Detlef Liebs

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Detlef Liebs (2011)

Klaus Detlef Herbert Liebs (* 12. Oktober 1936 in Berlin) ist ein deutscher Rechtshistoriker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Detlef Liebs wuchs in Peilau/Schlesien, Köthen/Anhalt, Dornheim/Hessen und Karlsruhe auf. Nach dem Abitur am Helmholtz-Gymnasium Karlsruhe studierte er von 1955 bis 1956 zunächst Rechtswissenschaften und Altgriechisch an der Universität Freiburg, von 1956 bis 1960 dann Rechtswissenschaften und Geschichte an der Universität Göttingen. Zu seinen dortigen Lehrern zählten unter anderem Rudolf Smend, Gerhard Leibholz, Karl Michaelis, Helmuth Plessner, Alfred Heuß, Jochen Bleicken und Franz Wieacker, für den er während seiner Göttinger Studienjahre bereits als wissenschaftliche Hilfskraft tätig war.

Nach der Ersten Juristischen Staatsprüfung arbeitete er von 1960 bis 1962 bei Franz Wieacker an seiner Promotion über ein Thema aus dem Römischen Recht. Anschließend war er zunächst Gerichtsreferendar unter anderem in Göttingen (1962 bis 1964), dann Assistent am Institut für Römisches und Gemeines Recht der Universität Göttingen bei Franz Wieacker. Er habilitierte sich 1970 und erhielt die Venia legendi für Römisches Recht, Bürgerliches Recht und Privatrechtsgeschichte der Neuzeit. Noch im selben Jahr erfolgte der Ruf auf den Lehrstuhl für Römisches Recht, Bürgerliches Recht und Neuere Privatrechtsgeschichte der Universität Freiburg, wo Detlef Liebs bis zu seiner Emeritierung 2005 als ordentlicher Professor lehrte; den Ruf auf einen Lehrstuhl für Römisches Recht an der Universität Wien im Jahr 1980 lehnte er ab.

Seine stets vielfältigen Kontakte zu Kollegen im Ausland führten ihn 1976 während eines Forschungssemesters nach Paris, wo er mit den Epigraphikern Hans-Georg Pflaum und André Chastagnol, dem Papyrologen Joseph Modrzejewski und dem Romanisten und Kirchenhistoriker Jean Gaudemet regen fachlichen Austausch pflegte. 1984/85 war er Member der School of Historical Studies am Institute for Advanced Study in Princeton. 1989 war Detlef Liebs Visiting Fellow am All Souls College in Oxford, wo er sich fachlich insbesondere mit den Kollegen Tony Honoré, Peter Birks, Fergus Millar, John Matthews und Martin Harrison austauschte.

Seit 2005 ist Detlef Liebs Corresponding Fellow der British Academy in London, seit 2006 Korrespondierendes Mitglied der Philosophisch-historischen Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München. Im April 2015 wurde ihm von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich die Ehrendoktorwürde verliehen.

Detlef Liebs’ Hauptforschungsgebiete sind neben dem Römischen Recht vor allem die Geschichte der römischen Rechtswissenschaft einschließlich Provinzialjurisprudenz und ihr Fortleben bis ins 8./9. Jahrhundert.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermogenians iuris epitomae. Zum Stand der römischen Jurisprudenz im Zeitalter Diokletians (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. Philologisch-Historische Klasse, Dritte Folge, Nr. 57). Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1964 (Dissertation, Universität Göttingen, 1962).
  • Reurecht des Käufers „an der Haustür“? Die Möglichkeiten des geltenden Rechts, die grundsätzliche Problematik eines besonderen Reurechts und seine Ausgestaltung im einzelnen. O. Schwartz, Göttingen 1970, ISBN 3-509-00511-2.
  • Die Klagenkonkurrenz im römischen Recht. Zur Geschichte der Scheidung von Schadensersatz und Privatstrafe. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1972, ISBN 3-525-18224-4 (Habilitationsschrift, Universität Göttingen, 1969/70).
  • Römisches Recht. Ein Studienbuch (= UTB. 465). Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1975. 6., vollständig überarbeitete Auflage 2004, ISBN 3-8252-0465-0.
  • Lateinische Rechtsregeln und Rechtssprichwörter. Zusammengestellt, übersetzt und erläutert. C. H. Beck, München 1982. 7., vollständig überarbeitete und verbesserte Auflage 2007, ISBN 978-3-406-56294-5.
  • Die Jurisprudenz im spätantiken Italien (260–640 n. Chr.) (= Freiburger Rechtsgeschichtliche Abhandlungen, Neue Folge, Bd. 8). Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-06157-8.
  • Römische Jurisprudenz in Africa mit Studien zu den pseudopaulinischen Sentenzen (= Antike in der Moderne. Bd. 3). Berlin 1993. 2. Auflage (= Freiburger Rechtsgeschichtliche Abhandlungen. Neue Folge, Bd. 44). Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11617-8.
  • Römische Jurisprudenz in Gallien (2. bis 8. Jahrhundert) (= Freiburger Rechtsgeschichtliche Abhandlungen. Neue Folge, Bd. 38). Duncker & Humblot, Berlin 2002, ISBN 3-428-10936-8.
  • Vor den Richtern Roms. Berühmte Prozesse der Antike. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-56296-9.
  • Hofjuristen der römischen Kaiser bis Justinian. Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 2010, ISBN 978-3-7696-1654-5.
  • Das Recht der Römer und die Christen. Mohr Siebeck, Tübingen 2015, ISBN 978-3-16-154031-8.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Okko Behrends: Detlef Liebs. In: Index. Quaderni camerti di studi romanistici. Bd. 40, 2012, S. 780–793.
  • Karlheinz Muscheler (Hrsg.): Römische Jurisprudenz: Dogmatik, Überlieferung, Rezeption. Festschrift für Detlef Liebs zum 75. Geburtstag (= Freiburger Rechtsgeschichtliche Abhandlungen. Neue Folge, Bd. 63). Duncker & Humblot, Berlin 2011, ISBN 978-3-428-53163-9.
  • Karlheinz Muscheler: Glückwunsch. Detlef Liebs zum 80. Geburtstag. In: JuristenZeitung. 71. Jahrgang, Heft 20, 2016, S. 1002–1004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]