Otto Ladendorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Otto Ladendorf (* 13. Juni 1873 in Dresden; † 31. Juli 1911 in Leipzig) war ein deutscher Philologe.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Ladendorf wächst als zweites von sechs Kindern eines Schmiedemeisters auf. Er besucht das Lehrerseminar in Dresden-Friedrichstadt und das Neustädter Gymnasium. Ab 1894 studiert er Philosophie, Germanistik und klassische Philologie an der Universität Leipzig.

1897 wird er mit einer Dissertation über Christoph Otto Freiherr von Schönaich zum Dr. phil. promoviert. 1898 absolviert er das Staatsexamen für Lehramtskandidaten und unterrichtet zunächst in Chemnitz und Freiberg. Von 1900 bis zu seinem frühen Tod wirkt er als Gymnasialoberlehrer an der Nikolaischule Leipzig. Wissenschaftliche Verdienste erwarb er sich durch sein Historisches Schlagwörterbuch.

In einem Nachruf würdigt ihn sein Förderer Friedrich Kluge wie folgt:

„Es verdient unsere volle Bewunderung, daß er neben den Pflichten eines anstrengenden Schuldienstes wissenschaftliche Leistungen schaffen konnte. [...] Die wortgeschichtlichen Aufsätze, die unsere Zeitschrift von ihm brachte, wirkten durch den reichen Inhalt und durch einen weitblickenden Spürsinn vorbildlich. Wenn er es sich zutraute, in ziemlich kurzer Zeit sein Schlagwörterbuch zu schaffen, so besaß er auch Kenntnis und Kraft genug, damit wirklich etwas Gutes und Dauerndes zu leisten.“ [1]

Historisches Schlagwörterbuch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufbau und Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ladendorfs Historisches Schlagwörterbuch erscheint 1906 im Straßburger Verlag Karl J. Trübner. Es verzeichnet verschiedenste Schlagworte aus Politik, Kunst und Literatur des 19. Jahrhunderts: Der Reigen reicht vom „Affentheater“ über „Blaue Blume“ und „Sommerfrische“ bis hin zum „Zickzackkurs“.

Neben der eigentlichen lexikalischen Sammlung unternimmt das Schlagwörterbuch auch erstmals den Versuch einer theoretischen Beschreibung und Analyse des Schlagworts nach Entstehung, Spielarten, Lebensdauer, Verbreitung, Form und Gefühlswert.

Das Werk versteht sich als bewusste Ergänzung zu Georg Büchmann. Während dessen schon damals populäre Sammlung „Geflügelte Worte“ die Urheberschaft fest stehender Zitate und Wendungen nachweist, betont Ladendorf, dass es „nicht genügt, möglichst genau den Geburtsschein beizubringen, sondern daß man auch der weiteren Entwicklung nachgehen muß, daß man ebenso auf das allmähliche oder plötzliche Absterben als auch auf das Wiederaufleben der Schlagworte zu achten hat.“ (S. XXIV)

Zum „Wert solcher Beobachtungen“ schreibt Ladendorf:

„der Sprachforscher (...) kann an diesen Ausdrücken in eigenartiger Weise oft typische Wortschicksale studieren, wie Ebbe und Flut bei der Aufnahme eines Schlagwortes wechselt, wie einzelne Ausdrücke merkwürdig umgebogen werden, Schimpfworte zu stolzen Parteinamen (Whigs, Tories, Geufen!) sich modeln, wie neue Wortsippen plötzlich emporschießen, wie neue Gedanken und Stimmungen nach konformem sprachlichen Ausdruck ringen, wie fremdes Sprachgut übernommen oder bearbeitet wird, sei es durch Amalgieren, sei es durch Verdeutschen.“ (S. XXVIII)

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ladendorfs lexikalisches Interesse an Schlag- und Modewörtern gilt bis heute als Pionierarbeit. Doch anders als Büchmanns „Geflügelte Worte“, die – nicht zuletzt wegen ihres praktischen Nutzens – bis heute immer wieder neu aufgelegt werden, gerät Ladendorf in Vergessenheit.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wird sein Historisches Schlagwörterbuch wiederentdeckt und vom Hildesheimer Georg Olms Verlag 1968 nachgedruckt. In der Lexikografie gilt es als Werk, das „bis heute noch nicht durch ein besseres abgelöst worden ist“.[2]

Ladendorfs Idee, anhand einzelner Schlagwörter ganze Themenfelder oder -Konjunkturen zu beschreiben, lebt in vielen Werken der populären und wissenschaftlichen Sprachkritik fort – vgl. z.B.:

  • Ulrich Bröckling (Hg.): Glossar der Gegenwart. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004.
  • Sprechen Sie Gegenwart? Lexikon des frühen 21. Jahrhunderts. Goldmann, München 2006.
  • Joachim Stave: Wörter und Leute. Glossen und Betrachtungen über das Deutsch in der Bundesrepublik. Bibliographisches Institut, Mannheim 1968.
  • Gerhard Strauß u.a. (Hg.): Brisante Wörter von Agitation bis Zeitgeist. Ein Lexikon zum öffentlichen Sprachgebrauch. De Gruyter, Berlin 1989.

Werke von Otto Ladendorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph Otto Freiherr von Schönaich. Beiträge zur Kenntnis seines Lebens und seiner Schriften. Univ. Diss., Leipzig 1897.
  • Historisches Schlagwörterbuch. Ein Versuch. Trübner, Strassburg/Berlin 1906. (als Reprint hg. von Hans-Gerd Schumann. G. Olms, Hildesheim 1968)
  • Hans Hoffmann - Sein Lebensgang und seine Werke. Berlin 1908.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Literatur von und über Otto Ladendorf im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Hans-Gerd Schumann: Einleitung. In: Ladendorf, Otto: Historisches Schlagwörterbuch. Georg Olms, Hildesheim 1968. (Reprint der Ausgabe von 1906), S. V-XVI.
  • Joachim Stave: Mit Schlagwörtern leben. In: Wirkendes Wort 15 (1965), S. 333-342.
  • Thomas Niehr: Schlagwort. In: Gert Ueding (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik (Band 8: Rhet-St). Niemeyer, Tübingen 2007, Sp. 496-502.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeitschrift für Deutsche Wortforschung 13 (1911/12), S. 244.
  2. M. Kaempfert: Das Schlagwörterbuch. In: F. J. Hausmann u.a. (Hg.): Wörterbücher. Ein internationales Handbuch zur Lexikographie. De Gruyter, Berlin 1990, S. 1200.