Paul-Gerhardt-Kirche (Berlin-Prenzlauer Berg)

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Paul-Gerhardt-Kirche in Prenzlauer Berg

Die Paul-Gerhardt-Kirche ist ein Kirchengebäude im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg des Bezirks Pankow. Sie wurde zum Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet und nach dem evangelischen Theologen und Kirchenmusiker Paul Gerhardt benannt. Die Kirche gehört zum Kirchenkreis Berlin Stadtmitte.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baugeschichte des Gotteshauses und des Gemeindezentrums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. November 1908 wurde vom Generalsuperintendenten Wilhelm Faber der Grundstein der Paul-Gerhardt-Kirche gelegt, nachdem sich die aus der Zionsgemeinde entstandene Gethsemanegemeinde am 15. März 1907 geteilt hatte. Regierungsbaumeister Gustav Werner lieferte die Pläne für das Gotteshaus und der Architekt Fritz Förster leitete die Bauarbeiten.

Am Geburtstag Paul Gerhardts, dem 12. März 1910,[1] fand die feierliche Einweihung der Kirche unter Anwesenheit des Kronprinzenpaars Wilhelm und Cecilie statt.[2]

Am 22. Januar 1943 wurden die Türme und das Dach der Kirche bei Luftangriffen der Alliierten durch Brandbomben zerstört. 1947 nahm die Kirche den regulären Betrieb wieder auf. Zum 50. Kirchweihjubiläum 1960 waren alle Kriegsschäden beseitigt und eine neue Schuke-Orgel mit 22 Registern eingeweiht. Zum Gedenken an die Gefallenen der Gemeinde wurde ein Wand-Mosaik rechts vom Altarraum von Lothar Mannewitz geschaffen, das St. Michael den Drachentöter darstellt. Zudem gibt es ein Gedenkbuch, in das Namen von Opfern des Zweiten Weltkriegs aus der Gemeinde eingetragen wurden.

Das Gemeindehaus in der Kuglerstraße, das mit der Kirche direkt über einen hinter der Kirche liegenden Innenhof verbunden ist, wurde 1912 von Generalsuperintendent Lahusen eingeweiht. Es umfasst zwei miteinander verbundene Gemeindesäle, die von zahlreichen Gruppen genutzt werden, sowie Wohnungen unter anderem für Pfarrer, Küster und Jugendmitarbeiter. 1972 wurden Garagen auf dem Innenhof für die Bewohner des Gemeindehauses gebaut.

Lage und Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Paul-Gerhardt-Kirche ist eine in die Häuserzeile der Wisbyer Straße eingefügte Backsteinkirche mit zwei je 40 Meter hohen Türmen[3] im Norden des Prenzlauer Bergs. Sie bietet Platz für rund 1000 Personen und war die erste Berliner Kirche, die nach einem Beschluss der Berliner Stadtsynodalverbandes nicht mehr als 200.000 Mark kosten durfte (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 1.125.000 Euro).[4] Die Architektur ist eine Mischung aus Neugotik und Jugendstil. Der Grundriss hat eine quadratische Form.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altarraum

Im Innern befindet sich zentral und den Altarraum beherrschend das Altarbild, welches den auferstandenen Christus darstellt. Es wurde vom Gemeindeglied Gerhard Noack[5] gemalt, vor den Kriegsschäden evakuiert und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder eingesetzt. Die mit Elementen des Jugendstils versehene ursprüngliche Malerei an der Frontwand des Chores mit allegorisch stilisierten Bildern zum biblischen Paradies enthielt zwei Spruchbänder, auf denen in Frakturschrift Zeilen eines von Paul Gerhardt 1653 gedichteten Liedes zu lesen waren: „Ist Gott für mich so trete gleich alles wider mich“ und „Die Sonne, die mir lachet ist mein Herr Jesus Christ.“[6] Bei der Neuausmalung des Kirchenschiffes 1959/1960 ganz in weiß sind die letzten Reste der einstigen Ausmalung, die den Zweiten Weltkrieg überstanden hatten, beseitigt worden. Das große dreiteilige farbige Glasfenster mit Motiven des Paul-Gerhardt-Liedes O Haupt voll Blut und Wunden[7] und Szenen aus dem Leben des Kirchenlied-Dichters blieb nicht erhalten, dagegen ein Relief in der Haupteingangshalle.[8] Ein kleines Glasgemälde mit der Kreuzigung wurde 1951 für ein Fenster unter der Empore an der Wand des Kirchenschiffs zur Kuglerstraße hin angefertigt.[9]

Fastenbrauch

Seit dem Jahr 2011 findet während der Fastenzeit, also nach dem Ende der Fastnacht, eine Verhüllung des Altarbildes statt. Diese dauert 40 Tage und soll nach mittelalterlichem Brauch die Kirchenbesucher an die Passionszeit erinnern. Erstmals 2011 durfte die Berliner Malerin Sabine Herrmann ein Hungertuch, auch Passionstuch, Palmtuch oder Fastentuch genannt, künstlerisch gestalten. Im Jahr 2016 fand die Gemeinde in der USA-Künstlerin Hannah Dougherty eine weitere Aktivistin für diese Aufgabe. Sie bemalte ein sechs mal neun Meter großes Tuch in schwarz-weiß-Strichtechnik mit Wolkenformationen, Tierbildern und Spruchbändern in der Art eines Comics. Während der Zeit der Altarverhüllung finden weiterhin Gottesdienste statt, für die dann auch die liturgischen Geräte wie die Bibel auf dem Altartisch und die Altarkerzen nicht verfügbar sind. Der Inhalt der Predigt muss dem verhüllten Allerheiligsten im Kirchenraum entsprechen, so dass überlieferte Passionstexte nicht einfach weiter genutzt werden können.[10]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel der Paul-Gerhardt-Kirche wurde von der Firma Alexander Schuke Orgelbau erbaut.

I Hauptwerk C–g3
1. Quintadena 16′
2. Principal 08′
3. Spillpfeife 08′
4. Oktave 04′
5. Spitzflöte 04′
6. Nassat 0223
7. Waldflöte 02′
8. Mixtur III–V
9. Trompete 08′
II Brustwerk C–g3
10. Gedackt 08′
11. Rohrflöte 04′
12. Quintadena 04′
13. Principal 02′
14. Tertian II
15. Octave 01′
16. Scharff IV
17. Krummhorn 08′
Tremulant
Pedal C–f1
18. Subbass 16′
19. Octave 08′
20. Bassflöte 08′
21. Octave 04′
22. Bauernflöte 02′
23. Mixtur V
24. Posaune 16′

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1990er Jahren wird die Paul-Gerhardt-Kirche neben der Gethsemanekirche und der Segenskirche von der Evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord genutzt.

Die Gemeindefusion der Gemeinden Elias, Gethsemane, Paul Gerhardt und Segen im Jahr 2001 führte zu einer Diskussion um standortbezogene Schwerpunktsetzungen, wobei die Spezialisierung der Paul-Gerhardt-Kirche auf kirchenmusikalische Arbeit sowie Jugendarbeit erwogen wird. Seit Frühjahr 2008 nutzt die Afrikanische Gemeinde die Gemeinderäume und die Kirche, insbesondere freitagabends, mit.

In der Gemeinde gibt es mehrere Kreise, die durch bürgerschaftliches Engagement der Gemeindeglieder mitgetragen werden. Dies sind zum Beispiel

  • die JG (Junge Gemeinde),
  • die Bibelstunde,
  • der Seniorenkreis,
  • der Berufstätigenkreis,
  • der Krabbelgottesdienst und
  • der Jugendchor.

Internationale Kontakte bestehen zu Partnergemeinden in Cochabamba/Argentinien, Maarssenbroek/Niederlande und Ķegums/Lettland. In Deutschland wurde nach dem Mauerbau 1961 jedem Pfarrer eine Patengemeinde in der Bundesrepublik zugeteilt, in diesem Fall Halver und Lennestadt.

Pfarrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pfarrer in Vergangenheit und Gegenwart an der Paul-Gerhardt-Kirche in Prenzlauer Berg – Ortsteil im Berliner Bezirk Pankow – sind an der Wandgalerie des Gemeindebüros[11] übersichtlich dargestellt:

  • 1907–1931 Hermann Hörnicke
  • 1907–1938 Hugo Käding
  • 1908–1909 Martin Wachsmann
  • 1909–1950 Wilhelm Krause[12]
  • 1918–1920 Erich Löffler
  • 1921–1944 Albert Babick
  • 1928–1944 Walter Caesar
  • 1931–1957 Kurt Ziemer
  • 1941–1958 Hugo Preilipper
  • 1945–1946 Paul Mendelson
  • 1946–1952 Ernst Nauck
  • 1948–1949 Günter Schochow
  • 1949–1962 Ernst Kornrumpf
  • 1951–1954 Peter Wolbrandt
  • 1952–1955 Johannes Mickley
  • 1955–1956 Gerhard Rother
  • 1955–1982 Gerhard Schellig
  • 1956–1978 Ernst Guhl
  • 1958–1979 Rudi Schulz
  • 1959–1972 Theodor Kalinka
  • 1979–1997 Martin Düsterdick
  • 1982–1990 Gisbert Mangliers
  • 1983[13]–2016 Uta Fey
  • 1991–2004 Jürgen Bergerhoff
  • 2005 (?) Tobias Kuske

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Rosenmüller (Hrsg.) i. A. des GKR: 90 Jahre Paul-Gerhardt-Kirche (Eine Chronik zu Freude, zu Erinnerung, zum Nachdenken und Weitermachen), 1. Auflage (250 Stück), 2000.
  • Pfarralmanach für die Kirchenprovinz Berlin-Brandenburg, Hrsg. Evangelisches Konsistorium Berlin-Brandenburg, Vorgänger und Nachfolger, z. B. Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg: Adressenwerk der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (1994–1999), verschiedene Jahrgänge; DNB 010127313

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Kirchen. Bd. 1 Die Evangelischen Kirchen in Berlin (Alte Stadt). Gesammelt und herausgegeben von Dr. Wilhelm Lütkemamm, Konsistorialrat in Berlin. Verlag für Volksliteratur, Berlin, 1926, S. 104 f.
  2. Abbildung von der Verabschiedung durch den Generalsuperintendenten Faber mit der Bildunterschrift „Das Kronprinzenpaar nach der Einweihung der Paul Gerhard-Kirche in Berlin“ vor geöffneter Tür des königlichen Automobiles in Daheim. Ein deutsches Familienblatt. 46. Jg. Nr. 26 vom 26. März 1910
  3. Günther Kühne, Elisabeth Stephani: Evangelische Kirchen in Berlin. Mit einer Einführung von Oscar Söhngen. Christlicher Zeitschriften Verlag C.Z.V., Berlin, 1978, S. 393; ISBN 3767401584.
  4. Daheim. Ein deutsches Familienblatt. 46. Jahrgang. Nr. 26 vom 26. März 1910.
  5. Gerhard Noack war laut Berliner Adressbuch von 1910 von Beruf Kunstmaler bzw. Genremaler und wohnte in der Schönhauser Allee 58 in Berlin. Dort betrieb er ein Atelier für gewerbliche Entwürfe, Plakate u. a.
  6. Evangelisches Gesangbuch, Berlin/Leipzig 1993, Nr. 351, Erste Zeile von Vers 1 und letzte Zeile von Vers 13 des gleichnamigen Paul-Gerhardt-Liedes.
  7. Evangelisches Gesangbuch, Berlin/Leipzig 1993, Nr. 85
  8. Tageszeitung Neue Zeit, Ausgabe B, 9. März 1985, S. 6.
  9. Ernst Badstübner, Sibylle Badstübner-Gröger: Kirchen in Berlin, Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1987, S. 203; ISBN 3-374-00171-8.
  10. Frank Herold: Jesus hinterm Wolkenvorhang. In: Berliner Zeitung, 10. Februar 2016, S. 13.
  11. Paul-Gerhardt-Kirche im Berliner Noden, Wisbyer Str. 7; Gemeindebüro, Eingang Kuglerstr. 15 in 10439 Berlin
  12. zugleich Vorsitzender der Wohlfahrtseinrichtung „Diakonie und Krankenpflege“ der Kirchengemeinde laut Die Wohlfahrtseinrichtungen von Groß-Berlin: Nachtrag April 1913. Hrsg. Zentrale für private Fürsorge, S. 5; ISBN 978-3-642-93862-7
  13. Pfarrerverzeichnis der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg. Evangelische Verlagsanstalt Berlin GmbH, Berlin 1985

Koordinaten: 52° 33′ 11,1″ N, 13° 25′ 2,1″ O