Patroklos

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Dieser Artikel behandelt den mythischen Krieger Patroklos. Für weitere Bedeutungen siehe Patroklos (Begriffsklärung)
Die Leiche des Patroklos wird von Menelaos geborgen. Römische Skulpturengruppe, Florenz

Patróklos (griechisch Πάτροκλος „Ruhm des Vaters“, lateinisch Patroclus) ist in der griechischen Mythologie einer der griechischen Kämpfer vor Troja, Sohn des Menoitios und der Sthenele, der Freund und Waffengefährte des Achilleus.

Leben[Bearbeiten]

Als Kind tötet er in seiner Heimatstadt Opus[1] beim Würfelspielen Kleitonymos, den Sohn des Amphidamas.[2] Sein Vater entzieht ihn der Rache durch die Flucht und bringt ihn nach Phthia zu Peleus, der den Knaben freundlich aufnimmt und als seines Sohnes Genossen erzieht.[3]

Patroklos folgt dem Achilleus nach Troja und bleibt lange Zeit tatenlos wie dieser, der sich grollend vom Kampf zurückgezogen hatte [→ vgl. Briseis, Ilias und Achilleus].[4] Selbst als die Trojaner bedrohlich die Oberhand gewinnen und gar die Schiffe der Achäer bedrängen, lässt sich Achilleus nicht umstimmen. In einem Moment äußerster militärischer Not gestattet er Patroklos, an seiner Statt einzugreifen. In der Rüstung des Achilleus [5] wirft Patroklos sich an der Spitze der Myrmidonen in die Schlacht. Es gelingt ihm, die Trojaner zurückzutreiben, wobei er viele von ihnen erschlägt, so auch den Sarpedon, den König der Lykier, und Kebriones, den Halbbruder und Streitwagenfahrer Hektors. Doch wird er schließlich von Apollon betäubt und zum Teil entwaffnet, woraufhin ihn Euphorbos von hinten mit der Lanze durchbohrt. Hektor tötet ihn schließlich, nimmt dem Gefallenen die strahlende Rüstung Achills ab und beansprucht sie als Beute. Mit schützender Hilfe Ajax des Großen entreißt Menelaos den Feinden die Leiche des Patroklos, wobei Ajax den Euphorbos tötet.[6]

Achilleus, außer sich vor Schmerz über den Tod seines geliebten Freundes,[7] entsagt dem Zorn und kehrt in den Kampf zurück, um Patroklos zu rächen. Er tötet Hektor vor den Mauern Trojas im Kampf, da er die Schwachstelle seiner alten Rüstung kennt, und leitet damit die Wende des Krieges ein. Am Scheiterhaufen des Patroklos opfert Achilleus zwölf junge Trojaner und zieht die Leiche Hektors hinten an seinen Streitwagen gebunden zwölf Tage lang um das Grabmal seines Freundes.[8]

Beziehung zwischen Achilles und Patroklos[Bearbeiten]

In Homers Ilias wird die Beziehung zwischen Achilles und Patroklos als eine enge Freundschaft beschrieben. Bei Aischylos[9] ist erstmals von einer homosexuellen Beziehung die Rede. Im antiken Griechenland war Homosexualität vor allem in Form der Knabenliebe (Paiderastie) gang und gäbe. Der „Liebhaber“ (Erastés) war in der Regel mindestens dreißig Jahre alt und war für den zwölf- bis achtzehnjährigen „Geliebten“ (Eromenos) auch eine Art Erzieher.[10] Aischylos zufolge nimmt Achill die Rolle des „Liebhabers“, Patroklos die des „Geliebten“ ein. Platon kritisiert Aischylos im Symposion, indem er das Verhältnis zwischen Achill und Patroklos umgekehrt deutet: Achilles sei der „Geliebte“, da er jünger und schöner sei als Patroklos. Achills Rache für Patroklos' Tod deutet Platon als Folge von Achilles' Abhängigkeit von dessen „Liebhaber“.[11] Auch eine Schale des um 500 v. Chr. tätigen Sosias-Malers zeigt Patroklos bärtig und kennzeichnet ihn gegenüber dem unbärtigen Achill als den älteren.

Rezeption[Bearbeiten]

Nach ihm ist der am 17. Oktober 1906 von August Kopff in Heidelberg entdeckte Asteroid (617) Patroclus benannt. „Patroklos“ ist der Titel eines 1944 erschienenen Theaterstücks von Robert Hohlbaum, das in der Zeit des Nationalsozialismus nicht aufgeführt wurde.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Homer, Ilias 18, 326.
  2. Bibliotheke des Apollodor 3, 13, 8.
  3. Homer, Ilias 9, 252f.; 11, 765f.; 18, 10f.
  4. Homer, Ilias 1, 337.
  5. Die Rüstung hatte ursprünglich Peleus, der Vater Achills, von den Göttern als Geschenk anlässlich seiner Hochzeit mit Thetis erhalten (Schildbeschreibung im 18. Buch).
  6. Das gesamte 16. Buch der homerischen Ilias ist dem Kampf und dem Tod des Patroklos gewidmet.
  7. Homer, Ilias 18, 32.
  8. Von den feierlichen Wettkämpfen zu seinem Gedenken handelt das 23. Buch der homerischen Ilias.
  9. Laut Athenaios, Deipnosophistai 13, 601.
  10. Hartmann, Elke: Homosexualität. B. Männliche Homosexualität in: Der Neue Pauly. Onlineversion (Juni 2008)
  11. Platon, Symposion 179e-180a; Kenneth Dover: Greek Homosexuality, 1978, S. 196-199.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Patroklos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien