Pöllat

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Pöllat
Die Pöllat oberhalb der Bleckenau.

Die Pöllat oberhalb der Bleckenau.

Daten
Gewässerkennzahl DE: 125142
Lage Ammergauer Alpen, Landkreis Ostallgäu, Schwangau
Flusssystem Donau
Abfluss über Mühlberger Ach → Forggensee → Lech → Donau → Schwarzes Meer
Ursprung durch Zusammenfluss mehrerer Quellbäche nahe der Jägeralpe (1430 m)
47° 32′ 14″ N, 10° 49′ 15″ O
Quellhöhe 1430 m ü. NN
Mündung bei Mühlberg in die Mühlberger AchKoordinaten: 47° 35′ 7″ N, 10° 45′ 21″ O
47° 35′ 7″ N, 10° 45′ 21″ O
Mündungshöhe 785 m ü. NN[1]
Höhenunterschied 645 m
Sohlgefälle 65 ‰
Länge 10 km[1]
Einzugsgebiet 24,27 km²[1]
Linke Nebenflüsse Vorgesäßgraben, Mänglesgraben
Rechte Nebenflüsse Köllebach, Deutenhauser Bach, Tegelberggraben, Hammergraben, Rautbach, Lenkerbach
Gemeinden Schwangau

Die Pöllat ist ein etwa zehn Kilometer langer Wildbach im bayerischen Teil des Ammergebirges. Unterhalb des Schlosses Neuschwanstein durchfließt sie die Klamm der Pöllatschlucht, die in 90 Metern Höhe von der Aussichtsplattform der Marienbrücke überspannt wird,[2] was dem Bach besondere Bekanntheit verleiht.[3]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Pöllat leitet sich vom keltischen Bellat ab, was so viel wie „donnernder Bach“ bedeutet.[4]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pöllat entsteht durch den Zusammenfluss mehrerer Quellbäche nahe der im Sommer bewirtschafteten Jägeralpe (1430 m) unterhalb des Sattels zwischen Hochblasse (1989 m), Schäfersblasse (1764 m) und Ochsenälpeleskopf (1905 m). Von dort fließt sie zunächst in westlicher Richtung bis zur 1167 m hoch gelegenen Bleckenau, einer ehemaligen Jagdhütte von König Ludwig II. von Bayern.[5] Dabei nimmt sie von rechts den Köllebach auf und passiert die Fundstelle des Neuschwanstein-Meteoriten, der hier am 6. April 2002 um 22:20:18 MESZ niederging. Hinter der Bleckenau nimmt die Pöllat eine mehr nordwestliche Richtung an. Von Südwesten (links) fließt ihr bald darauf der vom Zunderkopf herabziehende Vorgesäßgraben, von der Tegelbergseite Deutenhauser Bach und Tegelberggraben zu. Im Jugend genannten unteren Abschnitt des Hochtals nimmt die Pöllat von links den Mänglesgraben auf, bevor sie auf Höhe der Marienbrücke über zwei Wasserfälle in die Pöllatschlucht zwischen Schloss Neuschwanstein und Tegelberg hinabstürzt. Der klammartige Abschnitt ist über einen gesicherten Steig erschlossen, der von der Höhe des Schlosses bis zur Säge- und verfallenen Schwangauer Gipsmühle am Ausgang der Schlucht herunterführt. Im weiteren Verlauf verliert die Pöllat ihren wilden Charakter und fließt noch rund drei Kilometer nordwärts, bis sie bei Mühlberg in den Abfluss des Bannwaldsees, die Mühlberger Ach, mündet. Kurz vor der Mündung nimmt sie noch den Hammergraben als rechten Nebenfluss auf. Über Lech und Donau fließen die Wasser der Pöllat letztendlich ins Schwarze Meer. Das durchschnittliche Gefälle der Pöllat liegt bei sieben Prozent.[1]

Von der Marienbrücke über die Bleckenau bis zur Jägeralpe windet sich eine teilweise asphaltierte Fahrstraße zumeist parallel zum Fluss durch das Hochtal. Diese ist für den allgemeinen Verkehr gesperrt. In der Sommersaison besteht mehrmals täglich eine Busverbindung zwischen Hohenschwangau und der Bleckenau.[5]

Hochwasserschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wasserführung der Pöllat schwankt stark. Insbesondere nach Starkregenereignissen können enorme Wassermassen den Wildbach hinabstürzen. Dabei reißen sie oft große Mengen Geschiebe – Steine, Geröll und Totholz – mit, die sich an Engstellen stauen und damit Verklausungen und Überschwemmungen auslösen können. Bei solchen Ereignisse gab es in der Vergangenheit, etwa an Pfingsten 1999, große Schäden an den Steig- und Sicherungsanlagen in der Pöllatschlucht sowie an Brücken über den Fluss.[6] Ein 100-jährliches Hochwasser der Pöllat (HQ100) wird mit einer Abflussmenge von 79 m³/s veranschlagt.[1]

Daher wurde im Herbst 2002 etwas oberhalb der Marienbrücke ein Wildholzrechen errichtet, der aus 21 mit Beton ausgegossenen Stahlsäulen besteht, die das Flussbett bis zu 4,5 m überragen. Der Rechen hat eine Auffangkapazität von 10.000 m³ Treibgut. Das Einzugsgebiet oberhalb des Sperrwerks beträgt 18,4 km².[1][6]

Geotop[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pöllatfall ist vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als bedeutendes Geotop (Geotop-Nummer: 777R014) ausgewiesen.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pöllat – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Treibholzfänger Pöllat / Wildbach. (PDF) Wasserwirtschaftsamt Kempten, abgerufen am 8. August 2012.
  2. Die Pöllatschlucht bei Hohenschwangau (Memento vom 1. März 2012 im Internet Archive)
  3. Schloss Neuschwanstein wird jährlich von rund 1,2 Mio. Gästen besucht, vgl. Pressemitteilung vom 27. Juli 2005 auf www.schloesser.bayern.de, abgerufen am 7. August 2012.
  4. michael-helmer.de
  5. a b Siehe Homepage der Bleckenau-Hütte
  6. a b Wasserwirtschaftsamt Kempten: Gewässerausbau und Errichtung eines Wildholzrechens am Wildbach Pöllat (Memento vom 4. Mai 2010 im Internet Archive)
  7. Bayerisches Landesamt für Umwelt, Geotop Pöllatfall S vom Schloss Neuschwanstein (abgerufen am 22. März 2020).