzeigenblatt WochenSpiegel verteilt.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berufsakademie Glauchau

In Glauchau existierte bereits vor 1500 eine Schule. Am 1. Januar 2007 gab es fünf Grundschulen, darunter eine europäische Grundschule, sowie zwei Oberschulen und ein Gymnasium. An der Berufsakademie studieren über 1300 Personen, um einen den akademischen Graden der Fachhochschulen gleichwertigen Abschluss zu erwerben. Das Berufliche Schulzentrum „Dr. Friedrich Dittes“ bildet in den Bereichen Metalltechnik, Elektrotechnik, Informatik, Bau, Ernährung und Hauswirtschaft aus. Mögliche Ausbildungsformen sind die duale Berufsausbildung, die Fachoberschule, die Berufsfachschule, die berufsbildende Förderschule, das Berufsgrundbildungsjahr und das Berufsvorbereitungsjahr.

Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Glauchau unterhält im Stadtgebiet und in den Ortsteilen mehrere Feuerwehrhäuser der Freiwilligen Feuerwehr, die für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe sorgt. Die vier Feuerwehrhäuser der Feuerwehr der Kernstadt bestehen in der Erich-Fraaß-Straße, Schindmaaser Weg, Tunnelweg (Ortsteil Gesau) und in der Schönberger Straße (Ortsteil Jerisau), sowie weitere bei den örtlichen Feuerwehren Niederlungwitz, Reinholdshain und Wernsdorf.

Ehemalige Garnison[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Bau einer Kaserne wurde Glauchau ab 1913 Garnison der Sächsischen Armee. In der Folge war es Garnisonstadt der Wehrmacht und nach 1945 bis 1993 für die sowjetischen/russischen Truppen in Deutschland.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Haueisen: Glauchau. Geburtsstadt von Georgius Agricola. Sutton, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-194-3.
  • Werner Haueisen: Glauchau (Reihe Archivbilder). Sutton, Erfurt 2003, ISBN 978-3-89702-589-9.
  • Werner Haueisen: Glauchau im 20. Jahrhundert. Sutton, Erfurt 2001, ISBN 978-3-89702-352-9.
  • Werner Haueisen: Glauchau. Die Stadt an der Mulde (Reihe Archivbilder). Sutton, Erfurt 1999, ISBN 978-3-89702-177-8.
  • Jens Hummel: Schwere Jahre. Glauchau 1928 bis 1948. Mironde 2008, ISBN 978-3-937654-24-9.
  • Stadtverwaltung Glauchau (Hrsg.): 775 – Das alles ist Glauchau. 1240–2015. Glauchau 2015 (Digitalisat)
  • Richard Steche: Glauchau. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 13. Heft: Amtshauptmannschaft Glauchau. C. C. Meinhold, Dresden 1890, S. 7.
  • Ernst Eckhardt: Chronik von Glauchau, Glauchau 1882
  • Erich Berlet: Geschichte der Stadt Glauchau, Teil 1, Glauchau 1931; Teil 2, Glauchau 1934
  • Walter Schlesinger: Grundzüge der Geschichte der Stadt Glauchau, Glauchau, 1940
  • Robby Joachim Götze, Wolf-Dieter Röber, Steffen Winkler: Glauchau in drei Jahrhunderten, Band I: Glauchau im 18. Jh., Horb am Neckar, 2000

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Glauchau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Götze senior und Söhne – Quellen und Volltexte
Wikivoyage: Glauchau – Reiseführer
  • Glauchau im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Autorenkollektiv: Die Schönburger, Wirtschaft, Politik, Kultur. Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–91 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1990, Kap. (Schloss) Hinterglauchau, S. 21–22 (Wolf-Dieter Röber)
  3. (Broschüre) Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. private Hrsg. von Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker. Druckerei E. Gutermuth in Grünhainichen, herausgegeben in Chemnitz 2005, (DNB 974872156?), ohne ISB-Nummer, S. 7.
  4. Marina Palm: Aspekte zur Gründung der Stadt Glauchau und ihrer Entwicklung bis 1495. In: Schriftenreihe Heft 4. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1982, hier S. 47
  5. Steffen Winkler: Sage "Die weiße Frau von Glauchau" bei Christian Lehmann um 1675, In: "Schriftenreihe Sonderheft"(Sagen und Sagenhafte Erzählungen aus Glauchau und Umgebung), Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau, 1981, DDR, hier S. 21
  6. Marina Palm: Aspekte zur Gründung der Stadt Glauchau und ihrer Entwicklung bis 1495. In: Schriftenreihe Heft 4. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1982, hier S. 46
  7. Regionalregister Sachsen - Regionaleinheiten
  8. Gemeindeteilblatt Grunddaten. (PDF) Abgerufen am 7. Oktober 2017.
  9. Ernst Eichler, Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte. Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 66.
  10. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln/ Weimar/Wien 2003, S. 501.
  11. Günther Bormann: Der große Brand in Glauchau von 1712 und der Wiederaufbau der St. Georgenkirche. Eine Spurensuche.
  12. Marina Palm: Aspekte zur Gründung der Stadt Glauchau und ihrer Entwicklung bis 1495. In: Schriftenreihe Heft 4. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1982, hier S. 46
  13. Steffen Winkler: Sage vom Schloß auf der großen Wiese bei Schönbörnchen In: Schriftenreihe Sonderheft, Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau, Glauchau 1981, DDR, S. 18–19, hier S. 19
  14. Sage vom Schloß auf der großen Wiese bei Schönbörnchen (mit Hinweisen zum Forschungsstand). In: Schriftenreihe Heft 7, Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau, Glauchau 1988, DDR, S. 41 und S. 46 Pkt. 11
  15. a b c d e f g h i Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943
  16. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  17. a b c Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen
  18. Geschichte der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Glauchau & Meerane
  19. jehovaszeugen.de
  20. Jesus House Glauchau (Memento vom 22. September 2010 im Internet Archive)
  21. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  22. Manfred Bensing, Karlheinz Blaschke, Karl Czok, Gerhard Kehrer, Heinz Machatscheck: Lexikon Städte und Wappen der DDR. Hrsg.: Heinz Göschel. 2. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig Juli 1984, S. 154.
  23. St. Georgenkirche. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 7. Juni 2012; abgerufen am 9. September 2012.
  24. Glauchau, Georgenkirche. Orgel von 1730. (Nicht mehr online verfügbar.) Gottfried-Silbermann-Gesellschaft e. V., archiviert vom Original am 30. März 2013; abgerufen am 9. September 2012.
  25. Glauchauer Herbstlauf
  26. https://www.saxony-international-school.de/
  27. kayser-automotive.com
  28. Geschichte des Rudolf-Virchow-Klinikums
  29. Petzer Böttger: Mal Statist und mal Solist. Books on Demand, Norderstedt 2013, ISBN 978-3-8391-9051-7, S. 184. Digitalisat bei GoogleBooks
  30. Klinik für Augenheilkunde