Paul Ernst

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Dieser Artikel behandelt den deutschen Schriftsteller Paul Ernst; bezüglich des gleichnamigen österreichischen Biathleten siehe Paul Ernst (Biathlet).

Carl Friedrich Paul Ernst (* 7. März 1866 in Elbingerode (Harz); † 13. Mai 1933 in Sankt Georgen an der Stiefing, Steiermark) war ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Gemeinsam mit Wilhelm von Scholz veröffentlichte er ein Lustspiel unter dem Pseudonym P. W. Spassmöller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren als Sohn des Grubenaufsehers Johann Christian Friedrich Wilhelm Ernst und seiner Ehefrau Emma Auguste Henriette Dittmann, wurde er am 18. März 1866 getauft. Ernst verbrachte Jugendjahre in Clausthal und besuchte ab 1876 das dortige Gymnasium in der Graupenstraße. Da er mit dem Gymnasium nicht zurechtkam, wechselte er 1884 auf das Gymnasium von Nordhausen, wo er ein Jahr später die Reifeprüfung ablegte.[1] Anschließend studierte er Theologie und Philosophie an den Universitäten in Göttingen und Tübingen. Ein weiteres Studium der Literatur und Geschichte in Berlin schloss sich an. 1892 promovierte er in Bern. Er wurde Mitglied des progressiven Berliner Literatenvereins Durch.

Frühzeitig schloss er sich der Arbeiterbewegung an und wurde Mitglied der SPD, aus der er jedoch 1896 wieder austrat. Im „Berliner Volksblatt“ Nr. 232 vom 5. Oktober 1890 kennzeichnete ihn Friedrich Engels als einen oberflächlichen und wehleidigen Opportunisten.

Anfang des 20. Jahrhunderts hielt sich Paul Ernst in Weimar auf. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Dramen und Erzählungen. 1905/1906 war er als Dramaturg am Düsseldorfer Schauspielhaus tätig. Später widmete er sich freiberuflich ganz seiner schriftstellerischen Tätigkeit. 1916 heiratete er die Schriftstellerin Else von Schorn, geb. Apelt.

Literarisches Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein literarisches Schaffen ist sehr umfangreich und vielfältig. Es umfasst sowohl Romane, Erzählungen und Novellen als auch Dramen, Essays und Epen. Sind seine frühen Werke noch dem Naturalismus zuzuordnen, sind seine späteren, vor allem in den 1920er-Jahren entstandenen Schriften Bestandteil der Neuklassik, zu deren Hauptvertretern Paul Ernst gezählt wird.

1933, noch bevor Hitler über die Vergabe entscheiden konnte, erhielt Paul Ernst die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft[2].

Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung der Preußischen Akademie der Künste und der Entfernung von 40 jüdischen und aus anderen Gründen missliebigen Akademie-Mitgliedern wurde Ernst am 5. Mai 1933 auf einen der frei gewordenen Plätze berufen.[3] Den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst hatte er bereits 1930 erhalten.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romane
  • Der schmale Weg zum Glück (1904)
  • Grün aus Trümmern (1923)
  • Das Glück von Lautenthal (1933)
  • Der Schatz im Morgenbrotstal
  • Saat auf Hoffnung
Novellen und Erzählungen
  • Der Tod des Cosimo
  • Komödianten- und Spitzbubengeschichten (1920); 60 Erzählungen
  • Die Hochzeit
  • Die selige Insel und andere Erzählungen aus dem Süden
Dramen
  • Lumpenbagasch (1898)
  • Im Chambre Séparée (1899), Einakter
  • Die schnelle Verlobung (1899), Einakter
  • Wenn die Blätter fallen (1899), Einakter
  • Demetrios (1905)
  • Ariadne auf Naxos. Ein Schauspiel in drei Aufzügen (Weimar 1912) (Digitalisat)
  • Canossa
  • Brunhild; Fünf Traktate in Versen
  • Childerich
  • Chriemhild
  • Preußengeist (Uraufführung 27. Januar 1915)
Essays
  • Henrik Ibsen (1904)
  • Der Weg zur Form (1906)
  • Zusammenbruch des Idealismus (1919)
  • Zusammenbruch des Marxismus (1919)
  • Grundlagen der neuen Gesellschaft. (Durch neue Aufsätze vervollständigte Ausgabe von Der Zusammenbruch des Marxismus.) Georg-Müller-Verlag, München 1929, DNB 573929033. Albert Langen & Georg Müller, München 1934. [4]
  • Das deutsche Volk und der Dichter von heute (1932, veröffentlicht 1933)
  • Ein Credo (1935)
Lyrik
  • Polymeter (1898)
Tagebuch
  • Tagebuch eines Dichters (1934)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jutta Bucquet-Radczewski: Die neuklassische Tragödie bei Paul Ernst (1900–1910). Würzburg: Königshausen u. Neumann 1993. ISBN 3-88479-823-5
  • Hildegard Châtellier: Verwerfung der Bürgerlichkeit. Wandlungen des Konservatismus am Beispiel Paul Ernsts. Würzburg: Königshausen u. Neumann 2002. ISBN 3-8260-2175-4
  • Paul Ernst. Außenseiter und Zeitgenosse, hrsg. v. Horst Thomé. Würzburg: Königshausen u. Neumann 2002. ISBN 3-8260-2200-9
  • Paul Ernst heute. Emsdetten: Lechte 1980. ISBN 3-7849-1113-7
  • Norbert Fuerst: Paul Ernst. Der Haudegen des Geistes. München: Nymphenburger 1985. ISBN 3-485-03500-9
  • Wolfgang Heilmann: Ernst, Karl Friedrich Paul. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 629–631 (Digitalisat).
  • Beate Hörr: Tragödie und Ideologie. Tragödienkonzepte in Spanien und Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Würzburg: Königshausen u. Neumann 1997. (= Epistemata; Reihe Literaturwissenschaft; 222) ISBN 3-8260-1303-4
  • Paul Hübscher: Der Einfluss von Johann Wolfgang Goethe und Paul Ernst auf Ludwig Wittgenstein. Bern u.a.: Lang 1985. (= Europäische Hochschulschriften; Reihe 20, Philosophie; 185) ISBN 3-261-03536-6
  • Georg Noth: Paul Ernst und die Erneuerung des Christentums. Merseburg: Stollberg 1997.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Schramm zum Artikel Paul Ernst zum 150. Geburtstag in Unser Harz, Geschichte und Geschichten aus dem gesamten Harz, Clausthal-Zellerfeld, Heft 8/2016
  2. Sandra Richter, A History of Poetics: German Scholarly Aesthetics and Poetics in international context, 1770-1960; Seite 258
  3. Erwähnung von P. Ernst bei Hans Friedrich Blunck auf polunbi.de
  4. Ernst 1929 (Grundlagen) – Vorwort in pdf bei detopia.de